Hierauf ist der Stadt Syndicus wiederum zu den Raths- und Ausschusses-Personen, deroselben Gutachten und was er ihrentwegen dem Markgrafen und schwedischen Gesandten zur Antwort geben solle, zu vernehmen; getreten, da dann — wie bei dergleichen Fällen, da Keiner nach der Ordnung seine Stimme und Votum gegeben, weniger dasselbe nicht angehört werden können, zu geschehen pflegt — theils das und das dazu geredet, theils auch ganz stille geschwiegen, also daß der Syndicus nicht gewußt, worauf eigentlich des Raths und Ausschusses Resolution bestehen solle. Jedoch haben theils sonderlich vor andern dem Hrn Syndico zugeredet und gesagt, daß man billig bei Gottes Wort stehen müsse und dem evangelischen Wesen zum Besten Dero Königl. Maj. und Fürstl. Gn. Paß und Repaß zu verstatten, nicht umgehen könne, und was etwa dergleichen Worte mehr, die man unter solchem Gemurmel nicht alle, sondern der Syndicus am allerbesten hören mögen, hierbei vorgefallen. Also daß durch den Syndicum — der zwar bei diesem Handel ganz bestürzt, verblasset und übereilet gewesen — diese Resolution: daß nämlich zur Beförderung des allgemeinen evangelischen Wesens, und damit nicht durch der Stadt Cunctiren (Zögern) und Nachlässigkeit die gesammten evangelischen und mit Königl. Maj. zu Schweden alliirten Stände periclitiren oder in Gefahr gestürzt werden möchten, der Paß für Ihre Maj. offen stehen solle, eingebracht und gegeben worden.
Hiermit haben I. Fürstl. Gn. und (der) schwedische Gesandte ihren Abtritt genommen, einem nach dem andern die Hand geboten und sich wieder ins Logiment verfüget.
Des folgenden Montags, als den 2. August, hat der Hr Administrator an den Rath gesinnen lassen, von der Stadt geworbenem Volke, welches damals 2 Compagnien, jede von 200 Köpfen, waren, ihm eine Compagnie auf 14 Tage abzutreten, damit S. Fürstl. Gn. desto sicherer an die Oerter, da sie ihr Kriegesvolk liegend hätten, gelangen und selbiges beisammen bringen könnten. Als aber hierauf ordentlich im Rathe votirt und Jedes Meinung vernommen worden, haben es theils des Raths ganz nicht willigen wollen, derowegen man die Bürgerschaft viertelsweise in ihrer Viertelsherren Häuser zusammen fordern und dero Willen einziehen lassen; wie denn bald darauf die Viertelsherren im Namen ihrer unterhabenden Bürger alle nach einander diesen Schluß eingebracht, daß die Bürger mehrentheils — soviel deren gegenwärtig gewesen, dem Fürsten eine Compagnie abtreten und auch zum Theil, wenn es vonnöthen, selbst mitgehen wollten. Also sind desselben Tages gegen 1 Uhr etliche von des Administrators zugelaufenen Officieren und Reitern nebst der Stadt-Compagnie hinaus nach Wolmirstädt gezogen, und weil dieser Zeit wenig kaiserl. Volk im Lande gelegen, ist vom Schlosse die daselbst liegende Salveguarde von 5 oder 6 Knechten und das befindliche Vieh, Briefe, Betten, ein halber Winspel Mehl und dergleichen in die Stadt gebracht und zugleich etlichen Bürgern in Wolmirstädt durchs Haus gerauschet worden; etliche tausend Geschützkugeln hat man auf dem Schloß auch befunden, aber etwa 14 Tage hernach zu Wasser abholen lassen.
