b) Die Beschreibung. Ein Gegenstand wird in bezug auf seine nebeneinanderliegenden Teile dargestellt. Eine gute Beschreibung wird jedoch auch das im Raume Ruhende in einer gewissen zeitlichen Aufeinanderfolge darzustellen wissen. So wird z. B. eine Pflanze am besten in der Weise beschrieben, daß die einzelnen Teile in der Reihenfolge aufgeführt werden, in welcher sie sich selbst entwickeln, daß man also gleichsam die Pflanze vor sich entstehen sieht. Homer erzählt, wie die Waffen nach und nach fertig werden oder wie ein Kleidungsstück nach dem anderen angelegt wird. So ist immer das Unbelebte und Unbewegte mit dem lebendigen Gang einer Handlung in Verbindung zu setzen. Man vgl. hierüber Lessings Laokoon.
c) Die Schilderung. Ein Gegenstand oder ein Ereignis wird in besonders anschaulicher und lebendiger Weise dargestellt, z. B.: ein Frühlingstag, ein Gewitter usw.
d) Die Charakteristik. Die Eigenart einzelner Personen oder ganzer Menschengattungen wird geschildert, z. B.: Gustav Adolf, Wallenstein, der Geizige, der Jähzornige usw.
e) Die Abhandlung. Die Abhandlung ist die höchste und schwierigste Form des Aufsatzes, weil sie sich nicht mit konkreten Gegenständen, sondern mit abstrakten Dingen, mit Begriffen, Sentenzen und theoretischen Wahrheiten beschäftigt.
f) Übersetzungen aus fremden Sprachen. Diese sind für die Ausbildung des Stiles von großer Wichtigkeit, wenn sie mit Sorgfalt ausgeführt werden, und wenn man streng darauf bedacht ist, jede undeutsche Wendung zu meiden.
39. Das Sammeln des Stoffes.
Beim Sammeln des Stoffes schreibe man die Gedanken zunächst ohne Rücksicht auf irgendwelche bestimmte Reihenfolge so nieder, wie sie einem zufällig in den Sinn kommen. Gewöhnlich bilden sich aber dabei von selbst schon gewisse Gesichtspunkte, nach denen der Stoff sich ordnen läßt, mit heraus, die dann später willkommene Anhaltspunkte für die Disposition bieten. Die Hauptmittel, um Stoff zur Behandlung gegebener Themen zu finden, sind: Beobachtung der Natur und des Lebens, sowie die Lektüre guter Werke.
40. Die Disposition.
Bevor man an die Darstellung selbst geht, muß der Gegenstand nach allen Seiten durchdacht sein, und der Stoff, den man dabei gefunden hat, muß geordnet werden. Es lassen sich oft sehr viele Teile und Unterteile bilden, jeder Aufsatz hat aber in der Regel drei Hauptteile, nämlich: a) den Eingang, b) die Ausführung, c) den Schluß.
a) Der Eingang hat den Zweck, auf den darzustellenden Gegenstand hinzuleiten. Er muß daher alles enthalten, was zum Verständnisse des Folgenden notwendig ist, und muß das Interesse des Lesers erwecken. Bei Erzählungen und Beschreibungen werden hauptsächlich Raum- und Zeitverhältnisse (Lage, Ort, Jahreszeit u. ähnl.) den Inhalt bilden, bei Abhandlungen wird von den Umständen zu reden sein, die den Verfasser zum Schreiben veranlaßt haben, oder es werden allgemeine Gedanken anzuführen sein, die zu dem besonderen Gedanken des Themas hinführen, u. ähnl. Bei größeren Arbeiten muß die Einleitung immer das Reifste und Vollendetste sein, man wird daher gut tun, sie zuletzt zu schreiben.