| [127] Ces sount les Leis et les Custumes, que li Reis William grauntat a tut le puple de Engleterre apres le Conquest de la terre. Ice les meismes, que li Reis Edward sun cosin tint devant lui. Co est a saveir: | Dieses sind die gesetze und gewohnheiten, welche der könig William dem ganzen volke von England gewährte nach der eroberung des landes. Es sind die nämlichen, welche der könig Edward, sein vetter, vor ihm hielt. Nämlich: |
| 1. Pais a saint Yglise; de quel forfait, que home out fait en cel tens, e il pout venir a sainte Yglise, out pais de vie e de membre. | 1. Friede der heiligen kirche; welch verbrechen nur immer jemand in dieser zeit begangen hat, und er kann in eine heilige kirche kommen, habe frieden des lebens und der glieder. |
| E se alquons meist main en celui, qui la mere Yglise requireit, se ceo fust u Evesque u Abbeie u Yglise de religion, rendist ceo, que il i avereit pris, e cent solz de forfait, e de mere Yglise de Paroisse XX solz, e de Chapelle X solz. | Und wenn jemand hand an den legt, welcher die mutter kirche aufsuchte, wenn es eine bischöfliche kathedrale, oder eine abtei, oder eine kirche von religiosen ist, gebe er zurück, was er dort genommen hatte und hundert sous busse, und bei einer mutter-pfarr-kirche 20 sous, und bei einer kapelle 10 sous. |
| E qui enfraint la pais le Rei en Merchene Lae, cent solz les amendes. Altresi de hemfare[128] e de aweit purpenset. | Und wer den frieden des königs bricht, nach mercischem gesetz hundert sous die busse. Ebenso bei heimsuchung und vorbedachtem überfall. |
| 26. De murdre. Ki freceis occist e les homes del hundred nel prengent e amenent a la justise dedenz les oit jours pur mustrer pur qui il l’a fait, sin rendrunt le murdre XLVII marc. | 26. Vom mord. Wer einen Franken tödtet, und die männer der hundertschaft ergreifen und führen ihn nicht vor gericht innerhalb acht tagen, um zu zeigen, wer es gethan hat, sollen sie den mord mit 47 mark sühnen. |
Die orthographie, also wahrscheinlich auch die aussprache des Französischen, wie es in den gesetzen Wilhelm’s erscheint, war höchst unsicher. O, u, ou schwanken (seignor, seignur, seignour), ebenso oi und ei (roi, rei, saveir); ch, c, j wechseln (chascun, cascun, polcier, pochier, jose, chose); gu ist mit w vertauscht (guarant, warant, guage, wage), qu mit k und c (qui, ki, kar, queur); für s findet sich z (liveres, liverez, launces, launcez) u. s. w. Der artikel wird li, le, lui, in der zusammenziehung mit de bald du, bald del, mit a aber immer al geschrieben; die persönlichen pronomina lauten io, il, ele, nous, nus, le, lui, li, se, sei, eus, els; die conjugationen unterscheiden sich deutlich durch ihre endung 1) er: doner, trover, amener, 2) ir: venir, partir, 3) eir (oir, er): saveir, savoir, aveir, aver, 4) re: occire, nuire. Das part. præs. endet auf ant oder aunt (jatant, conusaunt), das part. pass. der ersten conjugation auf et, ed, e (blamet, apeled, juge), ebenso die 3. p. sing. præs. (truvet, apeled, passe), das imp. auf at oder ad (grauntat, achetad), das fut. auf t, d, a (aurat, aurad, serra), das subj. pr. auf ied und ie (s’en escondied, s’en escondie).[129]
Das Normännisch- Französische. Als die Normannen nach England kamen, war zwar erst ein und ein halbes jahrhundert seit ihrer niederlassung in Frankreich verflossen, allein sie hatten ihre nordische sprache längst vergessen und diejenige angenommen, welche das von ihnen besiegte volk sprach, nämlich jenes entartete Latein, welches man lingua Romana, langue Romane nannte, und aus welcher sprache das spätere Französisch sich gebildet hat. Schon der zweite normannenherzog Wilhelm I., nachfolger Rollo’s, musste, wie Dudo de St. Quentin (lib. III, p. 112) erzählt, seinen sohn nach Bayeux senden, um dort Dänisch zu lernen, indem die langue Romane zu Rouen, wo der sitz der normannischen herrschaft war, fast ausschliesslich gesprochen wurde. Daher ist auch, was von der literatur der Normannen in Frankreich und England bekannt geworden ist, nur in der lingua Romana geschrieben; jedoch fallen die ältesten bekannten sprachdenkmale der Normannen in England, vielleicht mit ausnahme der gesetzgebung, erst in den anfang des 12. jahrhunderts.
