Wie vorauszusehen, kam auch noch am Tage der Abfahrt von Port Said der Adjutant der Kaiserin und bat mich, ihn der Rani vorzustellen, um sie bei der Ex-Kaiserin einführen zu können. Nach Port Said trafen sich die beiden Damen des öfteren im Salon der Kaiserin, die sehr anziehend war. Schon damals ging sie am Stock. Die Rani zeigte sich so gewinnend, daß sie noch vor Ankunft des Dampfers in Marseille von der Ex-Kaiserin zum Besuch auf ihre Villa in Cap Martin, in der Nähe von Monte Carlo, eingeladen wurde. Von Marseille drahtete ich erfreut an den Maharadscha und erbat seine Einwilligung, die umgehend eintraf. Freudestrahlend eilte er sogar seiner Rani entgegen und begrüßte sie aufs herzlichste bei der Durchfahrt auf dem Bahnhofe in Monte Carlo.

Nach zweitägigem Aufenthalt nahmen wir Abschied von der Ex-Kaiserin. Die Gesellschaft einer älteren Dame war nicht nach dem Geschmack der Rani, und für die Eitelkeit des Maharadscha hatte sie ihrer Meinung nach genug getan. Auch fehlten ihr die Kenntnisse, eine Unterhaltung zu führen in der in Cap Martin üblichen Art.

In Paris trafen wir dann mit dem Maharadscha zusammen, der glücklich war, seine Rani wiederzusehen. Doch dies Glück sollte sich bald verflüchtigen.

Trotz aller Beteuerungen und Versprechungen konnte die Rani Kanari ihrer traurigen Neigung nicht widerstehen. Und soviel Mühe ich mir auch gab, die Anfälle zu vertuschen und sie nicht zur Kenntnis des Maharadscha gelangen zu lassen, immer ließ es sich nicht vermeiden. Damit verlor er immer mehr auch den letzten Halt, der ihn mit seiner indischen Familie verband, und er wandte sich mit unzerstörbarem Eigensinn von neuem seinen westlichen Idealen nur umso stärker zu.

Charakteristische indische Befestigung: Im Innern des Delhi-Forts


GRÖSSERES BILD

Ruinen bei Lucknow, einem wiederholten Reiseziel des Verfassers