[1] duka = Laden.
Es wird Ernst
Am 15. August 1914 war der Ort Taveta, östlich vom Kilimandscharo auf englischem Gebiet gelegen, von unsern an jener Front operierenden Truppen genommen worden. Nun sollte, durch Büchsels Patrouillenkorps vorbereitet, auch an unserer Front, westlich vom Kilimandscharo, die Offensive beginnen.
In Geraragua erschien zu diesem Zweck Kapitänleutnant Niemeyer auf der Bildfläche. Er erhielt den Befehl der berittenen Geraraguaabteilung; Major Schlobach sollte als Etappenkommandant in Geraragua zurückbleiben. Bald traf auch Hauptmann Tafel mit der 10. Feld-, d. h. Askarikompanie in Geraragua ein und übernahm den Oberbefehl über alle dort versammelten Truppen.
Am Spätnachmittage des 18. September setzte sich Abteilung Tafel, also die 10. Feldkompanie und die berittene Abteilung Geraragua, in Marsch zum Longidogebirge und traf dort am 21. September ein. Geführt von dem Patrouillenkorps Büchsel, ging es am 24. September nach Norden über die Grenze. Der feindliche Posten Kichwa cha tembo an der Magadbahn sollte ausgehoben und die Bahn gesprengt werden. Nach einem Nachtmarsch wurde um sieben Uhr morgens in einem Koongo am Fuße des Ingitoberges haltgemacht, um zwei Stunden zu ruhen.
Nach den mir später in der Gefangenschaft von englischer Seite gemachten Mitteilungen war eine starke englische berittene Patrouille, bestehend aus etwa 66 Buren und Farmern aus Britisch-Ostafrika, schon seit Stunden den Spuren der Abteilung Tafel nachgeritten. Die Marschordnung der letzteren auf schmalem Pfade war: eine berittene Spitze, die Feldkompanie mit Trägern und endlich das Gros der berittenen Abteilung. Dies hatte zur Folge, daß die Spuren unseres Fußvolkes durch Reittierspuren völlig wieder zugedeckt worden waren. Die Engländer glaubten daher, einer unserer gewöhnlichen berittenen Patrouillen gefolgt zu sein. Sie überrannten den aufgestellten Posten und eröffneten auf kurze Entfernung ein überraschendes Feuer auf die ruhenden Deutschen. Im Gebüsch – einige englische Buren saßen sogar in den Bäumen – in guter Deckung gegen Sicht, hatte der Feind die Situation zuerst völlig in der Hand, und die schweren Verluste auf unserer Seite ereigneten sich in der Hauptsache zu Anfang dieses überraschenden Überfalles, bei dem es Kugeln regnete, ohne daß ein Feind zu sehen war. Dies dauerte aber nicht lange. Die Feldkompanie, auf deren Anwesenheit der Feind nicht vorbereitet war, entwickelte sich schnell, ließ die beiden Maschinengewehre spielen und nahm unmittelbar darauf den Feind mit dem Bajonett in der Flanke an. Gleichzeitig gingen unsere Europäer frontal sprungweise vor.
Unsere Askari im Bajonettangriff, das ist so ’ne Sache. Was vom Feinde noch laufen konnte, lief. Von den 86 Feinden sind nur 14 unverwundet aus dem Gefecht herausgekommen, und die englischen Buren in Britisch-Ostafrika wollten seitdem vom Kriege an der Front nie wieder recht was wissen. Der Feind ließ außer vielen toten auch 26 lebendige Reittiere mit guten Ausrüstungen auf dem Gefechtsfelde zurück und trug dadurch zur besseren Berittenmachung und Equipierung unserer Abteilung bei.
Aber auch bei uns waren die Verluste sehr schwer. Kossel, der lustige junge Mecklenburger, der Unternehmer Rotbletz, der Lehrer Breitkreuz sowie die Farmer Hartmann und Grötzinger hatten ihr junges Leben hier lassen müssen, 6 andere waren, zum Teil schwer, verwundet. Bei 40 berittenen Europäern: Verlustziffer also 25 Prozent. Auch die Feldkompanie hatte schwer gelitten. Der Liebling aller, Leutnant Walde, war am Maschinengewehr gefallen, der tapfere Hauptmann Tafel schwer verwundet; auch Feldwebel Nickel und der Unteroffizier Mieth waren verwundet. 12 Askari waren tot und 18 verwundet. Auch viele Träger waren tot, verwundet oder ausgerissen. An die Verfolgung des Feindes konnte nicht gedacht werden.
Die Feuertaufe war bestanden. Der Todesengel hatte gewürgt, und schwer, bleischwer lastete plötzlich der ganze Ernst des Krieges auf den Gemütern der sonst so fröhlichen Gesellen. Es dauerte Tage, ehe sie dieser Beklemmung ganz Herr wurden.