Den 31. July ist, auf Erfordern des Raths, der Ausschuß, oder die Funfzigmannen von der Gemeine, zu Rathhause erschienen, denen dann das Werk vorgetragen und darauf von ihnen durch die mehresten Stimmen dieser Schluß, daß sie mit dem Rath einig wären und alles auf Einrathung der E. Hansastädte wollten beruhen lassen, gemacht worden — wiewohl in der ersten Klasse des Ausschusses zwei Viertelsherren, Jürgen Schlüter und Jacob Beckmann, nach derselben Classis eingebrachten Voto, im Namen gesammter Viertelsherren, gegen den Rath protestirt und bedinget haben, daß, weil der Rath dieses Vereinigungswerk so lang unter sich tractiret und der Bürgerschaft oder Ausschusse vorenthalten hätte, sie an ihrem Orte vor der ganzen Bürgerschaft, was hierin verabsäumt wäre, entschuldiget sein wollten etc. — welchen ermeldeten Raths und Ausschusses Schluß der Rath noch gegen Abend dem Stalmann also hinterbringen lassen. Es mag aber derselbe von denen oftermeldeten Personen, die stets bei ihm ab- und zugegangen, ziemliche Nachricht bekommen haben, daß die Bürgerschaft zu solchem Werk wohl inclinirt und bei derselben eher etwas, als beim Rathe, würde können erlangt werden, wie dann Stalmann solches selbsten, nachdem er bei dem schwedischen Feldmarschall Johann Banner[17] in Ungnade kommen, in seiner Apologia, so er bei seiner Flucht contra denselben Hrn Feldmarschallen gemacht, unter andern in folgenden Worten bekennet: „Mit solcher von königl. Maj. zu Schweden erlangter Resolution und Instruction bin ich aus Schweden auf Hamburg wieder gelanget und haben J. F. Gn., wider meinen Willen, auf andern Rath, zugleich mit hinaufwärts, wohin meine Expedition gewesen, und in Magdeburg zu gehen, jedoch mit Vertröstung, sich allda in der Stille bis auf andere, bessere Occasion zu verhalten, gestalt Sie auch allda empfangen und doch stracks — durch die vermittels wenigster Rathspersonen und der von papstischen Domherren irritirten Populace an (die) Hand gegangene Occasion — zu einem mehren gegriffen und gebrauchet, womit sie dann neben Ihro, zugleich auch mich, in eben dieselbe Occasion gezogen und dahin necessirt haben, daß ich, wie geschehen, mit handhabender königl. Instruction auch mich bloßgegeben und Inhalts deroselben zu negotiiren allda angefangen und den Ausgang an den lieben Gott gestellet etc.“

Item in einer Schrift, so Stalmann nach der Stadt Magdeburg Eroberung, wegen dero zwischen dem Könige zu Schweden, dem Administratore und der Stadt aufgerichteten Capitulation zum Zeugnisse ertheilen wollen, setzet er diese Worte:

Daß hochermeldeten Hrn Administratoris Fürstl. Durchlaucht hintangesetzt meiner, auf längeren Verzug gerichteten Bedenken und Gründen, aus andern starken Gegenursachen sich von Hamburg nach Magdeburg in der Stille und unbekannt erhoben, mich um die Mitreise und Assistenz auf meine, von königl. Maj. zu Schweden gehabte Commission und Instruction gnädigst und anständig ersuchet und vermocht, sich auch daselbst wider meinen Rath, abermalen aus trefflichen Gegenursachen und Bewegnissen, kund gegeben und mich auf vorberührte königl. Commission und Instruction ganz gnädig, beweglich und eifrig requiriret, daß ich Deroselben zu schuldiger Folge S. Fürstl. Durchlaucht dahin assistiren und cooperiren möchte, damit die Stadt Magdeburg mit allerhöchst gedachter königl. Maj. und Sr. fürstl. Durchlaucht conjungiren und Seine fürstl. Durchlaucht also des Landes wieder mächtig werden, sich auch in einem festen Ort stärken, vorsehen und dem unterdrückten allgemeinen evangelischen Wesen desto bessere Dienste und Vorschub leisten könnten. Das ich auch in der That verspürt und befunden, wie nicht allein der Bürgerschaft ins gemein, sondern auch etlichen des Raths Sr. fürstl. Durchlaucht Ankunft und herausgelassenes Vorhaben fast anmuthig und erfreulich gewesen etc.