Den 4. und 5. August hat der Hr Administrator bald einen größeren Zulauf von Officieren, Soldaten und andern bekommen. Die fielen tapfer aus auf die kaiserlichen Salvegarden und plünderten mitunter die Amthäuser, Klöster und Dörfer, zu denen sich auch viel des magdeburgischen Pöbels gesellet, also daß deswegen der Rath unterschiedliche Verbote ergehen lassen. Sonst ist auch etwas Getreide und viel Vieh von den Amthäusern und Klöstern auf den Bischofshof gebracht und von des Hrn Administrators Hofstaat verkauft und zu Gelde gemacht worden. So hat man dieser Tage auch des Obristen Niderumb’s Frau, welche ihren besten Schatz wegbringen wollen, item einen kaiserl. Lieutenant mit 20 Musquetirern und etlichen Wagen mit Lunten und Blei beladen von Calbe gefangen eingebracht, desgleichen thaten die von Borch (Burg) den kaiserl. Obristen Damnitz mit seiner Bagage und etlichen Wagen mit Salz I. F. Gn. überliefern und was dergleichen mehr diese Zeit über vorgelaufen, dadurch die Kaiserlichen, als denen dieser Handel unversehens über den Hals kommen, sind ertappt, übermeistert oder sonsten verjagt worden.
Den 6. August ist mit öffentlichem Trommelschlag für des Hrn Markgrafen Administratoris F. Gn. in der Stadt geworben und in kurzer Zeit viel Volks um ein ganz gering Angeld zusammen gebracht, welches dann von allen Orten heftig zugelaufen. Der Hr Administrator hat auch ein Patent im ganzen Erzstifte anschlagen lassen, und ist noch desselben Tages in Person mit der von der Stadt abgetretenen Compagnie und etlichen Reitern und Officieren nach Halle vorgerückt. Wiewohl nun Ihro F. Gn. mit Hülfe der Kothknechte (Salzwürker, Arbeiter in den Salzkothen) und andern Pöbels in der Nacht durch das Salzpförtlein ohne Widerstand in Halle hinein gekommen, haben sich doch die darin liegenden Kaiserlichen aufs Schloß (die Moritzburg) retirirt. Der Hr Administrator hat zwar, durch Beförderung Caspar Steinbeck’s und auf Verwilligung der Bürgerschaft, aus dem Zeughause zu Magdeburg etliche Centner Pulvers, einen Feuermörser und andere Kriegsbereitschaft bekommen, dennoch aber das Schloß so bald nicht gewinnen mögen, bis den 16. August ein Geschrei erschollen, daß die Kaiserlichen stark mit dem Entsatz herannaheten, da der Markgraf mit allen Seinigen in großer Eil aus der Stadt Halle — die Kriegsmunition und Anderes hinter sich lassend — wiederum aufgebrochen und gen Magdeburg wieder gerückt ist. Unterdessen hat des Johann Stalmann ältester Sohn nebst etlichen Reitern des kaiserl. Obristen Stammer’s Kisten und Kasten, so voll Geld und Gold, auf 25,000 Thaler werth, in der Kirche zu Cöthen gestanden, abgefordert und in Ihro Fürstl. Gn. Logiment zu Magdeburg eingeliefert, worauf die Werbungen unter dem Obristen Schneidewein — als der durch diese Occasion aus dem Arrest entgangen und zum Obristen gemacht war — ingleichen unter Obrist Boyen und andern desto besser fortgegangen und das Volk in die Vorstädte Neustadt und Sudenburg und aufs Land, als nach Calbe, Wanzleben, Egeln, Staßfurt, Calvörde u. s. w. verlegt worden. Als aber denen Kaiserlichen dieser Handel gemachsam kund geworden, ist darauf des kaiserlichen Obristen Holckens Regiment zu Roß gegen den Markgrafen commandirt worden, also daß unterschiedliche Scharmützel zu Garmschleben (Germersleben?), Wanzleben, Groß-Ottersleben etc. vorgelaufen, darunter die Markgräfischen mehrentheils die Obhand (Oberhand) behalten.
