Sie war aber feuerroth bei diesen Worten geworden und wendete sich ein wenig nach der andern Seite. Es war also nicht Alles richtig. Sie hatte Etwas zu verbergen.

»Gebrauchen Sie einen Arzt?«

»Nein.«

»Warum nicht?«

»Sie wissen, wir armen Leute schicken nicht gleich zum Doctor und in die Apotheke, wir können schon einen Stoß vertragen. Doch wenn mein Mann heimkommt, soll er gleich nach einem gehen. Die Schmerzen sind nicht gut zu ertragen und es ist Alles geschwollen.«

»Versäumen Sie es ja nicht! Sie haben schon zu lange gewartet. Sie können dadurch an Ihrem Tode schuldig sein.«

Sie war noch bleicher geworden. Ihre Schmerzen schienen furchtbar zu sein. Aber die größten Schmerzen konnten ihr das Geheimniß nicht auspressen. Sie hatte sogar noch Geistesgegenwart genug, sich nicht durch ein einziges Wort zu verrathen. Als sie sich wieder etwas erholt hatte, bemerkte ich darum, um sie noch stärker anzugreifen:

»Denken Sie auch an Babette?«

»Herr Pfarrer, die macht mir mehr Schmerzen, als meine Wunde. Wir haben gestern Morgen einen Brief von ihr bekommen. Sie schreibt nicht gut.«