| Cambridger Handschrift. | Oxforder Handschrift.[134] | |
| At Siforde setin kinhis monie, fele biscopis, and fele booc-lerede herles prude and cnites egleche. | At Sévorde séte theynes monye fele biscopes, and feole bok i-lered, eorles prute, knytes egleche. | Zu Siford sassen viele thanen, viele bischöfe und viele buchgelehrte, stolze grafen und ritter desgleichen. |
| þer was erl Alfred of þe lawe suiþe wis, and heke Alfred, Englene herde, Englene derling; in Enkelonde he was king. | Thar wes the eorl Alvrich of thare lawe swithe wis, and ek Ealvred, Englene hurde, Englene durlyng; on Englene londe he wes kyng. | Da war Graf Alfred, des gesetzes wohlerfahren, und auch Alfred, England’s hirt, England’s liebling; in England war er könig. |
| hem he gon lerin, so we mugen i-herin, whu we gure lif lede sulin. Alfred he was in Enkelonde a king, wel swiþe strong and lufsum þing. | Heom he bi-gon lere, so ye mawe i-hure, hw hi heore lif lede scholden. Alvred he wes in Englene lond and king wel swithe strong; | Sie begann er zu lehren, so ihr mögt hören, wie sie sollten ihr leben führen. Alfred, er war in England und könig wohl sehr stark; |
| He was king and cleric, ful wel he lovede Godis werc; he was wis on his word, and war on his werke; he was þe wisiste mon þad was in Engelonde on. | he wes king and he was clerek, wel he luvede Godes werk; he wes wis on his word, and war on his werke; he wes the wysuste mon that wes Engle londe on. | er war könig und gelehrter, gar wohl liebte er Gottes werk; er war weise in seinem wort und klug in seinem werke; er war der weiseste mann, der in England (darin) war. |
Normännische Sänger und Dichter. Schon vor dem einfalle der Normannen in England hatte sich die lingua Romana auf dem gebiete der literatur und poesie versucht, und die normännischen jongleurs (joculatores) dichter und sänger (trouvères) waren kaum weniger berühmt als die der Provence. Einer derselben, Taillefer, war der normännische Tyrtaeus in der schlacht bei Hastings und zugleich der erste ritter, welcher in die sächsische schlachtreihe einbrach. Die politischen verhältnisse England’s nach der eroberung brachten es mit sich, dass die bedeutendsten schriftsteller der beiden auf die besetzung England’s folgenden jahrhunderte Normannen waren, welche zum theil nicht einmal England ihr vaterland nennen konnten. Die normännisch-französische poesie in England tritt zuerst mit kirchlichen stoffen auf und scheint in Alice von Louvaine, gemahlin Heinrich’s I., eine grosse beförderin gefunden zu haben. Ihr ist das versificirte Bestiarium des Philipp de Thaun und die gereimte legende des heiligen Brandan, deren ungenannter autor wahrscheinlich ein benedictinermönch war, gewidmet. Der anfang dieses letzteren gedichtes möge hier als eine sprachprobe der ältesten anglo-normännischen reimer eine stelle finden:
|
[135]Donna Aaliz la
reine, Par qui valdrat lei divine, Par qui creistrat lei de terre E remandrat tante guerre Por les armes Henri lu rei, | Frau Alice, die königin, durch welche das göttliche gesetz sich kräftigen wird, durch welche das gesetz des landes wachsen und aufhören wird solcher krieg, durch die waffen Heinrich’s des königs |
|
E par le cunseil qui ert en tei, Salvet tei mil e mil feiz Li apostoiles danz Benediz. Que comandas, ço ad enpris En letre mis e en Romanz, E si cum fud li teons cumanz, De saint Brendan le bon abeth. | und durch den rath, welcher sein wird in dir, es grüssen (?) dich tausend und tausend mal die (?) apostel im Benedict (?) Was du befahlst, das habe ich unternommen in schrift gesetzt und in Romanze und so, wie es dein befehl war, (das leben) vom heiligen Brendan, dem guten abt. |
Hieran möge sich als eine probe anglo-normännischer prosa aus etwas späterer zeit die übersetzung des ersten psalms anschliessen:
Anglo-normännische Psalmenübersetzung.
