"Ob es erlaubt ist, einen Tyrannen mit Gift zu töten?" - Es ist rühmlich, dieses ganze pestartige und verderbliche Geschlecht aus der Gesellschaft der Menschen zu vertilgen. - - Und Beispiele solcher Morde gibt es viele sowohl in alter als neuer Zeit. Es ist zwar schwer, einem Fürsten Gift zu mischen, indem er von seinem Hofe umgeben ist und zudem die Speisen vorher kosten lässt. Wenn sich aber dazu eine günstige Gelegenheit darbietet, wer sollte da so spitzfindig und subtil sein, dass er unter beiden Todesarten einen Unterschied zu machen suchte? - Mariani ibid.*)

—— *) Die Erlaubnis, dieses Buch zu drucken, lautet:

Stephanus Hojeda Visitator Societas Jesu in provincia Tolctana, potestate facta a nostro patre Generali Claudio Aquaviva, do facultatem, ut imprimantur libri tres, quos de Rege et Regis institutione composuit P. Johannes Mariana, ejusdem Societatis, quippe approbatos prius a viris doctis er gravibus ex eodem nostro ordine In cujus sei fidem has literas dedi meo nomine subscriptas, et mei officii sigillo munitas. Madriti in collegio nostro quarto Nonos Decembris MDLXXXXVIII.

Stephanus Hojeda, Visitator. ——

Diese Proben der Jesuitenmoral, die ich bedeutend vermehren könnte, auf den Beichtstuhl angewandt, erklären es hinlänglich, warum Jesuiten als Beichtväter Glück machten. Der Beichtstuhl wurde zur Erreichung politischer und kirchlicher Zwecke benutzt, aber hauptsächlich diente er den Pfaffen dazu, ihre Lüsternheit zu befriedigen.

Schon im Jahr 428 hatte Papst Coelestin es für nötig gefunden, Strafe darauf zu setzen, wenn Geistliche ihre Beichtkinder zur Unzucht verführten. Dergleichen Fälle kamen unendlich oft vor, und mit diesen Beichtstuhlgeschichten könnte man Folianten füllen.

Poggio Bracciolini, von dem ich schon früher redete, erzählt, dass die Beichtstühle dazu benutzt wurden, die Mädchen und verheirateten Frauen zu verführen. Beichtete eine derselben, dass sie sich eine fleischliche Schwachheit habe zuschulden kommen lassen, so kam es sehr häufig vor, dass ihr der fromme Beichtvater die unzüchtigsten Anträge machte. Um sich das Verführungswerk zu erleichtern, verfehlten sie nicht, den lüsternen Kindern recht überzeugend vorzureden, dass ein bisschen Unzucht mit einem frommen Geistlichen so gut wie nichts zu bedeuten habe und dass die Sünde hundertmal kleiner sei, als wenn sie mit einem fremden Ehemann begangen würde.

Ansiniro, ein Augustinereremit zu Padua, hatte alle seine Beichttöchter verführt. Die Sache wurde ruchbar und er deshalb angeklagt. Vor Gericht drang man sehr ernstlich in ihn, alle diejenigen anzugeben, welche ihm den Willen getan. Er nannte eine große Menge von Mädchen und Frauen aus den angesehensten Familien, stockte dann aber plötzlich und wollte nicht weiterreden. Der Sekretär, der ihn vernahm, bedrohte ihn mit den härtesten Strafen, wenn er nicht die Wahrheit reden und in seinem Bekenntnis fortfahren werde. So gedrängt, nannte der Pater auch den Namen, welchen er verschweigen wollte, und man kann sich die Überraschung des Sekretärs denken, als er den seiner eigenen für so tugendhaft gehaltenen Frau hörte!

Hin und wieder kamen die Pfaffen auch schlimm an. Ein Priester, dem eine hübsche Frau beichtete, fand den Platz hinter dem Altar sehr bequem und wollte sie bewegen, hier seinem unzüchtigen Gelüste zu genügen. Die Frau äußerte, dass sie den Platz nicht anständig finde, versprach aber, an einem anderen Orte seine Wünsche zu erfüllen und schickte ihm als Liebespfand eine sehr schöne Torte und eine Flasche guten Wein. Der erfreute Pfaffe dachte, zwei Fliegen mit einer Klappe zu treffen, und überreichte die herrliche Torte seinem Bischof, der damit bei einem Gastmahl seine Tafel zierte. Als man sie aufschnitt, fand man darin, was man gewöhnlich nicht dem Beichtstuhl, sondern dem Nachtstuhl anvertraut.

Man forschte natürlich nach dem Ursprung dieser schmutzigen
Überraschung, und dieser ergab sich bald aus der Untersuchung.