Kein Ort war den geilen Pfaffen zu heilig, und die Regierungen mussten dieselben oft strafen, weil sie einen Altar oder einen andern für heilig geltenden Ort als Sofa betrachtet hatten. Ein Kaplan zu Solothurn beging selbst die schreiende Sünde, die Orgel zum Schauplatz seiner unerlaubten Freuden zu wählen!

Wäre die Kirche nicht stets darauf bedacht gewesen, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden und ihre frommen Diener soviel als tunlich für die mancherlei mit ihrem Amte verbundenen Entbehrungen zu entschädigen, dann hätte sie dem Skandal schnell ein Ende machen können. Sie hätte nur zu verordnen brauchen, dass die Weiber bei Weibern statt bei Männern beichteten; aber wahrscheinlich fürchteten sie, dass die Weiber nicht schweigen könnten.

"Mensch bleibt Mensch und ein Pfaffe vorzüglich." Ich würde auch lieber das Sündenregister eines schönen Mädchens mit anhören als das eines alten Mannes, und hin und wieder würde ich wahrscheinlich auch schwach genug sein, die gemachten Entdeckungen zu meinem Privatvorteil zu benutzen; allein ich bin auch kein Priester. Wüsste ich es nicht aus anderen Quellen, so würde mich schon die Ermahnung des heiligen Borromäus an die Pfaffen lehren, dass sehr viele von diesen die Beichte der Weiber lieben hörten als die der Männer. Der Heilige, der stets des oben angeführten Mottos eingedenk ist, schreibt den Beichtvätern vor, alle Türen zu öffnen, wenn sie die Beichte irgendeiner Weibsperson anzuhören hätten; er schlägt ihnen vor, irgendeinen Vers aus den Psalmen, zum Beispiel cor mundum crea in su Domine, an einem freien Ort anzuschreiben, wo er ihnen beständig vor Augen wäre und sie ihn bei vorkommenden Versuchungen gleichsam als Zauberformel oder als Retro Satanas gebrauchen könnten. -

Von dem Geißeln habe ich schon geredet. Da dieses nicht ohne Entblößung stattfinden konnte, so ist es begreiflich, dass es die lüsternen Pfaffen sehr bald bei der Beichte einführten. Anfänglich begnügten sie sich damit, die Geißelung als Buße vorzuschreiben; allein gar bald maßten sie sich das Recht an, dieselbe eigenhändig zu erteilen. Dies wurde von der Kirche selbst als ein Missbrauch angesehen, und Papst Hadrian 1., der im Jahr 772 Papst wurde, verordnet. "Der Bischof, Priester und der Diakon sollen diejenigen, welche gesündigt haben, nicht geißeln."

Die Verordnung fruchtete jedoch nichts. Die Geistlichen ließen sich das angenehme Recht nicht nehmen, besonders da sie darin durch hochstehende Prälaten unterstützt wurden und der schon früher genannte Kanzler der römischen Kirche, Kardinal Pullus, nicht das geringste Bedenken trug, nicht allein das Geißeln zu empfehlen, sondern auch sogar öffentlich bekanntzumachen, dass die völlige Entkleidung der Büßenden und ihr Niederwerfen zu den Füßen des Beichtvaters selbst in den Augen Gottes das Verdienst des Sünders vermehre, da es noch Kennzeichen äußerster Demut und Erniedrigung wären.

Solche Lehren trugen den Pfaffen gute Früchte. Das Hinterteil des Mannes zu zerbläuen konnte, wenn derselbe eine hohe Stellung in der Welt hatte, allenfalls ihrem Stolze und ihrer Eitelkeit schmeicheln; allein die Strafe bei Frauen anzuwenden hatte für den Schönheitssinn der Pfaffen einen weit höheren Reiz, und alle Mittel, welche der Kirche zu Gebote standen, wurden angewandt, die natürliche Schamhaftigkeit der Weiber und Mädchen zu besiegen.

