Ein Betrüger schmiedete falsche Schriften, welche er den Aposteln zuschrieb und welche unter dem Namen der apostolischen Konstitutionen bekannt sind. Ihr Zweck war es, das Ansehen und die Gewalt der Bischöfe zu erhöhen und sie enthielten das Verrückteste, was man bisher zur Ehre der Bischöfe gesagt hatte. Diese wurden darin irdische Götter, Väter der Gläubigen, Richter an Christi Statt und Mittler zwischen Gott und den Menschen genannt. In demselben Sinn sprachen von den Bischöfen viele angesehene Kirchenväter.

Als die römischen Kaiser zum Christentum übertraten, behaupteten sie zwar selbst ihre Würde als Oberpriester (Pontifices maximi), aber sie beförderten das Ansehen der Bischöfe ihren Gemeinden gegenüber. Ja, manche Kaiser waren so verblendet und unklug, ihre Kinder diesen Bischöfen zur Erziehung anzuvertrauen, was dann die ganz natürliche Folge hatte, dass diese "in der Furcht Gottes", das heißt in der Demut gegen die Pfaffen erzogen wurden und, als sie selbst Kaiser wurden, ihre Knie vor denselben beugten und ihnen die Hände küssten. Dass diese dadurch nur immer aufgeblasener und anmaßender wurden, liegt in der menschlichen Natur und wir dürfen uns nicht darüber wundern, wenn schon Bischof Leontius von Tripolis verlangte, dass die Kaiserin Eusebia, Gemahlin des Kaisers Constantius, vor ihm aufstehen und sich verneigen sollte, um seinen Segen zu empfangen.

Die protestantischen Bischöfe der neueren Zeit hätten es gern auch so weit gebracht. Als Friedrich Wilhelm III. von Preußen einst in Magdeburg aus dem Wagen stieg und sich dabei bückte, erhob schon der Bischof Dräseke seine Hände und seine Stimme, um ihm den Segen zu erteilen. Zum großen Verdruss des Bischofs schob ihn der sonst so fromme König beiseite und sagte ärgerlich in seiner kurzen Weise: "Dumm Zeug! - so was nicht leiden!"

Das Hauptstreben der Bischöfe war darauf gerichtet, die Einmischung der "weltlichen" Macht in die Kirchenangelegenheiten zu beseitigen, ja, wo möglich die Kaiser sich unterzuordnen. Der Bischof von Mailand, Ambrosius, machte damit gleich auf sehr freche Weise den Anfang. Er nahm es sich heraus, den Kaiser Theodosius zu exkommunizieren, das heißt, von der Kirchengemeinschaft auszuschließen.

Manche Kaiser, denen die Pfaffen mit der Hölle zusetzten, waren schwach genug, zu den pfäffischen Anmaßungen zu schweigen und wenn nun das Volk sah, wie ihre gefürchteten Oberherren sich so demütig gegen die Bischöfe betrugen, musste es natürlich auf den Gedanken kommen, dass diese übermenschliche Wesen seien. In einigen Orten wurden denn auch die Bischöfe von den Christen mit dem evangelischen Hosianna empfangen.

So stieg der Hochmut der Pfaffen von Jahr zu Jahr. Schon 341 n. Chr., auf der Synode von Antiochien, wurde es den Geistlichen verboten, sich in kirchlichen Angelegenheiten ohne Erlaubnis der Bischöfe an den Kaiser zu wenden. Die niedere Geistlichkeit wurde überhaupt immer mehr unterdrückt, und die Landbischöfe, welche über ihre Gemeinden ganz dasselbe Recht gehabt hatten wie die Stadtbischöfe, wurden 360 durch Beschluss der Synode von Laodicäa ganz abgeschafft.

Das gewöhnliche Sprichwort sagt: "Eine Krähe hackt der andern nicht die Augen aus"; aber die Pfaffen machten es zunichte, denn sie hackten sich nicht nur die Augen aus, sondern die Köpfe ab, wenn sie konnten und es ihnen passte. Wegen der lächerlichsten theologischen Streitigkeiten lagen sie sich fortwährend in den Haaren und erfüllten deshalb die Welt mit Unruhe und Mord.

Einen bedeutenden Anteil an den theologischen Streitigkeiten hatten die zahllosen Mönche, welche ihre Ansichten nicht allein mit geistlichen Waffen, sondern weit wirksamer mit höchst irdischen Knüppeln verfochten. Sie bildeten förmliche Freikorps, welche von den fanatischen Bischöfen benutzt wurden und oft die gräulichsten Exzesse begingen. Ein römischer Feldherr, Vitalianus, musste 314 in Konstantinopel einrücken, um die Stadt vor den wütenden Mönchen zu schützen.

Die zweite Kirchenversammlung zu Ephesus 449 n. Chr. erhielt den Namen
Mörderversammlung, weil hier die tollen Mönche mit dem Schwert in der
Hand die Annahme der Glaubenssätze erzwangen, welche sie für gut
hielten.

Einer der größten Fanatiker war der Bischof Cyrillus von Alexandrien.
Sein Hass traf die in dieser Stadt seit siebenhundert Jahren wohnenden
Juden. Er hetzte die Mönche und den Pöbel gegen sie auf, ließ ihre
Synagogen niederreißen und jeden Juden niederhauen, der in ihre Hände
fiel. So verlor Alexandrien vierzigtausend seiner fleisigsten Bürger!