Wenn dann nun hieraus und ermeldeter Ursachen und Beschwerden halber sich allgenugsam in der Stadt bei dem gemeinen Manne wiederum allerhand Mißtrauen, Murren, Haß und Widerwillen gegen die kaiserl. und katholischen geist- und weltliche Bediente entsponnen und hervorgethan: so ist jedoch sowohl der Rath, als gemeine Stadt und die mehresten unter denselbigen, dem Exempel und (der) Folge der andern benachbarten Churfürsten, Stände und Städte nach, in allerunterthänigster Devotion gegen die röm.-kaiserl. Maj. geblieben und bestanden, in gewisser Zuversicht, es werde ja dermaleinst durch göttliche Verleihung das beschwerliche Kriegs- und (zu) besorgendes Reformations-Wesen auf einem ordentlichen Reichstage zum glücklichen Vergleich und (zur) Endschaft vermittelt und beschlossen werden. Darinzwischen hat man sich bei dem neuen Rathe das gemeine Stadtwesen und sonderlich der Kasse und Kämmerei der Stadt, so man ganz erschöpft und noch mit Schulden beschwert gefunden, dergestalt angelegen sein lassen, damit dieselbe durch ordentliche Mittel wiederum etwas zur Aufnahme könne gebracht und mehr und mehr Nahrung zur Stadt gezogen werden. Zu dem Ende denn auch unter andern der Stadt vor diesem gewesener Secretarius, Angelus Werdenhagen, damals zu Leiden in Holland wohnend, Mittel und Wege vorschlagen wollen, wie aus den Niederlanden die Handlung und Commerzien nach Magdeburg könnten gebracht und sonderlich die Abfuhr des Bieres dahin befördert werden. Derowegen er an den Rath geschrieben und begehret gehabt, daß (der) Kämmerer Oswald Matthias nebst (dem) Rathmann Conrad Gerold und Nicolaus Schmidt, ein Bürger, zu ihm bis auf Bremen kommen und seine Vorschläge vernehmen möchten, welches denn der Rath nicht ausschlagen, sondern vielmehr den ernannten Personen dahin zu reisen verstatten wollen, jedoch mit (dem) Befehl, da (im Fall) sie Werdenhagen in Bremen nicht antreffen würden, daß sie auch weiter nach ihm nicht ziehen, den (die) Kosten ersparen und sich wieder auf Magdeburg wenden sollten. Als aber Werdenhagen allbereits hinweg und zu Hamburg gewesen, sind diese Rathsdeputirten ihm auch von Bremen aus bis dahin gefolgt, daselbst sie dann seine Vorschläge vernommen und angehört haben. Bei Verrichtung dieses aber sind diese Raths-Abgeordneten zugleich auch bei dem Hrn Administratori des Erzstiftes Magdeburg, Christian Wilhelm, Markgrafen zu Brandenburg, als welcher wegen des kaiserl. Volkes aus dem Erzstifte entwichen und sich in (nach) Hamburg zur selben Zeit begeben müssen, unterschiedlich sowohl zur Tafel als anderer Zeit aufwärtig gewesen, worauf sie sich endlich wiederum nach Magdeburg gewendet und zugleich einen von Ihrer Fürstl. Gn. Aufwärtern, namentlich Heinrich Pöpping — als der zuvor ein Bürger und Kaufmann in Magdeburg, aber durch unordentliches Leben Guts und Credits entgangen gewesen, — mitgebracht, welcher dann zwei Schreiben, eins von der königl. Maj. zu Schweden, das andere von des Herrn Administratoris F. Gn., beide an den Rath zu Magdeburg haltende, bei ihm (sich) gehabt, wie davon bald mit mehren folgen wird.
Des Raths Abgesandte nun, sobald sie wiederum anheim gekommen, haben dem Rathe und Ausschusse, der niederländischen Handlung wegen und was darin ihre Verrichtung bei dem ermeldeten Angelo Werdenhagen gewesen, Relation gethan, von dem aber, so sie bei dem Hrn Administratori verhandelt oder was Seine Fürstl. Gn. mit ihnen geredet und tractirt gehabt, ist dem Rathe und Ausschusse — als die auch davon nichts gewußt, (noch) weniger ihren Abgeordneten deswegen etwas in Instructione mitgegeben gehabt — keinerlei berichtet worden, allein daß hernach der eine Mitdeputirte, Nicolaus Schmidt, es unter die gemeinen Bürger spargirt (ausgebreitet), daß nicht allein Conrad Gerhold unterschiedlich bei Hochgedachter Fürstl. Gn. gewesen, sondern sie sämmtlich, auch einesmals einen guten Rausch bei Deroselben überkommen hätten, und daß Conrad Gerhold oftmals heimlich mit Ihro Fürstl. Gn. geredet; wovon es aber gewesen, hätte er nicht erfahren können; wie er dann unterweges noch bei der Zurückreise den Kämmerer Oswald Matthias gefragt, was doch für Dinge vor wären und was Conrad Gerhold in den Herbergen und sonst beim Absteigen allemale so lange und heimlich mit Hermann Pöpping zu reden, er ihm darauf solle geantwortet haben, es wären so Dinge, aber er glaubte nicht, daß sie angingen. Ein mehres aber hätte ihm Oswald Matthias nicht entdeckt, dabei er es auch bewenden lassen müssen. Sonsten