Den 7. September hat der Obrist Bock, nachdem er zu Querfurt und derer Oerter eine ziemliche Anzahl Volkes beisammen gebracht, das feste Schloß Mansfeld durch eine sonderbare Kriegeslist erobert und zwar folgendergestalt und also: daß er etliche Säcke mit Stroh ausstopfen, auf Wagen legen und darunter Soldaten mit Bandelirröhren sich verstecken lassen. Wie nun die Wagen vor das Schloß gekommen und die Fuhrleute vorgaben, daß sie Getreide vom Kloster bringen und aufschütten sollten, haben die Wacht selbige Wagen eingelassen, darauf die Soldaten von den Wagen gesprungen sind und nachdem sie die Wacht überwältigt und eine Losung gegeben, ist der Bock mit seinem übrigen Volk — weil er allernächst in einem Hölzlein aufgewartet — hervorgesprungen und also das Schloß ohne Verlust einiges Mannes gewonnen worden.
Es hat bei sothaner Beschaffenheit dem Hrn Administrator vornehmlich an Kraut oder Pulver gemangelt, also daß, was etwa bei den Kramern zu bekommen gewesen, nirgendshin klecken (ausreichen) wollen, und obgleich die mehresten des Raths, der Stadt Vorrath anzugreifen, nicht zulassen wollen: so ist es doch von andern, gleich (als ob) solches zu Verhinderung des wohlgemeinten evangelischen Wesens und Ruinirung seiner F. Gn. Person — die noch Alles mit ehesten wohl gedoppelt wieder erstatten wollte — geschehe, ausgedeutet worden. Derowegen man dem Markgrafen zu Defendir- und Besatzung obgenannter Städte und Pässe — zwar in unterschiedlichen malen — auf 100 Centner Pulvers aus der Stadt Magdeburg müssen abfolgen und hinreichen lassen.
Mit welchen allen also der Rath und die ganze Stadt in den Krieg zugleich mit dem Markgrafen eingewickelt und von neuem wiederum mit der kaiserl. Soldatesque zusammen gehetzet gewesen. Und obgleich alle Tage neue Vertröstungen, — bald daß der König in Schweden mit dem Entsatz selber käme, bald die Staaten von Holland, bald ein deutscher Fürst, dann wiederum, daß die Hansastädte bald Volk, bald eine Summe Geldes, bald Kraut und Loth und was dergleichen Mangel vorfallen, schicken wollten, oder daß die kaiserl. Armeen hie und da bis aufs Haupt geschlagen und daher nicht zu fürchten wären — vorgewendet und unter die Bürgerschaft spargiret worden; so sind doch dagegen zuweilen auch andere Zeitungen, daß sich nämlich die Kaiserlichen je mehr und mehr stärken und nach diesen Stiftern ziehen sollten, mitunter einkommen, also daß man sich auf allen Fall vor den Kaiserlichen aller Thätlich- und Feindseligkeiten befürchten müssen und wie lang das Werk in solchem Zustande bleiben möchte, nicht wissen können.
Demnach hat der Rath bei I. F. Gn., dem Hrn Administrator, unterschiedlich erinnern lassen, daß zu desto besserer Proviantirung der Stadt und Festung das Getreide von den Amthäusern und Klöstern möchte hereingeholt und aufgeschüttet werden, wie auch in etwas geschehen. Der mehrer Theil aber ist zurück geblieben, dessen Ursach mag der Obrist Schneidewein gewesen sein, weil er auch die Bauern, so das ihrige in die Stadt geführt, übel angefahren, gleich sie alles aus den Dörfern hinwegschaffen und er mit seinen Soldaten in den Quartieren nichts behalten würden, wiewohl er nachmals die Schuld auf den Markgrafen selbsten geschoben, mit Vorwendung, daß I. F. Gn. das Getreide zu Bestellung der Aemter und Aecker draußen behalten wollen, womit aber auf Seiten des Administrators ein großes versehen, sintemal das Getreide alles den Kaiserlichen zum Besten dadraußen geblieben und nachmals der Fürst und Falckenberg für ihre eigene Tafel das Getreide um Geld von den Bürgern kaufen müssen.