Zur selben Zeit hat sich auch begeben, daß Hr Dr. Hans Ulrich Hemmerl, kaiserl. Maj. Reichshofrath, ein offenes Mandat bei der Nacht — als den 6. July Anno 1630 — an die Domkirche schlagen lassen, darinnen die augsburgischen Confessions-Verwandten Canonici und Clerici in der Stadt und aus dem Neuen Markte cassirt und ihnen, bei Pön der Acht, binnen 8 Tagen ihre inhabende Beneficia, Häuser, Brief und Siegel abzutreten und dem Martino Stricerio, Propst zu Unser Lieben Frauen, einzuliefern auferlegt werden wollen. Dieser Sachen und obgedachter Vereinigungstractaten halber sind vom Rathe etliche Personen verordnet worden, nämlich: daß Dr. Stephanus Olvenstedt, Schöppe und Ausschusses Verwandter, nach Dresden reisen und daselbst bei Churfürstl. Durchlaucht zu Sachsen — weil dieselbe wegen ihres Herrn Sohnes, Herzogs Augusti, am Erzstifte zu Magdeburg merklich mit interessirt — vernehmen möchten, was I. Churfürstl. Durchl. — da von denen Kaiserlichen, als die allbereits um der Clerisei Häuser angehalten, auch der Dom zu ihrem Gottesdienste sollte begehret werden — dabei zu thun gemeint wären und was Schutzes bei Deroselben sich die Stadt zu getrösten haben solle etc. Dann ferner sind noch zwo Rathspersonen, Conrad Gerhold und Johann Buschau, zum hansaischen Directorio nach Lübeck deputirt worden, daselbst die angetragenen Vereinigungstractaten mit denen E. Städten in Communication zu ziehen, und obwohl Dr. Olvenstedt seinen Weg alsofort auf Dresden genommen, hat sich’s doch mit diesen beiden letztern — weil sich Conrad Gerhold ungern zu solcher Reise und Communication mit den E. Städten verstehen wollen — etwas verweilet, bis endlich ein Schreiben von Johann Stalmann — als der vor diesem Fürst Ludwig’s zu Anhalt Kanzler gewesen und sich beim Könige in Dänemark für einen General-Kriegsauditeur, nach gemachtem Frieden aber in des Hrn Administrators Dienste gebrauchen und in Schweden zu Deroselben königl. Maj. verschicken lassen, da er dann zugleich schwedische Bestallung auch angenommen und sich also mit einer besondern königl. Instruction, was ihm in Deutschland zu verrichten obliegen würde, wiederum auf Hamburg zu I. Fürstl. Gn. begeben hatte — dessen Inhalts ankommen, weil nämlich der Status mit königl. Maj zu Schweden und des Hrn Administratoris F. Gn. weit besser gediehen, als wollte er, Stalmann, in kurzem selbst auf Magdeburg reisen und E. E. Rath den Zustand ausführlich berichten; dahero, weil man solch Anbringen nicht wissen können, auch die Abschickung auf Lübeck anständig geblieben. Unterdessen ist das Werk in der ganzen Stadt — zweifelsohne durch oftermeldete Unterhändler und Zusammengeschworene — also und dergestalt ruchtbar gemacht worden, wie daß nämlich vom Könige in Schweden und Erzstiftischen Herrn Administratori der Stadt solche Mittel und Wege angeboten würden, dadurch dieselbe allem Kriegs- und Reformationswesen entgehen und darüber mit mehren Privilegien und Landgütern könne begnadigt werden, und was dergleichen Dinge mehr gewesen, womit sie die Gemüther, der ohne dies wegen obgedachten, durch Hrn Dr. Hemmerl angeschlagenen Mandats und andern dergleichen Ursachen, irritirten Bürgerschaft dergestalt verbittert gemacht, daß allein diejenigen, so sich die gethanen Vorschläge und Vereinigungstractaten wohlgefallen und deren Beförderung angelegen sein lassen, beim großen Haufen Ehr und Lob davon gebracht haben.