hat auch nach der Eroberung der Stadt oftermeldeter Angelus Werdenhagen zu unterschiedlichenmalen erwähnt, daß ihm damals in Hamburg wohl bewußt gewesen, wie der Hr Administrator von königl. Maj. zu Schweden zu Occupirung und Wiedereinnehmung des Erzstiftes Magdeburg große Verheißungen und Assistenz erlangt hätte, Ihre Fürstl. Gnaden auch daher gemeinet, sich mit der Stadt in eine nähere Verständ- und Bündniß einzulassen, er hätte aber zu solchen Tractaten dem Gerhold nicht rathen können oder wollen, sintemal dieses ein schweres Werk, und wo der Fürst einmal auf irgend was gebracht, er nicht leicht wieder davon zu bringen noch abzuhalten wäre, sollte es gleich dessen größten Schaden causiren. Und dieses ist also des Werdenhagen’s Bericht von diesem Handel. Johann Ludwig Gottfried aber gedenkt dessen in seinem Inventario Sueciae Fol. 249 mit folgenden Worten:
„Als um Fastnacht Anno 1630 ein neuer engerer Rath von 24 Personen zu Magdeburg angeordnet wurde, darauf im Frühling 2 vornehme Rathspersonen nach Hamburg abgeschickt, die Tractaten mit Markgraf Christian Wilhelm, Administratorn des Erzstiftes Magdeburg, der sich damals in ihrer königl. Maj. zu Schweden Schutz begeben hatte, und sich derzeit alda befand wegen gemeiner Stadt u. ff.“
Dieses ist also dasjenige, was von den Sachen, so sich mit dem Hrn Erzstiftischen Administratori und den nach Bremen — aber nicht auf Hamburg — deputirten Magdeburgischen Rathspersonen in Hamburg begeben und zugetragen haben mag und zu meiner Wissenschaft kommen ist, aufs kürzeste und gründlichste. Nun soll ferner folgen, was des Heinrich Pöpping’s Werb- und Verrichtung in Magdeburg gewesen; denn sobald derselbe allhier angelangt, hat er, der beiden königl. schwedischen und markgräflichen Schreiben halber, und was etwa Ihro Fürstl. Gnaden ihm weiteres in Instructione gegeben, fast drei Wochen lang in der Stadt, ehe und zuvor er sich und die Sache beim Rathe angemeldet, mit etwa 20 Personen Rathschläge und Tractaten gepflogen, auch theils derselben mit besonderem Eid des Silentii und Stillschweigens verknüpfet und verbunden. Darunter gewesen sind:
Caspar Steinbeck, ein Rathsherr, welcher in der Wahl des neuen Raths die erste Person gewesen,
Martin Parmann, ein Viertelsherr, so auch bei dieser Rathsveränderung der Gewandschneider-Innungsmeister und Ausschußverwandter geworden,
Hans Schoff, welcher vor diesem beim alten Rath gewesen, aber etlicher Ursachen halber nicht wieder dazu gezogen worden. etc.
Ob nun oftermeldeter Heinrich Pöpping dieser Sachen halber, nämlich zwischen hochgedachtem Hrn Administratori und der Stadt Magdeburg eine Allianz und Verbindung zu werben und zu stiften, vorlängst von Etlichen aus der Stadt sei abgefertigt gewesen, ist bis daher nicht gänzlich offenbar geworden; gleichwohl mögen auch nachfolgende Umstände nicht gar stillschweigend übergangen werden.
1) Ist im Jahr 1626 der Stadt bestellter Oberhauptmann Johann Schneidewein,[13] beides auf kaiserl. Befehl, — wie man sagte, — und zugleich vom Rathe etlicher abgeraubten Güter und anderer Ursachen halber in Arrest genommen, und auf dem Rathhause verwahrlich gehalten worden. Weil er aber auf die Aussage der in seiner Sache abgehörten Zeugen und die daraus gefertigten Artikel nicht selbst, sondern durch seinen Advocaten antworten wollen, ihm aber solches nicht zugelassen werden können, ist solcher Prozeß immerhin besteckend und er in Arrest verblieben. Gleichwohl ihm endlich in einem Bürgerhause, und zwar, auf sein Begehren, in der Weinschenke zur goldenen Krone — daselbst er mit der Wirthinn jederzeit gute Freundschaft gehalten, die ihn auch in der Custodie mit guten Tractamenten, Speisen und Anderm wohl versehen gehabt — zu wohnen, jedoch vor Austrag der Sachen daraus nicht zu weichen, vergönnt und zugelassen worden.
2) Hat sich selbiger Zeit und etliche Jahr her eine sonderliche Gesell- und Brüderschaft in der Stadt zusammen gehalten, die stets zu einem Wein- oder Bierhause aus- und zum andern eingegangen, neue Mähr zusammen getragen und alles, was in der Stadt und Raths Sachen vorgefallen, getadelt, beklügelt und unter die gemeine Bürgerschaft aufs ärgste ausgedeutet, sie selbst aber sich nur der Pracht und Hoffahrt, des Saufens, Spielens und Schandirens beflissen haben, daß ihnen auch darüber durch den gemeinen Mann von der Rathsschenke in der Sudenburg, die Dingebanken genannt, wohin sie sich mehrentheils verfüget, der Name „Dingebankenbrüder“ gegeben worden. Demnach hat