Weigerte sich indessen dennoch eine Beichttochter und wollte nicht daran glauben, dass die Pfaffen ein Recht dazu hätten, die Entblößung zu verlangen, dann entgegneten diese ihnen, dass Christus gesagt habe: Gebet hin und zeiget Euch den Priestern; wollte es eine andere unschicklich und anstößig finden, dann antwortete man ihr: "Ach Larifari! Adam und Eva waren im Paradies nackt, und am Auferstehungstage werden wir keine Hosen tragen." So kam es allmählich so weit, dass man gar nichts mehr darin fand, wenn ein Beichtvater einem Mädchen oder einer Frau mit eigener Hand die Rute gab.

Die Pfaffen standen schon seit den ältesten Zeit mit vollem Recht in schlechtem Ruf, und es ist daher wohl begreiflich, dass die Ehemänner ziemlich unruhig waren, wenn ihre Frauen zur Beichte gingen. Selbst sehr fromme und heilige Bücher enthalten darüber höchst ergötzliche Geschichten, wenn sie auch meistens ernsthaft langweilig und im schrecklichsten Mönchslatein erzählt sind.

In einem Buche von Scotus, betitelt Mensa philosophica, findet sich zum Beispiel die folgende: Einem Weibe, welches eben in den Beichtstuhl ging, um ihre Sünden zu bekennen, folgte im geheimen ihr Ehemann nach, da ihn die Eifersucht plagte, zu welcher er auch wohl gute Gründe haben mochte. Er verbarg sich in der Kirche so, dass er seine Frau genau beobachten konnte; aber kaum sah er sie von dem Beichtvater hinter den Altar führen, als er sehr eifrig hervorstürzte und demselben vorstellte, dass seine Frau viel zu zart sei, die Geißelung auszuhalten; solle aber einmal gegeißelt werden, nun, dann erbiete er sich, die Strafe auf sich zu nehmen. Die Frau war sehr vergnügt über diesen Vorschlag, und der Beichtvater willigte ein. Kaum hatte sich der Mann vor diesem nieder geworfen und in die gehörige Geißelpositur gesetzt, so rief seine Frau: "Nun, ehrwürdiger Vater, haut nur recht tüchtig zu, denn ich bin eine sehr große Sünderin!" -

Nach den Beispielen von den Wirkungen des Zölibats auf die Geistlichen welche ich in den vorigen Kapiteln gegeben habe, werden es die Leser sehr natürlich finden, dass diese Art und Weise der beichtväterlichen Absolution zu unendlich vielen Missbräuchen Veranlassung gab. Die Zahl der davon bekannten Beispiele ist unendlich groß, obgleich die Pfaffen stets bemüht waren, dergleichen Erzählungen als Verleumdungen hinzustellen. Ich könnte eine ganze Galerie davon aufführen, begnüge mich aber damit, nur einige Geschichten dieser Art zu erzählen, deren Wahrheit bis in die kleinsten Details durch gerichtliche Untersuchungen ans Tageslicht gekommen ist, und weil sie mir ganz vorzüglich geeignet scheinen, die römisch-katholischen Geistlichen und ihre Beichte zu illustrieren.

Die erste davon ist die von dem Bruder Cornelius Adriansen zu Brügge. Derselbe war zu Dortrecht geboren. Seine Eltern bestimmten ihn zum geistlichen Stand, und nachdem er seine Studien vollendet hatte, kam er im Jahr 1548 nach Brügge in das dortige Franziskanerkloster. Bald entdeckte man in ihm eine Menge theologischer Kenntnisse und eine ganz besondere Gabe, "populär" zu predigen, wodurch seine Oberen bewogen wurden, ihm das Predigeramt anzuvertrauen.

Seine Predigten waren ganz eigentümlicher Art, und man wird sie am besten beurteilen können, wenn ich ein Bruchstück aus einer derselben mitteile. Seine Reden wurden übrigens schon bei seinen Lebzeiten gesammelt und zum Ergötzen der Ketzer in den Niederlanden im Druck herausgegeben.

