c) Begründung (Aetiologia oder Causa). Die Wahrheit der Sentenz wird durch Gründe erwiesen.

d) Gegenteil (Contrarium). Die entgegenstehenden Meinungen werden widerlegt.

e) Gleichnis (Simile oder Comparatio). Das, was in der Sentenz ausgesprochen ist, wird mit ähnlichen Erscheinungen aus der Natur verglichen.

f) Beispiel (Exemplum). Für die Wahrheit der Sentenz werden Fälle aus dem täglichen Leben oder aus der Geschichte angeführt.

g) Zeugnis (Testimonium). Es werden Aussprüche großer Männer, Sprichwörter, Sitten, Gebräuche usw. angeführt, welche die Wahrheit der Sentenz bestätigen.

h) Schluß (Conclusio). Das Gesagte wird noch einmal kurz zusammengefaßt (Recapitulatio) und eine Nutzanwendung daran geknüpft.

Die Chrie steht in der Mitte zwischen Erzählung und Abhandlung. Sie ist nur eine Schulform der Darstellung, die sich im Anfange, wenn dem Schüler die Fähigkeit selbständig zu disponieren noch mangelt, mit Vorteil anwenden läßt, die aber bald abgestreift werden muß, da im Leben weder Redner noch Schriftsteller von dieser Form Gebrauch machen.

43. Die Ausarbeitung.

Hat man das Thema nach allen Seiten hin durchdacht, den Stoff gesammelt und die Disposition entworfen, so geht man an die eigentliche Ausarbeitung. Hierbei sind vor allem die stilistischen Gesetze zu beobachten, die bereits in der allgemeinen Stilistik im einzelnen dargelegt sind. Man sage nichts, was nicht zur Sache gehört, gehe über Nebensächliches rasch hinweg und meide vor allem Weitschweifigkeit und leere Redseligkeit, die alle Gedankenkraft ersticken und den Aufsatz um jede Wirkung bringen. Besondere Aufmerksamkeit wende man den Übergängen zu, die sich zwischen den einzelnen Teilen nötig machen und dazu dienen, die Verbindung zwischen den einzelnen Teilen herzustellen. Hauptregel ist hier, daß die Übergänge in den Gedanken, nicht in bloßen Worten liegen müssen. Ein einziges Bindewort oder Umstandswort, oftmals auch bloß die Wortstellung genügen in der Regel, um sprachlich die Verknüpfung auszudrücken. Oftmals leitet eine Frage geschickt zu dem nächsten Teile über. Je leichter und natürlicher die Übergänge erscheinen, um so besser ist der ganze Aufsatz. Wortreichtum in den Übergängen ist aufs sorgfältigste zu meiden. Unerträglich sind Wendungen wie: „Nachdem wir nun die Phanerogamen betrachtet haben, gehen wir zu den Kryptogamen über“ oder: „Sehen wir uns nun die Kryptogamen näher an“ oder: „Es sind aber nicht nur die Phanerogamen zu betrachten, sondern auch die Kryptogamen“ usw. Je genauer das ganze Thema durchdacht worden ist, um so leichter und natürlicher werden sich die Übergänge gestalten.

44. Über die Kunst, seine Gedanken gut auszusprechen.