Hatte ich ihn so für mich und all die vielen Häuser, Gärten, Höfe, Ställe und Landgüter, die mir unterstanden, als Dieb unschädlich gemacht, so mußte er doch, obgleich er sich als Dschamadar für seine Verhältnisse glänzend stand, seinem Gott zu Ehren und um seines eigenen Ansehens bei seinen Kastengenossen, sowie um seines eigenen Vorteils willen, noch immer auf Diebesfahrten ausgehen. Dabei stieß er aber stets einige Meilen in das benachbarte britische Gebiet vor und schonte die Umgebung von Baroda. Besonders erfolgreich sollte er in der nächsten britischen Garnison gewesen sein. Jedenfalls war er dem dortigen Polizei-Inspektor ein Dorn im Auge, dem er von dem Polizeivorsteher in Ahmedabad als ganz gefährlicher Kunde aufgegeben worden war.

Nun ist es eine der üblichen Ausreden der englischen Polizei auf britischem Gebiete in Indien, stets zu betonen, der Grund, weshalb so viele Verbrechen begangen und so wenige Verbrecher gehenkt würden, liege darin, daß alle Diebesnester in den Vasallenstaaten gelegen seien, wohin ihr eigener Arm nicht reiche.

Der fragliche Polizei-Inspektor war ein ebenso leidenschaftlicher Jäger wie ich und mir befreundet. Eines Tages war er bei mir zu Besuch und nahm an einer großen, von mir zur Weihnachtszeit veranstalteten Jagd teil, zu der die Freigebigkeit des Gaekwar mir Gelegenheit gab.

Als die Gesellschaft abends im Meßzelte zusammensitzt, kommt die Rede auch auf meinen Dschamadar Kalru, und es fällt dem Polizei-Inspektor ein, daß dies doch der Mann sei, den man ihm von Ahmedabad aus als so gefährlich aufgegeben habe. Er bittet mich daher, den schlimmen Gauner doch einmal kommen zu lassen, um ihn sich anzusehen und ihm ins Gewissen zu reden. Kalru, der natürlich im Jagdlager war, erschien unterwürfig und unschuldig-bescheiden am Zelteingang.

Der Polizei-Inspektor hält ihm alle seine Schandtaten vor und droht, bei dem Gaekwar seine Auslieferung zu beantragen, wenn er nicht von seinen bösen Pfaden lassen wolle. Kalru beteuert seine vollkommene Unschuld und verspricht alles, was der Polizei-Inspektor will. Ich beruhige den Mann der öffentlichen Sicherheit mit Hinweisen auf Kalrus vorzügliche Eigenschaften als Jäger. Alle Anwesenden beginnen, Geschichten von der erstaunlichen Schlauheit und Gewandtheit der Bauri im allgemeinen zu erzählen und wie sie jeden, wer es auch sei, zu überlisten vermöchten.

Ein typisches indisches Straßenbild: Barbier auf der Straße


GRÖSSERES BILD

Indischer Gaukler mit Pariahund und Affen