Am 15. Dezember 1560 ereiferte er sich sehr, weil einige angesehene deutsch-protestantische Prediger und Anhänger der Augsburgischen Konfession nach Antwerpen gekommen waren. Nachdem er einen Teil des Textes ausgelegt hatte, ergriff er die Gelegenheit, seinem Grimm über die Ketzer Luft zu machen. Er brüllte wie verrückt: "Bah! ich möchte beinah vor Zorn und Tollheit aus der Haut fahren! Ah Bah! da sind nun zu Antwerpen, dem höllischen Pfuhl, dem teuflischen Abgrund, wo alles verfluchte Gift und stinkender Unflat zusammenkommt, wiederum neue Verräter, Verführer, Betrüger, neue Schelme und Bösewichter aus dem verdammten und verfluchten Deutschland angekommen und vermeinen, in diesen edlen Niederlanden - die sich jederzeit so standhaft im christlichen Glauben gehalten, bis die mageren, dürren, ledernen deutschen Arschkerben ihre beschissene Supplikation übergeben - ihre Augsburgische Konfession einzuführen und fortzupflanzen. Bah, seht doch wie schnell sie mit ihrer teuflischen Augsburger Konfession gelaufen kommen, sobald sie gehört, dass diese verfluchten Geusen die Religion verändern wollen! Ei ja, eben recht! wie? wir sitzen da und warten darauf, bis Ihr kommt? Bah, alles bereit? Ah bah, es ist zu verwundern, wie Ihr so lange geblieben seid mit eurer schönen Konfession von Augsburg, welche erstlich so süß, lieb und betrüglich von dem falschen, verdammten, höllischen Ketzer, dem unbeständigen Zweifalter und Wetterhahn Philipp Melanchthon, verfasst und zusammengestellt, dann aber mit seinem teuflischen, höllischen Gift so verdorben und nach seinem ketzerischen Sinn verfälscht worden, dass auch die Zwinglianer, Calvinisten und Sakramentierer sich damit behelfen und verteidigen können und wollen. Darum scheiß ich in die Augsburgische Konfession! Bah! die Zeit soll noch kommen, dass diese Konfession an den Galgen gehängt und mit Kot und Dreck soll beworfen werden, ja, dass alle Katholischen den Arsch daran wischen werden; bah, so sehet! - Ah bah! die Wiedertäuferei ist tausendmal besser als die Konfession von Augsburg. Bah! Gott schände die Augsburgische Konfession, bah! der Teufel hole die Augsburgische Konfession! Wie, was meint Ihr, dass wir toll und töricht sein und dass wir uns so von diesen ledernen Arschkerben sollen überteufeln und äffen lassen, von diesen deutschen Verrätern, den ersten Abtrünnigen und Ausgebannten von der römisch-katholischen Kirche?" usw.

Seine Predigten wimmelten von Unflätereien, von denen die obigen nur eine bescheidene Probe sind, und hörte er, dass man sich darüber aufgehalten habe, dann schrie er von der Kanzel wie besessen: "Bah, darum haltet das Maul und lasst mich predigen, was mir der Heilige Geist eingibt!" Er übte indessen einen bedeutenden Einfluss auf den großen Haufen aus und seine Predigten waren besonders geschickt dazu, den Hass gegen die Protestanten zum Fanatismus anzufachen. Einstmals predigte er gar, "dass man schwangeren Weibern der Ketzer den Leib aufschneiden solle, um die Kinder, ehe sie geboren wären, zu verbrennen".

Diese Predigten fallen indessen schon in eine spätere Zeit. Bald nach Antritt seines Predigeramtes hatte er sein Augenmerk auf einen anderen Gegenstand gerichtet, - nämlich auf die schönen Mädchen und Frauen von Brügge. Er fing an, gegen das eheliche Leben zu predigen, und setzte es mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln herab; denn es sei fast nicht möglich, als Verheirateter selig zu werden. Dagegen konnte er die Jungfräulichkeit nicht hoch genug preisen und verhieß den Mädchen, welche darin beharren würden, ganz gewiss die Seligkeit.

Heutzutage würde man darüber selbst in streng katholischen Ländern lachen und höchstens einige verhimmelnde Ebelianische Seelenbräute würden vielleicht in dem guten Pater den sehr fleischgewordenen Paraklet sehen; aber damals, als die meisten Leute noch eine ungeheure Sorge um ihr "Seelenheil" hatten, verursachten seine Predigten einen solchen Aufruhr unter den Weibern in Brügge, dass alle Männer die Geduld verloren, denn ihre Frauen flohen sie förmlich und die Mädchen beschlossen, in ihrem Leben nicht zu heiraten. - Doch "der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach". Die armen Frauen gerieten in Verzweiflung und liefen zu Bruder Cornelius, um sich Trost und Rat zu holen. Dieser hörte sie freundlich an und belehrte sie über die Mittel, durch welche es möglich sei, im ehelichen Stand fortzuleben, ohne vom Teufel geholt zu werden. Zunächst, sagte er, sei es nötig, "der Begierde und dem Gefallen an dem fleischlichen Werke der Ehe" zu widerstehen, wenn auch dem Werk oder der Ausübung selbst nicht. "Denn", argumentierte er, "das Werk an und für sich ist von Gott angeordnet, aber die verdorbene ausgeartete Natur hat es verunreinigt, befleckt, beschmutzt und verunehrt mit ihren schlechten, faulen, fleischlichen Affekten und Neigungen!" Darum sollten sie denselben durchaus widerstehen und das eheliche Werk ausüben, als übten sie es nicht aus. Dies war nun freilich für die meisten ein unmögliches und übermenschliches Ding, besonders wenn sie ihre Männer lieb hatten und täglich kamen sie zu ihm mit weinenden Augen und beklommenen Herzen.