Demnach und auf sothane erlangte Nachricht und Versicherung hat der Ambassadeur Stalmann denen Rathsdeputirten entdeckt, daß der erzstiftische Hr Administrator selbst in loco und gegenwärtig wäre, auch an den Rath gnädig gesinnen ließe, daß derselbe etliche ihres Mittels gegen morgenden Sonntag früh abordnen, sintemal I. F. Gn. denen Tractaten selbsten beiwohnen wollten etc. Darauf hat der präsidirende Bürgermeister Martin Brauns den Rath und Ausschuß desselben Sonntags zu früher Tageszeit erfordern und Rath halten lassen, ob man nämlich zu I. F. Gn. — als die vor kaiserl. Maj. aus den Stiften entweichen müssen und nunmehr durch unbekannte Kleider, mit veränderten Bart und Haaren heimlich wieder in Magdeburg auf die Freiheit[18] oder (den) Neuen Markt eingekommen — senden und Dero Begehren vernehmen wolle. Wie nun desselben Sonntags in aller Frühe der Rath zusammen kommen, da haben die beiden Rathsherren Caspar Steinbeck und Conrad Gerhold sowohl desselben Morgens, als da auch des Nachmittages der Rath und Ausschuß wieder beisammen gewesen, die Sachen in folgender Gestalt vor- und angetragen: daß nämlich der König zu Schweden nicht allein eine mächtige Kriegsarmee nunmehr auf den deutschen Boden gebracht, sondern sich auch mit allen benachbarten Churfürsten, Ständen und Städten an der evangelischen und protestirenden Seite dergestalt verbunden hätte, daß sie den 4. August alle zugleich aufstehen und das kaiserl. oder päpstische Kriegsvolk als Feinde des Evangelii verfolgen würden, zu dem Ende auch der Hr Administrator sich selbst dieser Orten anhero begeben und auf dem Lande 1500 Mann zu Roß und 2000 zu Fuß heimlich versteckt, ingleichen die Herzöge zu Sachsen-Weimar 2000 Reiter und 1000 Cürassire in Bereitschaft hätten und wenn sich nur die Stadt Magdeburg wegen des Elbpasses gewierig erklärte, sollte solch Volk zur Stunde zusammengeführt, den Kaiserlichen eine Diversion gemacht und sie dadurch aus der Mark Brandenburg über die Elbe gelockt werden.

Alsdann könnte I. Maj. zu Schweden mit Dero Armee desto füglicher aus Magdeburg gehen und mit sämmtlichen hochgedachten deutschen Ständen ein Corpus formiren, derowegen, weil zu besorgen, daß solches den Kaiserlichen kund, und daher obgedachtes Hrn Administratoris Kriegesvolk und auch der gesammten evangelischen Stände, durch der Stadt Magdeburg Verzögerung in (den) äußersten Ruin gestürtzt werden möchten, so müsse sich der Rath eilig eilig erklären, mit in dieses Bündniß treten und den Päpstischen zugleich widerstehen helfen. Im widrigen Fall aber, und da (wenn) über Verhoffen der Rath nicht willigen wollte, hätten der Hr Administrator und schwedische Ambassadeur schon alle Nachricht, es wollten’s die Bürger thun und selbst dem Könige zu Schweden den Paß eröffnen; wie alsdann diejenigen, so das evangelische Wesen jetzo gehindert, anlaufen würden, stünde Jedweden zu erfahren etc.

