Hierauf setzte er sich auf eine Bettstelle, die in dem Zimmer stand, und sie musste sich zwei Schritte von ihm hinstellen. Darauf sagte er, dass es zur Überwindung der Verschämtheit, welche der Disziplin und Pönitenz so durchaus zuwider, durchaus nötig sei, dass sie sich seinem Willen füge, und er gebiete ihr daher bei ihrem Gelübde des Gehorsams, sich sogleich vor ihm nackt auszuziehen.
Calleken antworte heftig erschrocken: "Ach, ehrwürdiger Vater, wie könnte ich das tun, ich müsste mich gar zu sehr schämen!" - "Mein Kind", rief er, "das muss so sein, unser beider Seligkeit hängt daran, darum weg mit der Scham und tut gehorsamlich, was ich befohlen habe." - "Ach, ehrwürdiger Vater", stammelte das geängstigte Mädchen, "ich will Euch lieber künftig alle meine Anfechtungen und fleischlichen Gedanken offenbaren (das arme Kind hätte sie gewiss erfinden müssen), als dies tun, denn ach - mir ist, als würde ich lieber sterben! Darum bitte ich demütig, ehrwürdiger Vater, erlasst es mir!" - Cornelius bestand aber fest darauf, denn ohne dasselbe sei es gar nicht möglich, eine vollkommene Andächtige zu werden; es sei das erste Mittel zum Empfang der heiligen, heimlichen Disziplin. Er verlangte unbedingten Gehorsam, wie ihn alle übrigen Disziplinschüler leisteten.
Seine Worte hatten endlich die gewünschte Wirkung. Das schöne Mädchen hakte ihr Mieter auf und zog es aus; als sie aber ihr Leibchen aufschnürte, stürzten ihr die hellen Tränen aus den Augen, und Cornelius sagte: "Bah, mein Kind, fasst Mut und kämpft tapfer und klug gegen die Verschämtheit und Heuchelei, dann sollt Ihr einen Sieg feiern, dann soll alles Triumph, Friede und Glorie sein."
Als sie nun bis aufs Hemd entkleidet war und auch dieses fallen lassen sollte, verwandelte sich die Glut ihres Gesichts in tödliche Blässe. - Als Cornelius dies sah, stand er eiligst auf und holte aus seinem Schrank einige stark riechende Essenzen, mit deren Hilfe sie bald wieder aus der Ohnmacht erwachte.
Für dieses Mal ist es genug, mein Kind", redete er ihr freundlich zu, "das nächste Mal sollt Ihr nicht allein bei mir sein, sondern in Gesellschaft einiger Mädchen, die Ihr kennt und die Euch mit gutem Beispiel vorangehen werden." Als sie sich wieder angekleidet hatte, ermahnte er sie, keinem Menschen etwas zu sagen und ihm zu geloben, am bestimmten Tage sich auch wirklich wieder in seinem Disziplinzimmer einzustellen.
Sie hielt Wort und fand dort die oben erwähnten beiden schönen Mädchen, die gar keine Umstände machten, sich sogleich auskleideten und ganz dreist nackt vor den Pater hinstellten. Calleken folgte dem Beispiel, und Cornelius lobte sehr das Glorreiche eines solchen Siegs über die verfluchte Scham, die allem frommem Werk im Wege sei. Damit hatte es für dieses Mal sein Bewenden, denn Cornelius pflegte seine frommen Töchter mehrere Monate lang im Entkleiden zu üben, denn sein Grundsatz war, sie mussten freiwillig die Scham aufgeben und selbst die Disziplin begehren.
Während dieser mit Calleken vorgenommenen seltsamen Exerzitien wurde sie von einem Mädchen, das schon seit langem zu des Paters schamlosen Freikorps gehörte, gefragt: ob sie denn nun wisse, was die Disziplin oder heilige sekrete Pönitenz sei? Calleken antwortete, dass sie es wohl beinahe ahne, aber noch nicht sicher wisse. "Ei", sagte das Mädchen, "wenn du diese noch nicht verdient hast, dann musst du wohl ein ganz anderes reines Mädchen sein als alle anderen; allein ich denke, dass du deine Anfechtungen nicht recht bekannt und gestanden hast." Nun wurde sie zum unbedingten Gehorsam gegen Bruder Cornelius ermahnt: sie müsse, hieß es, ihre Seele ihm ganz und gar übergeben, den sonst könne es unmöglich etwas werden. Calleken versprach, ganz zu tun, wie die Mädchen ihr rieten.
Die vielen Reden von fleischlichen Anfechtungen, von natürlichen unsauberen Begierden, unkeuschen Träumen usw. hatten das unschuldige Mädchen ganz verwirrt gemacht, so dass sie Tag und Nacht an nichts anderes dachte, was denn auch mit wirklichen Anfechtungen endete, so dass sie dem erfreuten Pater etwas zu beichten hatte. Sie wurde nun der Disziplin für würdig erachtet und wurde eine Devote wie die andern.
Diese Bußgenossenschaft, zu welcher die schönsten Frauen und Mädchen von Brügge gehörten, bestand eine ganze Reihe von Jahren, ohne dass außerhalb des Kreises derselben das geringste verlautete. Aber der Krug geht so lange zu Wasser bis er bricht, und auch den frommen Beschäftigungen des faunischen Paters sollte ein Ende gemacht werden.
Bei einer kleinen Festlichkeit einiger Mitglieder dieser Genossenschaft, der auch Pater Cornelius beiwohnte, ging es sehr lustig zu. Der Pater tanzte mit einer hübschen Beichttochter und küsste sie in seiner frommen Weinlaune auf den Mund. -Calleken Peters hörte davon durch eine der Anwesenden und war sehr betreten, dann sagte sie - "man steht doch mutternackt vor ihm, und wie kann man wissen, ob ihn nicht etwas Menschliches anwandelt." Die andere erklärte ihn für einen Engel in Menschengestalt, der nicht sündigen könne; allein Calleken antwortete: "Ich behaupte nicht gerade, dass er sündigt, aber wie nun, wenn ihn eine menschliche Schwachheit ergreifen sollte, wie wolltest du dich benehmen, um nicht mit zu sündigen?" - "Ich würde es in Demut geschehen lassen", antwortete die andere, "denn ich bin Überzeugt, unser Herrgott würde mir solches nicht zur Sünde rechnen um des heiligen Mannes willen, indem dieser die Handlung ohne eigentlich fleischliches Gelüste vollbrächte."