Entartung des Angelsächsischen. Unterdessen ward das Angelsächsische durch den hass des volkes gegen seine fremden dränger erhalten und fortwährend, ja in den niederen schichten der eingeborenen bevölkerung, wahrscheinlich mit geringen ausnahmen, ausschliesslich gesprochen. Es erfuhr dadurch, dass die gebildeteren und höheren stände des landes sich nicht die mühe gaben, dasselbe zu lernen oder als schriftsprache veredelt fest zu halten, ausserordentliche veränderungen, nicht bloss durch allmäliges eindrängen französischer worte, sondern noch vielmehr durch die vernachlässigung der ableitungs- und beugungsendungen und das aufgeben seines grammatischen baues. Noch schlimmer erging es der alten sächsischen sprache, als nach einigen generationen sieger und besiegte sich mehr mischten und zu einem volke zu verschmelzen begannen. Jetzt musste die sprache des volkes, das bereits verstümmelte Angelsächsische, als mittel des verkehrs und der gegenseitigen verständigung dienen, wodurch seine umwandlung in das spätere Norman-Saxon oder Englisch beschleunigt wurde. Es war natürlich, dass der sieger nur so viel von der sprache des besiegten volkes lernen wollte, als er nothdürftig brauchte, um sich verständlich zu machen; er lernte daher zwar allmälig den wortschatz der sprache, nicht aber deren grammatik kennen, welche er vielmehr von seiner eigenen sprache auf die zu erlernende übertrug. Die verwickelten formen und veränderlichen endungen des Angelsächsischen liess der Normann unberücksichtigt, da sie ihm bei der auffassung der sprache als eines mittels zur verständigung nur hinderlich waren. Aber auch die besiegten mussten es nöthig finden, ihre sprache zu verstümmeln, um sich verständlich zu machen, da die Normannen nicht besondere lust haben mochten, auf die unterschiede der endungen zu achten, und schnelles verständniss der hauptzweck ihrer gespräche sein musste. Dieser ist am leichtesten zu erreichen, wenn man zu einem fremden nur in einfachen, wenig verbundenen worten spricht: der infinitiv der zeitwörter, der nominativ bei den hauptwörtern, die stammform bei den eigenschaftswörtern sind hierzu ausreichend.
Abschwächung der Endungen. Besonders zeichnet sich die übergangszeit der halbsächsischen periode durch die neigung der wörter aus, die endsylben der deklination und conjugation zu kürzen oder abzuwerfen: ylc für ylce, sone für sunu, name für nama, dages für dagas, hwilon, hwilen für hwilum; cumme für cuman, nemne für nemnan; gehote für gehaten; lufian, lufien für lufienne oder lufigenne; clepen für cylpiað. Schon früh verwandelt sich das augmentative ge- vor dem part. perf. in ein y- oder i- z. b. i-hote für gehaten. In der deklination zeigt sich eine vermischung der starken und schwachen formen: munucan für munucas, steorres für steorran; bald hört bei der pluralisation jede rücksicht auf geschlecht oder deklination ganz auf, indem das einfache -s in übereinstimmung mit dem Französischen die mehrfache zahl der hauptwörter bezeichnet. Von den alten beugungssylben der deklinationen erhalten sich das -s im genitiv, -e im dativ und zuweilen ein -n im accusativ sing. für alle deklinationen und geschlechter, während der plural der substantiva und adjectiva ausser dem -s allmälig alle beugungssylben der casus abwarf. Die präpositionen of und to, welche schon im Angelsächsischen zur grammatischen bildung abhängiger casus angewendet worden waren, bewirken jetzt die vollständige abwerfung der casusendung, wenn sie vor den hauptwörtern stehen. Bei grösserer abschwächung der sprache verliert sich auch das -n des infinitivs, der gebrauch mancher starken formen des verbs im imperf. und part. praet., endlich auch die anwendung der artikel se, seo, þæt, wofür þe, the, gesetzt wird. Auffallend ist gegen ende des zwölften und im ganzen dreizehnten jahrhundert der gebrauch des wortes me (wahrscheinlich eine abkürzung von men oder man) in der bedeutung des deutschen wortes man. Beispiele finden sich schon in der Sachsenchronik. Am längsten halten sich die alten formen bei dem pronomen und pronominal adjectivum: þan, þonne, þære, þam, heo, heora, hem, min, þin etc. Auch bei dem worte beon, sein, verschwinden die alten formen sehr allmälig; noch sagte man ben und beeth für sind und sindon; mehrere derselben haben sich bis auf den heutigen tag erhalten. Im allgemeinen ist schon gegen ende des elften und im folgenden jahrhundert das bestreben der sprache zu bemerken, die vollen vokale mit leichteren zu vertauschen und die endsylben der wörter zu verkürzen; so findet man in den letzten jahren der Sachsenchronik schon kyng für cyning, biscopes für bisceopas, dohter für dohtor, sweren für swerian; bute für butan, lihtede für lihtedon, u. s. w.