Hierauf hat man den präsidirenden Bürgermeister Martin Brauns, Bürgermeister Schmidt, den Syndicus Dr. Johann Denhardt und noch zwei Rathspersonen, namentlich Conrad Gerhold und Johann Buschau, zu I. F. Gn. abgefertigt, und als sie dahin kommen, hat der Ambassadeur Stalmann, in Gegenwart des Markgrafen, die allbereits oben geschriebenen Punkte und Petita nach der Länge wiederholt, dagegen etliche des Raths im Discours (die) eine und (die) andere hieraus (zu) besorgende Ungelegenheit, sonderlich die kaiserl. Hoheit und Macht, dagegen die Stadt an Gelde und aller Kriegesmunition sehr erschöpft, auch deswegen der angefangene Festungsbau ungefertigt beliegend blieben wäre, angezogen und eingewendet gehabt, also daß unterdessen die Zeit bis auf 10 Uhr verflossen. Es ist aber von I. F. Gn. die Predigt in der Domkirche so lange aufzuschieben befohlen, auch endlich an die Raths-Deputirten begehrt worden, daß sie den Gottesdienst mit abwarten und nachmals zu I. F. Gn. Tafel kommen wollten, welches sie denn, dem Markgrafen zu versagen und abzuschlagen, (für) unhöflich erachtet, und daher sich dessen nicht verweigern dürfen. Hiermit sind der Markgraf und (der) schwedische Ambassadeur vorhin (voraus) geritten und die Abgeordneten des Raths gefolgt, da sich denn vor der Domkirche eine solche Menge Volks befunden, daß man, wegen Größe des Gedränges, fast nicht durchkommen mögen. Der ordentliche Text und das Sonntags-Evangelium ist damals Lucä am 19. Capitel gewesen, worin Christus der Stadt Jerusalem die Zerstörung verkündigt, nämlich „wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient; aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen; denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ängstigen und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen, darum daß du nicht erkannt hast die Zeit, darin du heimgesucht bist etc.“ Nach gehaltener Predigt haben I. F. Gn. die Rathsdeputirten mit sich zur Tafel genommen, die dann auch bald wieder aufgehoben und die Deputirten, dem Rathe Relation zu thun, dimittirt worden.

Als aber der präsidirende Bürgermeister erst wieder in sein Haus gekommen, ist bald darauf Heinrich Pöpping nachgefolgt, mit dem Anbringen, weil die Sache ganz keine Verzögerung leiden könnte, daß I. F. Gn. solche der ganzen Bürgerschaft selbst vorzutragen gesinnt wären, derowegen Er (der Bürgermeister) dieselbe alsobald möchte zusammen fordern lassen. Dieweil nun dieses vormals bei der Stadt keine Gewohnheit gewesen, als hat der Bürgermeister den Rath und Ausschuß, auch zum Ueberfluß die 18 Viertelsherren, auf das Rathhaus bescheiden lassen, und nachdem er denenselben, was des Vormittages beim Hrn Administrator ihre Verrichtung gewesen, Bericht gethan, hat man daraus zum Hauptwerk schreiten und, was sich gegen I. F. Gn. zu erklären sein würde, den Schluß machen wollen. Es ist aber eben indem der Hr Administrator und (der) schwedische Ambassadeur angekommen, also daß keiner diesmal sein Bedenken in der Sache geben, noch sein Votum ablegen können, sondern ein Jedweder, I. F. Gn. Anbringen und Begehren zu vernehmen, aufwarten müssen.

Nachdem nun der Hr Administrator sammt dem schwedischen Ambassadeur auf das Rathhaus und in den großen Saal gekommen — allda der Rath, der Ausschuß und (die) 18 Viertelsherren, I. F. Gn. und des Ambassadeurs Anbringen zu vernehmen, auch herausgetreten — da hat sich der schwedische Ambassadeur zu der Stadt Syndicus, Dr. Johann Denhardt, genähert, mit Anzeigung, daß I. F. Gn. und er des Raths Resolution und Antwort auf (die) neuerlichst vorgelegten Puncte erwarteten, welches dann — weil sobald darüber kein Schluß im Rathe noch Ausschuß gemacht werden können — einen und (den) andern, sich auf (in) solcher Hast und Eile zu erklären, heftig befremdet. Derowegen man zusammen getreten und per majora vota geschlossen gehabt, daß der Hr Syndicus, im Namen E. E. Raths und Ausschusses, um etwas Dilation und Anstand, zu desto reiferem Nachsinnen, und auf allen Fall füglicher Communication mit den E. Hansastädten, bitten und anhalten sollte. Worauf hinwiederum der Ambassadeur Stalmann länglich und weitläufig zu reden angefangen und die Sachen in folgender Gestalt dem Rathe, Ausschuß und Viertelsherren vorgetragen hat:

