Doch als ich hörte, daß es sich für den Maharadscha nur darum handele, sich in das Gästebuch einzutragen, war ich ganz damit einverstanden, daß dieser hochwichtige Akt sehr wohl von Dschagatdschit Singh im Bett vollzogen werden könne, und wir verfügten uns daher in das Schlafzimmer des Maharadscha, der immer noch darüber grübelte, welche Missetat er wohl begangen haben möge. Erleichtert atmete er auf, als der Oberhofmarschall ihm Buch und Feder reichte, um seinen Namen einzutragen, aber noch lange nachher war er tief entrüstet über die Unhöflichkeit, Gäste wegen einer solchen Kleinigkeit mitten in der Nacht im Schlafe zu stören. In Indien wäre man sicherlich mehr auf die Bequemlichkeit und das Wohl seiner Gäste bedacht, worin er unzweifelhaft recht hatte.

Überhaupt hatte der Aufenthalt im Schlosse zu Windsor wenig Angenehmes. Schon die Bedienung ließ zu wünschen übrig. An den altmodischen Schellen konnte man sich zum Glöckner ausbilden, ehe ein dienstbarer Geist sich zum Erscheinen bequemte; doch zum Empfang der Trinkgelder waren sie alle vollzählig und pünktlich zur Stelle.

Wir waren daher froh, wieder unsere Zimmer im Hotel Cecil in London beziehen zu können, wo der Aufenthalt zwar nicht so historisch-majestätisch, dafür aber mehr modern-menschlich war.

Immer auf der Jagd, seinen Ehrgeiz als Don Juan der großen Welt zu stillen und Indien auf seine Weise in Europa zur Geltung zu bringen, war es dem Maharadscha irgendwie gelungen, die berühmte Cavalieri kennenzulernen. Sie war als Blumenmädchen irgend jemandem aufgefallen, der sie für das Theater ausbilden ließ, wofür sie ihn mit einem Jungen beschenkte. Eine große, hoheitsvolle und doch anmutige Gestalt, war die berühmte Italienerin eine der ersten Schönheiten jener Jahre.

Aus irgendeinem Grunde suchte ich den Maharadscha an jenem Abend der Cavalieri in seinem Privatspeisezimmer nochmals auf und fand den Tisch für zwei Personen gedeckt. Da er die Rani Kanari auf das Land zu Bekannten gesandt hatte und er selbst meistenteils abends auswärts aß, fragte ich, wen er wohl erwarte. Freudestrahlend weihte er mich in das Geheimnis ein.

Er, der indische Maharadscha, sei von einer Dame auserwählt, die selbst von europäischen Fürsten umworben werde. Er war sichtlich ganz begeistert über seinen Erfolg, und ich war gespannt, ob sie, die Cavalieri, wohl überhaupt erscheinen werde. Und sie kam.

„Comment ça va, Maharadja!“ begrüßte sie ihn herablassend in ihrem italienischen Französisch.

Ich beglückwünschte ihn noch auf hindostanisch und warnte ihn vor unüberlegten Ausgaben, denn ich fürchtete neue Komplikationen.

Als ich gegen elf Uhr zurückkam, war der Wagen der Cavalieri verschwunden, und ich hörte, daß sie, ganz Liebenswürdigkeit und Anmut, kurz vorher das Hotel verlassen habe.

Am nächsten Morgen suchte ich Dschagatdschit Singh auf und fand zu meinem Erstaunen im Wohnzimmer sein persönliches Scheckbuch offen auf dem Tisch liegen. Von bösen Ahnungen erfaßt, sah ich mir die letzte Seite an, wo ein Scheck über tausend Pfund an L. C. — L. Cavalieri — verzeichnet stand. Ich legte das Buch vorsichtshalber in eine Schublade und wartete ab, was ich wohl hören würde. Augenscheinlich war der Fürst nicht ganz so entzückt von seiner Eroberung wie am Abend vorher. Er teilte mir aber mit, ich möchte die Zimmerflucht neben der seinen bei der Hotelverwaltung für ihn belegen lassen, denn gegen vier Uhr würde die Cavalieri eintreffen, die ihre Wohnung im Savoy-Hotel aufgäbe, um ins Cecil überzusiedeln.