Hinsichtlich des hier gegebenen Abdrucks der Handschrift habe ich nur zu bemerken, daß bei demselben, da er für einen größeren Leserkreis bestimmt ist, dem mit einer diplomatisch genauen Beibehaltung der alten Orthographie wenig gedient sein möchte, die jetzt übliche Wortschreibung gewählt, auch hier und da bei einem ganz außer Gebrauch gekommenen und heutigen Tages völlig unverständlichen Worte ein, denselben Begriff bezeichnendes, neues in Klammern daneben gesetzt ist. Was den Styl anbelangt, so habe ich mir keine Aenderung, keine Umschmelzung der zum Theil übermäßig langen und schleppenden Perioden erlaubt; das Werk würde, bei einer gefälligeren Einkleidung des Stoffes, ja nur noch ein dem Inhalte nach dem Otto von Guericke angehörendes geblieben sein. Als völlig unnütz aber, weil sie ja doch nicht nachgeschlagen werden können, sind alle Hinweisungen auf die beiden ersten Theile des Werkes weggeblieben. Alles im Texte von zwei Gedankenstrichen Eingeschlossene gehört dem Verfasser an.

Dem Leser am Schlusse dieser Vorbemerkung noch ein Wort zur Empfehlung des kleinen Buches, welches ich hiermit in seine Hände lege, sagen zu wollen, halte ich für durchaus überflüssig. Guericke war Augenzeuge der Ereignisse, welche er schildert; er war vermöge seiner amtlichen Stellung, als Rathmann und Bauherr der Stadt, sehr genau davon unterrichtet und überdies ein Mann von so anerkannter Ehrenhaftigkeit, daß wohl nicht im entferntesten von irgend einer absichtlichen Entstellung der Wahrheit in seiner Erzählung die Rede sein kann.

H.

Fußnote:

[*] Summarischer Begriff der Magdeburgischen Stadt-Chroniken. Magdeburg, 1587, 4.

Als durch Gottes unerforschlichen Rath und Verhängniß eine geraume Zeit her im heiligen römischen Reiche viel innerliche, schwere und blutige Kriege entstanden, dazu (an denen) auch ausländische Potentaten mit eingetreten (Theil genommen), und dadurch viele Dörfer, Flecken, Städte und Länder über alle Maße jämmerlich verderbt und verwüstet worden, wie nicht allein aller Welt bewußt, sondern auch noch diese Stunde — Gott erbarme sich’s! — männiglich vor Augen schwebet.

Demnach, und weil auch mit dem Könige von Dänemark durch göttliche Verleihung Frieden geschlossen[1] gewesen, haben, wegen solcher immer continuirenden Kriegspressuren, Einquartierungen, Durchzüge, Contributionen und anderen Drangsale, insonderheit aber (wegen) des im Jahre Christi 1629 ausgelassenen kaiserlichen Edicts, die Restitution der geistlichen, nach dem passauischen Vertrage den Katholischen entzogenen, Güter betreffend, die evangelischen und protestirenden Stände des Reiches am kaiserlichen Hofe viel Beschwerden, Protestationen und Klagen geführt, also daß auch theils hohen, theils niederen Standes Personen — weil sie eine allgemeine Reformation und Wiedereinführung der römisch-katholischen Religion befürchtet — sich solcher Execution ermeldeten Edictes und anderer Kriegesbeschwerden durch Gewalt in der Zeit zu entbinden und der kaiserlichen und ligistischen Soldatesque mit gewehrter Hand zu widerstehen für das Beste und Rathsamste erachtet. Jedoch weil wegen so vielfältigen Klagens und anderer Ursachen die römisch kaiserliche Majestät im Monat Februar des 1630 Jahres einen churfürstlichen Convent gegen den 5. Junius nach Regensburg beschrieben, ist der bedrängten Stände Hoffnung, daß allen Ungelegenheiten abhelfliche Maße gegeben werden sollte, bis dahin gerichtet und verschoben worden.

Unterdessen, und bei Währung solcher gedachten Kriegstroublen im deutschen Reiche, sind in Anno 1629 nicht allein zwischen Albrechten Herzogen zu Friedland, als damaligen kaiserlichen Kriegsgeneral, und der weitberühmten Hansastadt Magdeburg schwere Differentien und Feindseligkeiten entstanden, daß auch die Stadt hart darauf bloquirt, mit 16 starken Schanzen becirkelt und viel Bluts vergossen worden, sondern es haben sich überdies sowohl unter den Bürgern und Einwohnern dieser Stadt selbst allerhand Dissensiones und Mißverständnisse ereignet, vornehmlich aber und indem ein Theil der römisch-kaiserlichen und katholischen Liga Kriegesarmeen und dero Bediente wegen der Kriegesdrangsale und zu besorgenden Reformation in der Religion ganz nicht dulden, noch ihnen trauen oder Willen und Vorschub thun, sondern dieselben vielmehr vertreiben, sich dieser Last stracker Dinge benehmen, das Kriegsvolk aus dem Erzstifte hinweg schlagen, oder, zu dessen mehreren Behuf, sich mit andern evangelischen Potentaten und Ständen verbinden und das Werk conjunctim (mit vereinten Kräften) effectuiren wollen.[2]