Damit ist der Kampf beendet und meistens auch der „mousty“-Zustand des Tieres. Kurze Zeit darauf zeigt der Elefant wieder sein gewöhnliches Gebaren, ist wieder ruhig, phlegmatisch und fügsam, so daß nichts mehr an ihm an den wilden Berserker der Kampfarena erinnert.

In Baroda ereignete es sich, daß einmal ein Elefant, wohl in der Erinnerung an die bitteren Erfahrungen einer früheren Niederlage, sich weigerte, den Kampf aufzunehmen. Ohne den Angriff seines Gegners abzuwarten, stürzte er furchterfaßt auf die mit schweren Balken verschlossene Toröffnung zu und sprang mit den Vorderfüßen auf den obersten Riegel. Da erreichte ihn der andere. Im wuchtigen Anprall versetzte er ihm einen solchen Stoß, daß er mitsamt den geborstenen Balken ins Freie flog. Nun konnte nichts mehr die beiden wutentbrannten Tiere halten, die, blind vor Erregung, der Stadt zustürmten. In den engen Straßen entstand eine unbeschreibliche Verwirrung, als die beiden gewaltigen Tiere durch die dichte Menge der Menschen rasten, hier einen Hindu mit dem Rüssel in die Höhe warfen und dort andere mit den Füßen zerstampften. Trümmer, Fetzen und formlose, zu einer unkenntlichen Masse zertretene Körper bezeichneten den Weg der beiden Ausgebrochenen. Erst nach Tagen gelang es, sie mit Hilfe anderer Elefanten wie in einer Jagd auf wilde wieder einzufangen.

Doch nicht nur eine Jagd auf Elefanten, auch eine Jagd mit Elefanten bietet Aufregung genug. In Kapurthala war mir gemeldet worden, daß sich ein Panther in die Nähe der Stadt verirrt habe. Sofort ließ ich vier der standhaftesten Jagdelefanten satteln, und lud zwei Freunde zur Jagd auf dieses doch immerhin seltene Raubtier ein.

Der Panther war in einem von ziemlich hohem Getreide bestandenen Felde aufgespürt worden. Als wir den Rand des Feldes erreicht hatten, erblickte ich von meinem hohen Sitz auf dem Rücken „Luxmis“, des weiblichen Elefanten, den ich ritt, die Schultern des Panthers in der Mitte des Getreidefeldes. Er glich an Größe einem Tiger. Die Entfernung war etwa 50 Meter. Ich legte sofort an und feuerte aus meiner .450 Expreßbüchse, dem Mahout bedeutend, auf die Stelle, wo der Panther liegen mußte, zuzuhalten.

Doch ehe ich meine Worte noch zu Ende gesprochen hatte, sprang der Panther vor uns auf und erreichte in gewaltigem Satz den Kopf meines Elefanten, beide Vorderpranken tief in die Ohren „Luxmis“ verkrallend. Entsetzt fiel der Mahout von seinem Sitz. Der Elefant war ohne Führer. Hundert andere Elefanten hätten sofort kehrt gemacht, und wären davongestürmt. Doch ich kannte „Luxmi“ und sie mich. Ich rief ihren Namen, um sie zu beruhigen, und spornte sie mit „Samalo“[8] und „Karero“[9] zur Tapferkeit an. Ihre Haltung war prachtvoll. Kein erschrecktes Zittern durchlief ihren schweren Körper. Mit aller Heftigkeit ihren Kopf schüttelnd, gelang es ihr, den Panther abzuwerfen, trotz der Risse, die die Krallen des Raubtieres dabei ihren Ohren zufügten. Kaum lag der Panther am Boden, als ich erneut zum Schuß kam und ihn durch eine Kugel in den Hals tot niederstreckte.

Abgestiegen, sah ich mir die Beute an und fand, daß mein erster Schuß fehlgegangen war. Ganz gegen jede Erfahrung hatte der Panther darauf uns angegriffen, denn Tiger sowohl wie Panther, die freies Feld zum Entweichen haben, ziehen fast stets vor, zu fliehen, sobald sie sich entdeckt sehen.

Luxmi, die sich bei dem fürchterlichen und überraschenden Angriff der gewaltigen Katze so überaus tapfer gehalten hatte, sah voller Genugtuung auf den toten Feind herab. Mit schrillem Trompetenton verkündete sie ihren Triumph, und es kostete Mühe, ihren Vorderfuß davon abzuhalten, den toten Panther zu zerstampfen. Trotz ihrer blutenden und in Fetzen gerissenen Ohren richtete sie sich zufrieden auf, als die erlegte Beute auf ihren Rücken gelegt wurde, und zog, den Panther allen sichtbar tragend, stolz durch die Straßen der Stadt Kapurthala, mit hocherhobenem Kopfe und sieghaften Schritten jedermann auf ihre Heldentat aufmerksam machend.

Glücklicherweise gelang es, ihre Verwundungen schnell und gründlich zu reinigen. Denn da sich zwischen den Krallen der großen Katze oft faulende Fleischreste eines früheren Opfers und andere Verunreinigungen finden, sind auch leichte Wunden, die sie verursachen, nicht ungefährlich. In dem heißen Klima Indiens ist eine Infektion des Blutes von besonders schweren Folgen und führt fast stets zum Tode.

Die Tollwut in Indien

Mangelhafte Reinlichkeit ist auch mit der Grund, weshalb trotz der englischen sanitären Vorschriften es nie möglich gewesen ist, und bei der erschreckenden Indolenz der Bevölkerung auch wohl nie möglich sein wird, die jährlich unzählige Opfer fordernde Tollwut in Indien auszurotten.