Semi-Saxon. Das zwölfte jahrhundert war die zeit, wo die veränderung des alten Angelsächsischen am schnellsten ging. Die wenigen literarischen produkte dieser zeit, welche man auch mit dem namen der Halbsächsischen (Semi-Saxon) bezeichnet,—die letzten aufzeichnungen der Sachsenchronik, die sprichwörter Alfred’s in halbsächsischen versen, welche von Ailred de Rievaux im anfange des zwölften jahrhunderts (die beiden vorhandenen manusc. sind aus dem 13. sec.)[130] erwähnt werden, ein Bestiarium (wörtliche übersetzung aus dem lateinischen Physiologus von Theobald) aus derselben zeit,[131] ein gespräch zwischen leib und seele, eine modernisirte grammatik von Alfric (Ms. aus dem 12. sec.), eine übersetzung der nonnenordnung (Rule of Nuns) von Simon de Ghenf in mehreren manuscripten,[132] einige predigtsammlungen,[133] dann die grösseren werke von Layamon und Orm nebst dem gedichte von der eule und der nachtigall von Nicholas de Guildford—bilden den übergang zu der englischen (Norman-Saxon oder Anglo-Norman) literatur des dreizehnten und vierzehnten jahrhunderts. Zur vergleichung mögen folgende sprachproben hier eingeschaltet werden:
Sprachprobe aus der Sachsenchronik.
Aus der Sächsischen Chronik. (Ausgabe von Gibson.)
| An. MCXXXV. On þis gere for se king Henri ofer sæ æt te Lammasse. and þæt oðer dei. þa he lai an slep in scip. þa þestrede þe dæi ouer all landes. and uuard þe sunne swilc als it uuare þre-niht-ald mone. an sterres abuten him at middæi. | A. 1135. In diesem jahre fuhr der könig Heinrich über see zur lammmesse (festus primitiarum), und am zweiten tage, da er im schiffe schlief, da verfinsterte sich der tag über alle lande und ward die sonne so als wenn sie ein drei nächte alter mond wäre, und sterne um sie zu mittage. |
| Wurðen men swiðe ofwundred and ofdred. and sæden þæt micel þing sculde cumme her efter. swa dide. for þæt ilc gær warð þe king ded. þæt oðer dæi efter S. Andreas massedæi on Normandi. Ða wes tre sona þæs landes. for æuric man sone ræuede oðer þe mihte. | Da wurden die menschen sehr verwundert und erschreckt und sagten, dass ein grosses ding hierauf kommen würde; und so geschah es, denn dasselbe jahr ward der könig todt den anderen tag nach St. Andreas messetag in der Normandie. Da war alsbald störung des landes, denn jedermann, der konnte, beraubte bald den andern. |
| Ða namen his sune and his frend and brohten his lic to Engleland. and bebiriend in Reding. God man he wes. and micel æie wes of him. Durste nan man misdon wið oðer on his time. Pais he makede men and dær. Wua sua bare his byrðen gold and silure. durste nan man sei to him naht bute god. | Da nahmen seine söhne und seine freunde und brachten seinen leichnam nach England und begruben ihn in Reding. Er war ein guter mann und viel furcht war vor ihm; niemand durfte unrecht zufügen einem andern zu seiner zeit. Frieden machte er menschen und thieren. Wenn jemand seine last gold oder silber trug, so durfte niemand ihm etwas sagen ausser gutes. |
| An. MCXXXVII. Ða þe king Stephne to Engla-land com. þa macod he his gadering æt Oxene-ford. and þar he nam þe biscop Roger of Seres-beri. and Alexander biscop of Lincoln. and te Canceler Roger hise neues, and dide ælle in prisun. til hi jafen up here castles. Da þe | A. 1137. Da der könig Stephan nach England kam, hielt er seine versammlung zu Oxford und nahm da den bischof Roger von Seresberie und Alexander bischof von Lincoln und den kanzler Roger, seinen neffen, und warf alle in das gefängniss, bis sie ihre schlösser übergaben. |
