Hochwürdiger Herr Decan!
Wenn es erlaubt ist mit Ihne zu rede, bitte wir Ihne um Entschuldigung, daß wir Ihne lästig falle müsse, aber mit uns Herrn Pfarrer ist gar kein Auskomme meh. Er ist mit eim Wort wüthend und gleicht gar keim Mensch meh. Am Sonntag kam er in die Kirch und hat so die Thür hinter sich zugeschlage, daß nervenschwache Weiber und Greise fast ohnmächtig geworde wärn und hat sich geberdt auf der Kanzel, als wenn er besoff wär und geschimft und räsonnirt, daß uns Gemein ein ganz schlechte Nam kriegt von dene fremde Leut, die auch drin warn. Er kümmert sich um alle Angelegenheiten, die ihn nix angehn und stift Streit unter die Familien und hetzt die Leut hintereinander. Wenn er einmal ein Buckel voll Schläg bekäm, dafür könnt mir nix. Wenn uns Dorf in Unzucht und Schlechtigkeit fällt, daran ist er allein schuld. Im ganze Dorf schwätzt man davon, daß ers mit eim schlechte Mädche hätt. Wie soll denn nun die Jugend sein, wenn der Pfarrer so ist. Uns ganz Dorf kömmt noch durch so ein Pfarrer in Verruf. Wir möchte Herrn hochwürdigste Decan unterthänigst gebeten habe, ihn gerad wegzusetze. Es könnt möglich sein, daß er sich in einer andern Gemeine besser aufführt. Wir wolle an seim Unglück nicht schuld sein, darum solle Sie ihn nicht absetze. In großer Unterthänigkeit grüßt
der Kirchenvorstand:
Adam Koch, Bürgermeister,
Jakob Mauser, Kirchenvorsteher,
Philipp Schwalb, "
Ich hatte kaum das Schreiben gelesen, da kam der Anton Scheppler zur Thüre hereingestürzt:
»Sie sind fort, Herr Pfarrer!« –
»Wer ist fort?«
»Der alte Fink und die Mädchen.«
»Auch die Babette Heimerdinger?«