1) Daß sich nunmehr königl. Maj. zu Schweden mit einer mächtigen Kriegesarmee auf den deutschen Boden begeben hätte, deren christliche Intention und Meinung, die von Land und Leuten vertriebenen Churfürsten und Stände nicht allein wieder zu restituiren und in ihre Lande zu bringen, sondern auch das ganze deutsche Land bei ihrer (seiner) hergebrachten Libertät und Freiheit beides, in Gewissens- und weltlichen Sachen, zu retten, vertheidigen und beschirmen, dazu denn auch die Könige von Frankreich und England, wie ingleichen die Herren Staaten der vereinigten Niederlande sich mit verbindlich gemacht hätten. 2) Wären des Hrn Markgrafen Administratoris Fürstl. Durchlaucht zu dem Ende anhero kommen, das Erzstift Magdeburg wiederum zu occupiren und von der beschwerlichen Religions- und Kriegespressur zu entlästigen, dessen um mehres Behufs in der Nähe allbereits eine ziemliche Anzahl Kriegesvolks zu Roß und zu Fuß vorhanden, welche, sobald die Tractaten mit der Stadt geschlossen und vollzogen, zusammen und herbei geführt werden sollten. 3) Und weil durch sonderbare Gnade Gottes Ihro königl. Maj. allbereits so weit durch den Feind gedrungen, daß sie innerhalb wenig Tagen nach Magdeburg anzugelangen verhofften, derowegen Ihro Maj. gnädigstes Gesinnen, es möchte die Stadt Magdeburg zu solchem allgemeinen evangelischen Wesen alle mögliche Beförderung leisten, und zuvörderst, der Verstattung des Elbpasses wegen, sich unverzüglich erklären, sintemal der gesammten conföderirten evangelischen Stände Consilia und Intentiones darauf gerichtet, und da die Stadt hierin länger säumig oder anständig sein wollte, würde dadurch das ganze evangelische Rettungswerk gehindert und in periculo gesetzet werden. 4) Als auch der Stadt, wegen vieler bishero ausgestandenen Drangsalen und Beschwerden herrührende, Unvermögenheit sattsam bekannt: so wollten Ihro Königl. Maj. und Fürstl. Durchlaucht alle Kriegeskosten selber tragen, Munition, und was zum Kriege nöthig, anschaffen, auch der Stadt, zu ihrer eigenen Nothwendigkeit und besserer Befestigung, 90,000 Thaler zahlen lassen. 5) Ueberdas sollte auch das ganze Land an der Festung arbeiten und die Stadt mit mehren Freiheiten, Privilegien und Landgütern begnadiget, dagegen alle Gravamina und Beschwerden abgeschafft werden. 6) Wollten Ihro Maj. und Fürstl. Durchlaucht die Stadt in keiner Noth lassen, sondern dieselbe gegen alle Feindlichkeiten und Gefahr schützen, vertheidigen und entsetzen, auch ihr deßwegen beide Churfürsten zu Sachsen und Brandenburg, die Herren Staaten und sämmtliche Hansastädte zu Bürgen und Schadloshaltene stellen. Allein weil summum periculum in mora (die höchste Gefahr beim Verzuge), und an Verlust der Zeit so viel gelegen, daß Niemand, wer der auch sei, eine einige Stunde, ja Augenblicke der Verzögernisse mit Leib und Leben bezahlen könne: als wolle man sich an Seiten der Stadt gewierig und schleunig erklären, sintemal auf den widrigen Fall Ihre Fürstl. Durchlaucht das Werk an die ganze Bürgerschaft — die selbiges mals zum größern Theile vor dem Rathhause auf dem Markt beisammen gestanden und über sothane Ankunft, bevoraus, weil unter sie ausgesprengt gewesen, daß auf den 4. August alle evangelischen Churfürsten und Städte zugleich zusammen treten würden, trefflich gefrohlocket, wie davon im Inventario Sueciae, (Frankfurt am Main 1632) Fol. 249 — selbst bringen und dero endliche Meinung darüber vernehmen und anhören müßte.