Verschiedenheit der Handschriften Layamon’s. Thorpe in seinen Analecta Anglo-Saxonica (seite 143) theilt die geschichte des königs Lear und seiner töchter nach beiden handschriften des Layamon mit; zur vergleichung möge der anfang dienen, nebst der entsprechenden stelle der Historia Britonum des Geoffrey von Monmouth:

Cedente igitur fatis Baldudo erigitur Leir eiusdem iilius in regem, qui sexaginta annis patriam viriliter resit. Bladud hafde ene sune,
Leir was ihaten;
Efter his father daie,
he heold þis drihlice lond,
— — —
somed an his live
sixti winter.
Bladud hadde one sone,
Leir was ihote;
after his fader
he held þis lond,
in his owene hond,
llaste his lif-dages
sixti winter.
Aedificavit autem super fluvium Soram civitatem, quæ Britonum lingua Kaerleir, saxonice Leircestre nuncupatur. He makade ane riche burh,
þurh radfulle his crafte,
and he heo lette nemnen,
efter him seolvan;
Kaer-Leir hehte þe burh.
Leof heo wes þan kinge,
þa we, an ure leod-quide,
Leir-chestre clepiad,
geare a þan holde dawon.
He makede on riche borh,
þorh wisemenne reade,
and hine lette nemni,
after him seolve;
Kair-Leir hehte þe borh.
Leof he was þan kinge,
þe we, on ure speche,
Leþ-chestre cleopieþ,
in þan eolde daiye.

Bladud hatte einen sohn, Leir war er geheissen; nach seines vaters tagen nahm er dessen land in seine eigene hand—seines lebens tage dauerten sechzig winter. Er machte eine reiche burg nach weiser männer rath und liess sie benennen nach sich selbst. Kair-Leir hiess die burg. Lieb war sie dem könige, die wir in unserer sprache Leir-chester nennen in den alten tagen.

Das Ormulum. In dieselbe zeit fällt die metrische, aber ungereimte evangelienharmonie, welche man das Ormulum nennt. Der Verfasser Orm erzählt, dass er und sein bruder Walter, dem das buch gewidmet ist, augustinermönche seien, und dass er die bearbeitung dieser evangelienharmonie auf wunsch seines bruders unternommen habe. Die sprache des, wie es scheint, im norden von England geschriebenen buches ist einfach und rhythmisch und scheint in die letzte hälfte des 12. jahrhunderts zu gehören. Merkwürdig ist das Ormulum

þiss boc is nemmned Orrmulum,
forrþi þæt Ormm itt wrohhte: And itt iss wrohht off quaþþrigan
off Goddspell-bokes fowwre.
Dieses buch ist Ormulum genannt,
deshalb weil Orm es schrieb: Und es ist viertheilig abgefasst
aus vier evangelienbüchern.

dadurch, dass der verfasser den consonanten nach einem geschärften vocale jedesmal verdoppelt, wie dieses im heutigen Deutsch geschieht, um die aussprache zu erleichtern und zu sichern. Orm legte dieser consonantenverdoppelung in seinem buche solche wichtigkeit bei, dass er ausdrücklich jeden folgenden abschreiber ersucht, seine orthographie unverändert beizubehalten:

And whase wilenn shall þiss boc efft oþerr siþe writenn,

Himm bidde icc þatt hett write rihht, swa summ þiss boc himm tæcheþþ,

All þwerrt utt affterr þatt itt iss uppo þiss firrste bisne,

Wiþþ all swillc rime alls her iss sett wiþþ alse fele wordess;