Er mochte wohl meine absichtliche Ungeschicklichkeit bemerkt haben, denn als wir zusammen ins Lager zurückritten, machte er eine Andeutung über meinen Fehlstich, der ihn bei einem so erfahrenen Jäger wie mir erstaune. Zu genau mit den indischen Sitten vertraut, wehrte ich bescheiden ab und rühmte dagegen seine eigene Reitkunst, die ohne allen Zweifel sehr beträchtlich war, und sein Können als Eberjäger.
Da nun der Pokal von ihm selbst gestiftet war, blieb nichts anderes übrig, als ihn mir, dem zweiten Sieger, zuzuerkennen. Ich hielt einen entsprechenden Dankspruch und schloß mit dem Hinweis auf das gute Pferd, das er mir zu reiten erlaubt habe. Der Maharadscha, der das Tier natürlich nicht mit Namen kannte, erwiderte auf indische Art mit großer Geste: „Dumara ke bas hai“ — es ist dein!
So kam „Foxy“ wieder nach Kapurthala. Dem Trainer Scott hatte ich versprochen, das Pferd keine Rennen mehr laufen zu lassen. Im folgenden Jahre kam „Foxy“ dann als Deckhengst nach Australien und damit zur wohlverdienten Ruhe.
Foxy übertraf sogar das berühmte Pony „Mite“ (spr. Mait = Kleinchen), das derselbe Maharadscha von Patiala von dem früheren Militärsekretär des Vizekönigs, Lord William Beresford, für 25000 Rupien gekauft hatte. Der Lord war ein in allen Sätteln gerechter Sportsmann, der auch über die gerade beim Pferdehandel so notwendige Gerissenheit verfügte. „Mite“ mag die vom Maharadscha für ihn gezahlten 25000 Rupien wohl wert gewesen sein, doch Lord William Beresford war billiger zu ihm gekommen.
Ein Parsi-Sportsmann in Poona besaß einen kleinen Rennstall, in den sich einmal ein außergewöhnlich schnelles Pony unbekannter Herkunft verirrte, das Sieg auf Sieg gewann. Daher meldete es der Parsi als „Mite“ für das bedeutendste und meistgewettete Ponyrennen Indiens, für den „Civil Service Cup“, das in Lucknow gelaufen wird. Für das gleiche Rennen hatte Lord William Beresford ein Pferd, „Malice“ genannt, eintragen lassen, das mit viel Geld und Wetten gegen ihn bei den Buchmachern stand. Sollte nun „Mite“ das Rennen machen, so wäre dies der Ausfall einer recht bedeutenden Summe für den edlen Lord gewesen.
Als vorsichtiger Mann bot er daher dem Parsi noch vor dem Rennen an, ihm „Mite“ abzukaufen und zwar für 5000 Rupien, und falls „Mite“ gewönne, ihm die Hälfte des Preises, der 10000 Rupien betrug, zu überlassen. Hochgeehrt über das Anerbieten einer so bekannten Persönlichkeit, wie Lord William Beresford es damals war, nahm der Parsi an. Nun ging aber „Malice“ als erster durchs Ziel, und der Parsi war „Mite“ für nur 5000 Rupien losgeworden. Später gewann er noch zwei Rennen für seinen neuen Herrn, war dann aber zu berühmt geworden, als daß durch Wetten auf ihn noch Geld zu verdienen gewesen wäre. Als Wunderpferd jedoch war er gerade recht, um im Stalle des Maharadscha von Patiala zu glänzen.
Haben Pferderennen in Europa nur noch einen recht losen Zusammenhang mit dem angegebenen Ziele einer Verbesserung der Pferdezucht und dienen sie vornehmlich der Spielsucht und der Wettleidenschaft einer Menge, deren Pferdekenntnis erschöpft ist, wenn sie einen Rappen von einem Schimmel unterscheiden kann, so ist dies in noch viel größerem Ausmaße in Indien der Fall. Dort sind die Rennen nur und einzig eine Gelegenheit, Geld zu verdienen — oder zu verlieren. Das Gewinnen besorgen dort, wie anderswo, die „des inneren Ringes“, während das Verlieren zu den Vorrechten der Außenstehenden gehört.
So hatte derselbe Lord William Beresford, der „Mite“ auf so billige Weise zu erwerben gewußt hatte, ein gutes Vollblutpony, „Mulberry“, nach Indien gebracht. Es war nicht höher als 13 Hand, entwickelte aber im Galopp eine Schnelligkeit, die nicht zu schlagen war.
Vielbegehrt wanderte es von Stall zu Stall, bis es endlich in die Hände eines Syndikats geriet, das die Pferde stets unter Pseudonymen laufen ließ, so daß man der Ansicht war, es bestände wahrscheinlich aus Buchmachern.
Seitdem nun Mulberry aus Lord William Beresfords Händen war, fiel es stark ab. Ganz gewöhnliche Außenseiter liefen an ihm vorbei, so daß die Rennbehörde alle Rennen, in denen es auftrat, insgeheim scharf überwachen ließ. Bei einem Rennen in Lucknow nun gelang es, festzustellen, daß der australische Jockey, der das Pferd ritt, es stark verhalten hatte, um es durch zu kurze Zügel absichtlich um den Sieg zu bringen. Die Untersuchung ergab den üblichen Tatbestand. Mulberry war im Publikum heftig gewettet worden. Also sollte er nicht gewinnen. Daher wurde, ebenfalls wie üblich, „Mulberry“ disqualifiziert. Der Trainer wurde vorgeladen, doch der Name des Besitzers war nicht zu ermitteln. Das Pferd selbst erhielt vorläufig im Stalle eines pensionierten englischen Obersten in Amballa Unterkunft.