Doch auf die schöne Gitana machte das alles keinen Eindruck. Stolz, hochmütig warf sie dem Maharadscha einen vernichtenden Blick zu und begann dann, sich auf das heftigste über die Rücksichtslosigkeit und Nachlässigkeit des Empfanges zu beklagen. In seiner Verlegenheit zog der Maharadscha einen Diamantring vom Finger und überreichte ihn ihr. Ohne ein Wort des Dankes steckte sie ihn an und setzte sich dem Maharadscha gegenüber.

Mit den wenigen Brocken Spanisch, die ich mir angeeignet hatte, und den noch geringeren französischen Kenntnissen Anitas war es schwer, eine Unterhaltung in Gang zu bringen. Am nächsten Tage sollte sie in das Ritzhotel übersiedeln, und ihrer Mutter sollte der übereingekommene Kaufpreis ausgezahlt werden.

Ihre Schwester Vittoria hatte sie begleitet. Als ich nach einer von Anitas Seite noch immer recht kühlen Verabschiedung von dem Maharadscha mit den beiden Mädchen das Hotel verlassen wollte, trafen wir zufälligerweise mit dem amerikanischen Multimillionär Thaw und seinem Freunde Wynands zusammen. Von der Schönheit der beiden Gitanas überrascht, traten sie auf mich, der ich sie oberflächlich kannte, zu, und baten vorgestellt zu werden.

Am nächsten Morgen erschien Mama Delgado in Begleitung ihrer beiden Töchter, von mir abgeholt, im Hotel. Der Maharadscha saß in seiner ganzen Würde in einem Klubsessel und hielt einen dicken Briefumschlag mit den 25000 Pesetas, gleich 20700 Franken, in der Rechten. Der Adjutant hatte, der indischen Sitte gemäß, ein Dokument aufgesetzt, das in der Übersetzung besagte:

„Ich bestätige, von Seiner Hoheit dem Maharadscha von Kapurthala die Summe von 20700 Franken erhalten zu haben und erkläre gleichzeitig, daß ich keine weiteren Ansprüche irgendwelcher Art mehr stellen werde.

Cardelassia Bajosse,
Señora Delgado.

Paris, am 16. Juni 1906.

Während der Zeit, daß meine Tochter Anita bei Seiner Hoheit bleibt, wird sie monatlich 2000 Pesetas für ihre persönlichen Ausgaben erhalten.“

Mach tränenvollem Abschied verschwanden die Señora Delgado und Señorita Vittoria, die eine, um mit dem Kaufgeld nach Madrid zurückzukehren, die andere, um ihre Laufbahn als Tänzerin in Paris zu beginnen, wo ich ihr auf einer bekannten Bühne durch deren mir befreundeten Direktor eine Stellung verschafft hatte. Dort traf sie der ihr von mir vorgestellte Amerikaner Wynands, der nichts Eiligeres zu tun hatte, als sie zu heiraten. Zwar enterbte ihn promptest sein millionenreicher Vater in Baltimore. Doch ein Oheim des jungen Mannes in London nahm sich seiner an. In der Folgezeit gelang es auch dem bescheidenen und liebenswürdigen Wesen der jungen Frau, das Herz ihres Schwiegervaters zu gewinnen und so die in Hast und Zorn getroffene Enterbung rückgängig zu machen.

Anita bezog ihre Wohnung im Ritzhotel, die an unsere Zimmer stieß. Die nächsten Tage vergingen mit Einkäufen. Trotz aller Mahnung zur Sparsamkeit überhäufte Dschagatdschit Singh sie, seine „Lotosblume“, mit Geschenken. Sie selbst aber war und blieb vorsichtig und äußerst zurückhaltend. Noch am Tage des Kaufabschlusses suchte sie einen Juwelier auf, um sich überzeugen zu lassen, daß der ihr am Abend vorher geschenkte Ring auch echt sei, trotzdem ich ihr versichert hatte, er sei wenigstens fünftausend Franken wert.