Abbé Parny in seiner köstlichen Satire "La guerre des Dieux", in welcher
die Heidengötter von der heiligen Dreieinigkeit mit den himmlischen
Heerscharen besiegt werden, hat den köstlichen Einfall, alle Satyren und
Faune der alten Heidenzeit die Stammväter der Mönche werden zu lassen.
Der witzige Abbé kannte gewiss viele Mönche von der Art des Bruders
Cornelius.

Im Jahr 1553 befand sich unter den Frauen, welche täglich die Predigten des Bruders Cornelius besuchten, eine fromme und geachtete.Witwe mit ihrem schönen und gescheiten Töchterchen. Diese machte die Bekanntschaft einiger junger Mädchen, die schon lange zu der Betgesellschaft des Pastors gehörten und stets bemüht waren, für dieselbe Rekruten zu erwerben. Das reizende sechzehnjährige Calleken Peters schien ihnen besonders der Mühe wert. - Die Mutter sah mit Vergnügen, wie ihr Töchterchen durch die Unterhaltung mit den frommen Mädchen so schön über geistliche Dinge reden lernte, und ließ Calleken die Gesellschaft derselben besuchen, so oft sie nur wollte.

Hier hörte sie von der geheimen Pönitenz und fragte, was dieselbe denn eigentlich zu bedeuten habe? Bisher waren die Mädchen sehr bereit gewesen, ihr Rede und Antwort zu geben, allein nun meinten sie, dass Calleken darüber nur von Pater Cornelius selbst belehrt werden könne, und rieten ihr, sich an den heiligen Mann zu wenden, was sie denn auch beschloss.

Cornelius, der benachrichtigt wurde, dass sich ein so frisches Fischchen fangen wolle, setzte einen Tag fest, an welchem sie bei ihm erscheinen solle, und außer ihr fanden sich an demselben noch zwei ausgezeichnet schöne Mädchen ein, die ebenfalls in der Disziplin unterrichtet werden sollten; sie hießen Aelken van den B. und Betken P.

Der Pater fragte Calleken, ob es ihr Ernst damit sei, ihre jungfräuliche
Reinheit und Sauberkeit zu bewahren und zu dem Ende unter seine
Obedienz, Untertänigkeit und Gehorsam sich verdemütigen wolle? Als sie
bejahte, lobte er sie sehr und ersuchte sie, ihn mit Einwilligung ihrer
Mutter an einem bestimmten Tage der Woche zu besuchen.

Nach einer mehrwöchigen Vorbereitung nahm er sie feierlich als
Beichtkind an und ließ sie den schon oben angeführten Eid schwören.
Darauf wies er sie an, gleich den anderen Mädchen in seine
Disziplinkammer zu kommen und sich dort zur Pönitenz vorzubereiten. -
Diese Kammer hatte er damals in einem Hause auf dem Steinhauersdyk in
Brügge bei einer Witwe, Frau Pr., bei der die oben genannte Betken und
einige andere Mädchen in Kost waren, um die Kochkunst zu erlernen. Die
Nähterin wurde erst des Paters Vertraute nach dem Tode der Witwe.

Als Calleken zum ersten Mal in die Kammer trat, forderte sie Cornelius auf, bei dem Gelübde ihres Gehorsams ihm alle Anfechtungen und Versuchungen, welche der menschlichen Natur so eigen, zu beichten und namentlich die unkeuschen Träume, Gedanken und Begierden, welche der jungfräulichen Reinigkeit so sehr zusetzen, ungescheut ihm mitzuteilen, indem er nur auf diese Weise Mittel finden könne, Letztere zu beschützen.

Das arme, unschuldige Kind, welches von dergleichen Anfechtungen noch durchaus nichts wusste, stotterte etwas her, aber Cornelius erwiderte: "Bah, ich weiß recht gut, dass Euch alle die Unkeuschheiten und Unreinigkeiten, welche zwischen Verheirateten und Weltmenschen vorzufallen pflegen, bekannt sind: denn die Welt ist so arm im Argen und verdorben, dass junge Mädchen von acht bis neun Jahren recht gut wissen, auf welche Weise sie in die Welt gekommen sind. Bah! ein Mädchen von sechzehn bis siebzehn Jahren wie Ihr sollte nichts von solchen Versuchungen, Begierden, Quälungen wissen? Bah, Ihr hättet in der Welt bleiben sollen, Ihr wärt bald Mutter von drei bis vier Kindern."

