Cesare würde sich wahrscheinlich unter dem Schutze seines Heiligen
Vaters ein ganz artiges Reich zusammengeraubt haben, wenn dieser
Musterpapst nicht aus Versehen gestorben wäre. Das ging auf folgende
Weise zu.
Alexander hatte die Gewohnheit, solche reiche Leute, die er gern beerben wollte, in die bessere Welt zu befördern, und eins seiner Lieblingsmittel dazu war Gift, welches er höchst gemütlich "Requiescat in pace" nannte. - Der Kardinal Corneto, ein unchristlich reicher Mann, sollte so beruhigt werden und wurde zu diesem Zweck vom Papst zum Abendessen geladen. Durch ein Versehen reichte ein Diener dem Papst den "in der Hölle gewürzten" für den Kardinal bestimmten Wein, und dieser endete am andern Tag sein heiliges Leben im 72. Lebensjahre. Cesare, der auch von dem vergifteten Wein getrunken, hatte ein volles Jahr daran zu verdauen.
Mit den Schandtaten dieses Papstes könnte man ein ganzes Buch füllen, aber ich will den Lesern nur einige mitteilen.
Von der Macht und der Stellung der Päpste hatte Alexander die höchsten Begriffe, denn er sagte: "Der Papst steht so hoch über dem König wie der Mensch über dem Vieh", und mit der Religion, welche damals die christliche hieß, war er vollkommen zufrieden, denn er äußerte: "Jede Religion ist gut, die beste aber - die dümmste", und es würde schwer geworden sein, etwas Dümmeres als das Christentum der römischen Kirche jener Zeit aufzufinden. Alexander selbst hatte gar keine Religion.
Höchst originell ist eine Unterredung, welche der gelehrte Prinz Piko di Mirandola mit dem Papst nach der Niederkunft der Lucrezia mit Rodrigo hatte. Alexander fragte ihn: "Kleiner Piko, wen hältst du für den Vater meines Enkels?"
"Nun, Ihren Schwiegersohn!", nämlich den für impotent bekannten Alfons.
"Wie kannst du das glauben?"
"Der Glaube, Ew. Heiligkeit, besteht ja darin, Unmögliches zu glauben", und nun kramte der Prinz eine solche Menge geglaubter Unmöglichkeiten aus, dass der Heilige Vater sich beinahe vor Lachen ausschüttete.
"Ja, ja", sagte der Papst, "ich fühle wohl, dass ich nur durch Glauben, nicht aber durch meine Werke selig werden kann."
"Ew. Heiligkeit", antwortete der Prinz, "haben ja die Schlüssel des
Himmelreichs; aber ich, - wie ginge es mir dort, wenn ich bei meiner
Tochter geschlafen, mich des Dolchs und der Cantarella (Gift) so oft
bedient hätte!"