Bei der Schamhaftigkeit fällt mir eine Anekdote ein, die zu spaßhaft ist, als dass ich sie den Lesern vorenthalten sollte. In den vierziger Jahren kam ein junges Mädchen zu dem katholischen Pfarrer eines Ortes, um bei ihm zu beichten. Nachdem sie allerlei unbedeutende Sünden gestanden hatte, stockte sie und wurde feuerrot. Der Pfarrer ermahnte väterlich, fortzufahren, aber das verschämte Mädchen sagte, dass es ihr unmöglich sei, ihm hier ihre Sünden zu bekennen. Der gute Geistliche, dem dergleichen wohl schon oft vorgekommen sein mochte, fragte, ob sie ihm lieber zu Hause beichten wolle, wo sie weniger beobachtet wäre, und das Mädchen erklärte sich seufzend bereit dazu.

Zur bestimmten Stunde erschien sie auf dem Zimmer des Herrn Pfarrers, der sie mit einiger Unruhe und Neugierde erwartet hatte. "Nun, mein Kind, wir sind allein, was ist's, das dich drückt. - Die Mutter Kirche hat Trost; habe Zutrauen usw." - "Ach, Herr Pfarrer, ich kann's nicht sagen", erwidert die kleine Unschuld und hält den Schürzenzipfel vor das Gesicht. - "Nun, mein Gott, es wird doch keine Todsünde sein!" - "Ach nein, aber -." - "Nur offen heraus, was ist's?" -"Ach, ich habe mit meinem Liebsten etwas - etwas gemacht!" - "Nun, was denn, mein Kind?" - "Ach, ich kann's wahrhaftig nicht sagen." - "Nun, hat er vielleicht das getan?" fragte der Pfarrer, indem er ihr in die Backen kneipt, um ihr das Geständnis zu erleichtern. - "Ach nein!" - "Oder vielleicht das?" - wobei er den Arm um ihre Taille legt und ihr einen Kuss auf den Mund drückt. - Das Mädchen schüttelt beständig mit dem Kopf, und der Pfarrer, ein noch junger Mann, glühte im Gesicht beinahe ebenso sehr wie seine verschämte Beichttochter. - Er wird in seinem heiligen Eifer immer hitziger und versucht alles mögliche, was der Geliebte nur mit ihr getan haben konnte, und da sie fortwährend beharrlich schüttelt, so schreitet er sogar zum alleräußersten, in der vollen Überzeugung, dass er nun das Richtige getroffen habe. Aber wie groß ist sein Erstaunen, als er auf seine Frage ein abermaliges Kopfschütteln als Antwort erhielt. - "Nun, in Satans Namen", bricht er los, "was hast du denn mit ihm gemacht?" - "Ach, Herr Pfarrer - - ich habe - ihn krankgemacht!" - Ich überlasse es den Lesern, sich das Gesicht des guten Pfaffen auszumalen. -

Auf solche Weise verfuhren nun wohl nicht alle römisch-katholischen Geistlichen, um die Schamhaftigkeit ihrer Beichtkinder zu besiegen; bei den meisten gelang es ihnen durch biblische Spitzfindigkeiten und, wo dieselben nicht helfen wollten, mit Verweigerung der Absolution und Androhung der ganzen Teufelsküche. Zu solchen äußersten Mitteln brauchten die heiligen Väter indessen nur selten zu schreiten, denn die Beichte ist schon an und für sich ein höchst wirksames Mittel zur Ertötung der Scham.

Das Mädchen oder die Frau, welche einem fremden Manne die geheimsten Regungen ihrer Sinnlichkeit und die dadurch hervorgebrachten Wirkungen mit allen Details - so verlangen es häufig die lüsternen Beichtväter - schildern kann, kostet es auch keine große Überwindung, sich vor demselben zu entblößen; wer die nackte Seele gesehen hat, mag auch den nackten Körper sehen! -