Calleken, vor Scham ganz rot, sah zur Erde nieder und wusste nichts weiter zu sagen, als dass ihre Mutter sie auf das sorgfältigste vor allen eitlen, leichtfertigen und unehrbaren Äußerungen bewahrt hätte. - "O bah!" fuhr der Pfaffe fort, "darauf achte ich noch nicht. Die angeborene und gebrechliche Natur muss Euch in dem Alter, welches Ihr nun habt, darüber belehren; darum ist es nicht möglich, dass Ihr nicht bisweilen mit fleischlichem Streit angefochten werdet, den Ihr allein aus Verschämtheit mir verschweigt. Aber ich kann Euch durchaus nicht absolvieren, denn meine Seligkeit hängt daran, und darum bereitet Euch das nächste Mal besser darauf vor, alle eure natürlichen Anfechtungen zu erkennen zu geben.' - Hiermit entließ er Calleken und befahl ihr, auf einen bestimmten Tag wiederzukommen, was sie in Gottes Namen zu tun gelobte.

Als sie wieder zu ihm kam, nahm er sie in seine Disziplinkammer und ermahnte sie, alle Verschämtheit, die er ein falsches, böses Tier nannte, draußen zu lassen. Auf seine abermaligen Fragen nach fleischlichen Regungen antwortete ihm das unschuldige Mädchen, dass sie täglich Gott bitte, sie vor dergleichen Anfechtungen zu bewahren. Das lobte der Pater zwar, meinte aber doch, sie müsse Gott eigentlich um Versuchungen und Anfechtungen bitten, denn ein Zustand, in welchem diese ausbleiben, sei keine Heiligkeit zu nennen. "Bah!" fuhr er fort, "es ist eine Ehre, eine quälende Natur zu haben, und dass man zu ungleichen Personen, nämlich Frauen zu Männern und Männer zu Frauen, mit natürlich brennender Hitze geneigt ist; allein was ist das für ein Verdienst, wenn man kein Gefühl dafür hat? Bah, mein Kind, schämt Euch nicht zu gestehen, dass Ihr auch Fleisch und Blut gleich allen Menschen habt, oder ich muss Euch für heuchlerisch und ganz und gar für durchtrieben halten, weil Ihr nicht gestehen wollt, bisweilen fleischliche Gedanken oder unreine Begierden zu haben." Nun fuhr er fort, sie zu ermahnen, ihm rund heraus, je unumwundener je besser, alle ihre unkeuschen Gedanken und dergleichen zu sagen. Calleken wurde immer verschämter, je länger sie den Satyr in Priestertracht anhörte. Dieser glaubte daher vor allen Dingen darauf hinarbeiten zu müssen, diese ihm so hinderliche Scham zu vernichten, und nachdem er sie durch väterliche, gleisnerische Worte zutraulich gemacht hatte, fragte er feierlich: "Nun, Calleken, mein Kind, sagt mir, ob Ihr mir die Seligkeit eurer Seele auch mit ganzem Herzen anvertraut?" Sie antwortete: "Ja, ehrwürdiger Vater." - "Nun wohl", fuhr er fort, "wenn Ihr mir euer Seelenheil anvertraut, so könnt Ihr mir mit noch minderer Gefahr euren irdischen vergänglichen Körper anvertrauen; denn wenn ich eure Seele selig machen soll, so muss ich vor allem euren Körper geeignet, rein, sauber und fähig machen zu allen Tugenden, Andachten und Pönitenzien. Ist's nicht so, mein Kind?" - Sie antwortete: "Ja, ehrwürdiger Vater." - "Nun wohlan, mein Kind, so ist es nötig, dass Ihr meiner heiligen Obedienz untertänig seid und tut, was ich Euch befehlen werde."