| suikes undergælon þæt he milde man was and softe and god. and na justice ne dide. þa diden hi alle wunder. Hi hadden him manred maked and aðes suoren. ac hi nan treuðe ne heolden. alle he wæron forsworen. and here treoðes forloren. for æuric rice man his castles makede and aganes him heolden. and fylden þe land full of castles. | Da die verräther merkten, dass er ein milder mann war, und sanft und gut, und keine gerechtigkeit vollzog, da wunderten sie sich alle. Sie hatten ihm gehuldigt und eide geschworen, aber sie hielten keine treue; sie waren alle meineidig und ihres glaubens verlustig. Denn ein jeder reiche mann baute seine schlösser, und sie behaupteten sie gegen ihn; und füllten das land voll schlösser. |
| Hi suencten suiðe þe wrecce men of þe land mid castel-weorces. þa þe castles waren maked. þa fylden hi mid deoules and yuele men. Ða namen hi þa onen þe hi wenden þæt ani god hefden. baðe be nihtes and be dæies. carl-men and wimmen. and diden heom in prisun efter gold and syluer. and pined heom untellendlice pining. for ne wæren næure nan martyrs swa pined alse hi wæron. | Sie plagten sehr die unglücklichen menschen des landes mit schlösserbauen, und als die schlösser fertig waren, da füllten sie sie mit teufeln und bösen menschen. Da nahmen sie diejenigen menschen, von denen sie wähnten, dass sie einiges gut hätten sowohl bei tage als bei nacht, männer und weiber, und warfen sie in das gefängniss nach gold und silber, und quälten sie mit unbeschreiblicher qual, denn kein märtyrer wurde so gequält, als sie es waren. |
| Me henged up bi þe fet and smoked heom mid ful smoke. me henged bi þe þumbes. oðer bi þe hefed. and hengen bryniges on her fet. Me dide cnotted strenges abuton here hæued. and uuryðen to þæt it gæde to þe hærnes. | Man hängte sie auf bei den füssen und räucherte sie mit dickem rauche; man hängte sie auf bei den daumen, oder bei dem kopfe, und hängte brände an ihre füsse. Man legte knotige stränge um ihr haupt und würgte sie so, dass es an das gehirn ging. |
| Hi diden heom in quarterne þar nadres and snakes and pades wæron inne. and drapen heom swa. Sume hi diden in crucet-hus. þæt is in an ceste þæt was scort and nareu. and undep. and dide scærfe stanes her inne. and hwengde þe man þær inne. þæt hi bræcon alle þe limes. Etc. | Sie warfen sie in gefängnisse, in welchen nattern und schlangen und kröten waren, und quälten sie so zu tode. Einige thaten sie in das marterhans, das ist in einen kasten, der kurz und eng war und nicht tief, und steckten scharfe steine hinein und quälten die menschen darin, dass sie brachen alle die glieder. u. s. w. |
| An. MCLIV. On þis yær wærd þe king Stephen ded, and bebyried þere his wif and his sune wæron bebyried æt Tauresfeld. þæt ministre hi makiden. þa þe king was ded, þa was þe eorl beionde sæ. And ne durste nan man don oþer bute god for þe micel eie of him. þa he to Engleland come, þa was he underfangen mid micel wortscipe, and to king bletcæd in Lundine, on þe Sunnendæi beforen mid-winter-dæi. | A. 1154. In diesem jähre ward der könig Stephan todt und begraben, we sein weib und seine söhne begraben waren, zu Tauresfeld. Dieses Münster machten sie. Als der könig todt war, da war der Earl über see. Und niemand wagte etwas zu thun, als gutes, wegen der grossen furcht vor ihm. Als er nach England kam, da ward er empfangen mit grosser verehrung und in London zum könig geweiht am sonntage vor mittwintertag. |
Diese stellen aus den letzten jahren der Sachsenchronik zeigen bereits eine stark veränderte grammatik und orthographie des Angelsächsischen, so wie einige französische wörter: castles, prisun, justice, martyrs, quarterne (carcer), ceste.