Und Du, Konrad, wenn ein Wort über Deine Lippen kommt, schlage ich Dir die Axt auf den Kopf, so gewiß ich Heimerdinger heiße!« –

Der Knabe war durch sein Erzählen und mein ständiges Fragen so ermüdet, daß er dringend der Ruhe bedurfte und da auch alles Weitere von keinem besonderen Belange war, überließ ich ihn ganz seinem weiten Federbette.

Ich aber setzte sofort die Hauptsache des eben Gehörten zu einem Bericht zusammen und schickte damit direkt einen Knecht an's Amt. Schon gegen Abend desselben Tages kam eine Untersuchungscommission in's Dorf, von zwei Gensdarmen begleitet. Des Mörders Haus fanden sie jedoch verschlossen. Dieser war seit der Todesstunde seiner Frau nicht mehr nüchtern geworden; bei Tage trieb er sich in den Branntweinkneipen der Umgegend umher und erst spät in der Nacht kehrte er in fast bewustlosem Zustande heim. So wurde die Hausthüre erbrochen. Die Section ergab, daß die Wunde nicht durch einen Nagel, sondern nur durch ein scharfes, schneidiges Instrument könne bewerkstelligt sein. Das Messer fand sich nach kurzem Suchen im Holzschoppen. Und nun erstand auch noch im Nachbar ein wesentlicher Zeuge, da er den Heimerdinger mit Axt, Messer und Flasche hatte heimgehen sehen und den Schrei der Frau und den Ruf »Mörder! Mörder!« gehört hatte. Er war auch an's Haus geeilt, als er aber die Thüre verschlossen fand und er seinen Nachbar in der Trunkenheit fürchtete, hatte er sich wieder zurückgezogen. Es wurden noch außerdem die halbe Nacht Zeugen verhört. Die zwei Gensdarmen saßen während dessen in dem dunklen Haus und warteten auf die Heimkehr des trunkenen Schneiders. Sie mußten lange vergeblich warten. Endlich kam er. Er hatte so weit die Erinnerung an seine ganze Situation durch Branntwein hinuntergespült, daß er mit lauter Stimme sang. Doch mag er etwas überrascht gewesen sein, als er nun plötzlich verhaftet und gefesselt wurde. Den Rest der Nacht mußte er in Fesseln neben der Leiche sitzen. Auch des andern Morgens wurde er nicht gleich abgeführt, da das Zeugenverhör noch immer andauerte, und so traf es sich, daß er gerade von den zwei Gensdarmen aus dem Dorfe hinaustransportirt wurde, als man seine gemordete Frau im Sarge hinaustrug. Wie mag ihm das Grablied, das er noch hörte, in den Ohren geklungen haben.


IX.
Das Ende.

Eines Nachmittags kam die alte Balzerswäs ganz verstört in mein Zimmer.

»Der Himmel erbarme sich einer alten Wittfrau! Wie schwer wird man heimgesucht! Denken Sie, mein Ernst ist fort, ist der Babett nach, dem verfluchten Mensch!«

»Was sagen Sie, der Ernst ist fort! ist nach Californien?« rief ich ganz verwundert.

»Ach Gott, das viele, viele Geld!«