Das Longidogebirge wurde von der 10. Feldkompanie und der berittenen Abteilung Geraragua besetzt gehalten. Das Kommando führte zuerst Hauptmann Richter, dann Hauptmann Kraut, mit dem auch noch die 11. und 21. Feldkompanie dort eintrafen.

Der Geburtstag der Berittenen 9. Schützenkompanie

Nunmehr habe ich von einem auch für die Leser wichtigen kriegsgeschichtlichem Datum erster Ordnung zu vermelden: dem 20. Oktober 1914. Er ist der Stiftungstag der Elitetruppe, der ich anzugehören die Ehre hatte und von der ich fortan erzählen werde, bis zu ihrem Todesritt am 27. Juli 1916, an dem sie im Feuerüberfall und Handgemenge bei Meia-Meia aufgerieben wurde.

An jenem Tage wurden die Mannschaften mehrerer Einzelposten sowie das Patrouillenkorps Büchsel mit der berittenen Abteilung Geraragua zusammengeschlossen zur »Berittenen 9. Schützenkompanie«. Man darf sich durch die Zahl »Neunte« nicht irreführen lassen – in Wirklichkeit war sie die erste und zunächst einzige berittene; das »Neunte« erklärt sich daher, daß alle aus Europäern gebildeten Truppenteile zum Unterschied von den Askari- oder Feldkompanien als Schützenkompanien bezeichnet wurden. So ist jener Stiftungstag der »Neunten« zugleich der Gründungstag der deutsch-ostafrikanischen Kavallerie überhaupt, und diese ist hervorgegangen aus unserer Farmerabteilung Geraragua, die mit ihren paar Reittieren begann. Erst später erhielt die »Neunte« Konkurrenz in der »Berittenen Achten«, mit der wir die stolze afrikanische Kavallerie»brigade« bildeten. Natürlich hat die »Achte«, die wir »die Fliegenden Hunde« nannten, nie an die »Neunte« herangereicht.

Damit sich aber der Leser nicht etwa übertriebene Vorstellungen von unserer »Brigade« macht, möchte ich doch noch hinzufügen, daß die größte Anzahl von Europäern, die die »Neunte« in ihrer Glanzzeit auf dem Papiere hatte, einige siebzig betrug. Ihre größte Gefechtsstärke bestand Mitte 1915, einschließlich der inzwischen dazugekommenen Askari, aus 56 Gewehren. An solchen Zahlen sind ihre Taten zu messen.

Das Verzeichnis, das ich mir von allen Europäern, die meiner Kompanie im Laufe der zwei Jahre ihres Bestehens angehörten, angelegt habe, weist 75 Namen auf. Als unser Oberst am 15. November 1918 den Waffenstillstand für Afrika abschloß, waren von den 75 nur noch Hauptmann Meyer, die Unteroffiziere Obst und Truppel und Piet Nievenhuizen dabei.

Kriegssafari zum Urwaldposten Olmolog

Wenn die Zeit der Siege und der militärischen Erfolge, und nicht etwa die spätere Zeit des zähen, hartnäckigen Widerstandes unter nie dagewesenen Strapazen und Entbehrungen, als die »große« zu bezeichnen ist, dann kam jetzt die größte, die glorreichste Zeit des Krieges in Deutsch-Ostafrika, von der wir noch lange nachher zehrten. An drei Fronten griffen die Engländer, die ungeheure Verstärkungen an Truppen und Material von Indien herbeigeschafft hatten, gleichzeitig mit weit überlegenen Massen an, und überall wurden sie abgeschlagen.

An dem gleichen Tage, dem 3. November 1914, an dem die Schlacht bei Tanga, die uns unsterblichen Ruhm und enorme Beute brachte, begann, an dem die Engländer bei Taveta einen Scheinangriff machten, den ein Zug Askari aufhielt, saßen plötzlich am frühen Morgen 2000 Engländer und Inder auf dem Nordostkamm des Longidogebirges und um acht Uhr bestreuten ihre Schrapnells bereits die deutschen Stellungen auf dem Südwestkamm des Gebirges. Bis neun Uhr abends dauerte das Gefecht, dann zog sich der Feind zum Erok zurück. Der schneidige Hauptmann Stemmermann hatte ihn mit seiner 11. Askarikompanie am Spätnachmittag in der Flanke mit Erfolg angegriffen und seine Siegeszuversicht gründlich erschüttert.

Obwohl der Angriff des Feindes abgeschlagen war, wurde doch das Longidogebirge wenige Tage nach dem Gefecht von unsern Truppen geräumt. Am Nachmittag des 11. November und die ganze folgende Nacht hindurch bezogen die drei Feldkompanien und die Berittene 9. Schützenkompanie mit ihren Bagageträgerkolonnen Lager unterhalb des Krantzhügels zu beiden Seiten des Engare Nairobi.