Darauf am 27. July des 1630. Jahres obgemeldeter Stalmann gegen den Abend zu Magdeburg angelangt ist und zugleich mit ihm — zwar in unbekannten Kleidern und unerkannt, auch dem Rath und gesammter Bürgerschaft unwissend — der Hr Administrator des Erzstiftes Magdeburg, und damit der Fürst desto heimlicher und unbekannter bleiben möchte, sind sie in dem Fürstl. Anhaltischen Hof,[14] hinter St. Sebastian auf dem Neuen Markt,[15] eingekehrt, da weder der Hauswirth[16] noch dessen Leute im Hause I. Fürstl. Gn. gekannt haben. Bald, desselben Abends noch, haben sich der Obristlieutenant Schneidewein — der, wie gemeldet, im Arrest in der goldenen Krone lag — und des folgenden Morgens der Rathsherr Caspar Steinbeck bei I. Fürstl. Gn. angefunden und Unterredung gepflogen. Den 29. July hat Johann Stalmann bei dem Rathe ansuchen lassen — weil er wegen königl. Maj. zu Schweden und des Hrn Administratoris, Markgrafen Christian Wilhelm’s Fürstl. Gn. etwas, daran dem gemeinen evangelischen Wesen höchlich gelegen, an den Rath zu bringen hätte, — daß ein Paar ihres Mittels zu ihm, sein Anbringen zu vernehmen, kommen möchten, denen er dann vorgezeigt eine von königl. Maj. zu Schweden gegebene Instruction, daß nämlich er bei allen evangelischen und protestirenden Churfürsten, Ständen und Städten deutscher Nation werben und vernehmen solle, wie und ob dieselben Beliebniß trügen, sintemal Ihro königl. Maj. zu Schweden, zu Rath und Beschirmung der teutschen Libertät in Gewissens- und weltlichen Sachen, sich mit einer Kriegsarmee in Deutschland zu begeben, Vorhabens wären, auf solchen Fall ihm auch zugleich — da sich ein oder ander Stand in sothane Conjunctionem begeben würde — Macht gegeben worden, 100,000 Rthlr., zu desto besserer Fortstellung solches Wesens, in Hamburg durch Wechsel zu heben, und dahin employren und anzuwenden. Darnach hat genannter Stalmann auch folgende Puncte — davon er jedoch nichts unter Ihrer Maj. zu Schweden Hand oder Siegel vorgezeigt — im Namen seines Königs an den Rath gesonnen und begehrt:
1) Nachdem es nunmehr durch göttliche Verleihung dahin gediehen, und sich die benachbarten evangelischen Churfürsten, Stände und Städte mit königl. Maj. zu Schweden, zwar in großer Geheimde, verbunden und in eine sonderbare Allianz begeben hätten: also möchte auch die Stadt Magdeburg dem evangelischen Wesen beistehen, mit in sothane Conjunction treten und gleich heben und legen helfen.
2) Wolle ihr (sich) die Stadt gefallen lassen, dem König in Schweden und Fürstl. Gn. wegen des Elbpasses und Brücken zu versichern, damit sie denselben offen und zu Dienste haben könnten.
3) Wollten Ihro Königl. Maj. und Fürstl. Gn. in der Stadt Volk werben lassen und eine Armee richten, (aufstellen) dagegen aber die Stadt wegen aller Gewaltthätigkeiten, Kriegespressuren und anderen Kosten versichern und befreien.
4) Sollte die Stadt gegen alle zustoßende Feindseligkeiten mächtiglich geschützet, auch gegen dem Reich noth- und schadlos gehalten, und ihr deswegen die Generalstaaten, beide Churfürsten Sachsen und Brandenburg und gesammte Hansastädte zu Bürgen gestellet werden.
5) Wollten Ihro Königl. Maj. und Fürstl. Gn. die Stadt mit mehren Privilegien und ansehnlichen Gütern begnaden etc.
Dabei auch letztlich von dem Stalmann erinnert worden, daß er gar nicht lange Zeit hätte, sondern bald weiter reisen müsse, und stünde ihm auf eine verabsäumte Stunde Leib- und Lebensgefahr; derowegen sich der Rath ja eilig eilig erklären wolle, welches Alles also die Deputirten des Raths ad referendum angenommen, und folgenden Tages, den 30. July, dem ganzen Rathe hinterbracht haben, darauf der Rathsschluß also gemacht worden, daß man die Sache folgendes dem Ausschusse vortragen, und, wenn es demselben mitbeliebig, an die E. Hansastädte bringen wolle.
Desselben Tages hat Martin Parmann — der ein Ausschusses-Verwandter, Viertelsherr und Gewandschneider-Innungsmeister und mit unter den obgemeldeten beeideten Personen gewesen — die gesammten Viertelsherren zu sich in sein Haus erfordert, dieselben zum Eid, alles, was vorgebracht werden würde, in geheim zu halten, genöthiget und ihnen endlich vorgetragen, daß ohne dies aus dem gemeinen Gerücht genugsam bekannt, wie der Rath von Königl. Maj. zu Schweden und Hrn Administratoris Fürstl Gn. Schreiben bekommen, sich mit ihnen in eine Allianz und Bündniß zu begeben, nun aber der Rath solche Schreiben fast ein halb Jahr lang — das doch nicht also, sondern nicht über 8 Wochen gewesen — der Bürgerschaft heimlich vorenthalten, und nunmehro Ihre Maj. zu Fortstellung dessen einen eigenen Gesandten — den auch die Viertelsherren wohl alsofort selbst hierüber hören könnten — anhero geschickt hätten, als wäre die Frage, ob sie nicht vom Rathe die Schlüssel zu den Thoren abfordern und mit dem Gesandten selbst tractiren wollten, und obwohl theils Viertelsherren — darunter vornähmlich Heinrich Hartmann — dazu eingestimmt, so haben die mehresten, daß man’s also scharf nicht anfangen, sondern sich lieber gegen dem Rathe mit Protestation verwahren möchte, gerathen.