| [136]Beonuré barun chi ne alat el cunseil des feluns, et en la veie des pecheurs ne stout, et en la chaere de pestilence ne sist. | [137]Bienheureux est l’homme qui ne marche point selon le conseil des méchants, et qui ne s’arrête point dans la voie des pécheurs, et qui ne s’assied point au bank des moqueurs; |
| Mais en la lei de nostre seignor la volunted, e en la sue lei purpenserat par jurn e par nuit. | mais qui prend plaisir en la loi de l’Eternel, et qui médite jour et nuit en sa loi: |
| E iert ensement cume le fust qued et de juste les decurs des ewes, ki dunrat sun froit en son tens. | car il sera comme un arbre planté près des ruisseaux d’eaux, qui rend son fruit en sa saison, |
| E sa fuille ne decurrat, e tutes les coses que il unques ferad serunt fait prospres. | et duquel le feuillage ne se flétrit point; et ainsi tout ce qu’il fera, prospérera. |
| Nient eissi li felun, nient eissi, mais ensement cume la puldre que li venz geted de la face de terre. | Il n’en sera point ainsi des méchants; mais ils seront comme la balle que le vent chasse au loin. |
| En pur iço ne surdent li felun, en juise, ne li pecheor el conseil des dreituriers. | C’est pourquoi les méchants ne subsisteront point en jugement, ni les pécheurs dans l’assemblée des justes. |
| Kar nostre sire cunuist la veie des justes, e l’eire des feluns perirat. | Car l’Eternel connaît la voie des justes; mais la voie des méchants périra. |
Ph. de Thaun. Turold. G. Gaimar. Wace. Geoffrey von Monmouth. Philippe de Thaun, verfasser von zwei abhandlungen in versen über astronomie und symbolische zoologie,[138] Turold, verfasser des schönen romans Roland,[139] Samson de Nanteuil, welcher die sprüche Salomon’s in französische verse übersetzte,[140] Geoffroi Gaimar, verfasser einer chronik der angelsächsischen könige,[141] und David, ein bedeutender Trouvère, dessen werke aber verloren sind, waren die bekanntesten vorgänger eines normännischen schriftstellers von noch grösserer berühmtheit und bedeutung besonders für die spätere englische literatur, namens Maistre Wace aus Jersey. Um das jahr 1160 schrieb Wace in französischer sprache ein episches heldengedicht Li Romans de Brut, oder Le Brut d’Angleterre.[142] Der hauptheld des gedichtes ist Brutus, ein fingirter sohn des Trojaners Aeneas; von diesem Brutus wird viele jahrhunderte vor der christlichen zeitrechnung das britannische reich gegründet. Wace schöpfte seinen Brutus aus einer im guten ernst geschriebenen geschichte, welche einige jahre vorher Geoffrey von Monmouth, ein mönk, in lateinischer sprache geschrieben hatte,[143] und worin dieser die brittische geschichte durch eine lange reihe fingirter könige von Cadwallader, welcher im jahre 689 der christlichen zeitrechnung gelebt haben soll, bis auf Brutus, den sohn des Aeneas, hinaufführte.
Diese geschichte ist wegen ihres ursprunges und durch ihren einfluss auf die spätere englische literatur ein interessantes werk geworden. Die Britten von Wales, Cornwall und in der Bretagne besassen zu jener zeit in einer grossen menge von volksthümlichen legenden und fabelhaften sagen eine art von überlieferter geschichte, wie sie sich noch in späterer zeit bei den stammverwandten Schotten fand. Aus dieser brittischen quelle romantischer geschichte im äussersten westen Europa’s haben die benachbarten völker reichlich geschöpft. Walter Calenius, archidiaconus von Oxford, sammelte einige jener sagen von geschichtlicher färbung und theilte sie dem mönche Geoffrey mit, welcher sie ordnete und in der gestalt einer wirklichen geschichte veröffentlichte. Historischen werth besitzt das buch des Geoffrey so gut als gar nicht, allein einen desto grösseren als eine hauptquelle geschichtlicher romantik für die nächstfolgenden zwei jahrhunderte, welche es noch nicht zu erschöpfen vermochten, denn Shakspeare entlehnte, wenn auch nicht direkt, diesem werke die fabel zu seinem King Lear, Sackville den stoff zu Ferrex und Porrex, während Drayton es zu seinem Polyolbion benutzte, und sogar Milton nicht verschmähte, manche anspielungen daraus zu entnehmen.
Maistre Wace schrieb auch eine geschichte der Normannen unter dem titel Roman de Rou,[144] d. h. Roman Rollo’s, des ersten herzogs der Normandie, und einige andere schriften. Heinrich II. gab dem Chronisten eine domherrnstelle zu Bayeux.
Benoit. Guernes. Benoit, ein zeitgenosse Wace’s, und Verfasser einer geschichte der herzöge der Normandie,[145] sowie Guernes, ein geistlicher zu Pont de St. Maxence in der Picardie, welcher das leben Thomas à Becket’s während der jahre 1172-1175 in versen beschrieb,[146] sind zwei andere normännische schriftsteller,[147] welche in naher beziehung zur literaturgeschichte England’s stehen.