Filii nobilium, dum sunt juniores,
Mittuntur in Franciam fieri doctores;
Quos prece vel pretio domant corruptores,
Sic prætaxatos referunt Artaxata mores.

heisst es im manuscript Digby, Nr. 4, welches zu ende des dreizehnten oder anfang des vierzehnten jahrhunderts geschrieben sein mag.[168] Diese sitte hörte mit der zum bedürfniss gewordenen stiftung der englischen universitäten zu Oxford und Cambridge grösstentheils auf. Die gründung der hauptsächlichsten Colleges an diesen beiden hauptsitzen alter englischer gelehrsamkeit fällt in jene durch die verschmelzung des angelsächsischen und normännisch-französischen stammes zu einem englischen volke, so wie durch die entstehung der englischen sprache eben so wichtige als interessante zeit von 1250 bis 1350. Mit der Errichtung dieser pflanzstätten der gelehrsamkeit wie des nationalsinnes wurde die sitte der fremden, französischen erziehung allmälig zur unsitte.

Entartung des Französischen in England. In demselben grade, als die normännischen sieger aufhören, Franzosen zu sein, und das Englische das übergewicht über das Französische erhält, verändert sich auch das letztere in England. Der deutsche accent, welcher auf der stammsylbe der wörter liegt, veranlasste den Engländer, die aus der französischen sprache stammenden wörter, gegen den eigenthümlichen französischen, nach dem ende der wörter strebenden ton, ebenfalls auf der wirklichen oder vermeintlichen stammsylbe zu accentuiren, wodurch die nächst liegenden vokale und sylben, gleichsam von selbst, schwächer und kürzer ausgesprochen wurden. So findet sich arter (arrêter), cardenal, government, judgment, captain, wauter (gautier), tresorer, manere (manière). Bei vielsylbigen wörtern, deren erste sylben nunmehr den accent erhielten, konnte in der letzten oder vorletzten sylbe kein langer vokal geduldet, wenigstens nicht ausgesprochen werden: musoire, estoire, gloire, memoire, ordinaire, adversaire bleiben in England musorie, estorie, glorie, memorie, ordinarie, adversarie. Was die vokale anlangt, so wurde u und eu in den französischen wörtern in der aussprache beseitigt, nach welcher man auch bald die orthographie einrichtete. Dafür treten o und ou ein: so schrieb man rendez-vos, vole-vos (voulez-vous), auctor, cort, sojorn, soverain, seignor, plusiors. Bei den consonanten ist die veränderung noch grösser und auffallender, als bei den vokalen. C, ch, ss, sh beginnen zu schwanken; man findet commence und commenche, redresser und redrecher, Frenceiz und Francheis, blance und blanche, dessiré und déchirée, veinchirent und vainquirent. Das l mouillé verschwindet im dreizehnten und vierzehnten jahrhundert; man liest Wiliam, doel (deuil), travailer, perilouse, mervellus. Ebenso erlischt der nasenlaut des an, ain, en, in, on, oin, un; es wird nunmehr geschrieben: counsell, chemine, maine, champe, mone intencione, counte, secunde, viconte. Auch das nasale gn findet sich selten, mochte wenigstens nicht mehr gesprochen werden; man findet montaigne und mountaine, Alemaigne und Alemaine, Cocaygne und Cocayne, Spaygne und Spayne, soveraigne und soveraynie, compaingnie und companie.

Angelsächsische Wörter dringen in das Französische. Bereits in den gesetzen Wilhelm’s des eroberers bemerkt man eine nicht kleine anzahl angelsächsischer rechtsausdrücke, welche sich für den augenblick, da das volk daran gewöhnt war und sie verstand, nicht füglich in das Französische übersetzen liessen. Solche ausdrücke sind hemfare, sac und sache, soc und soche, sol, tem, infangenethef, hengwite, manbote, were, sarbote, forfengen, heuvelborh (heafodborh), wardireve, utlage. Allmälig mehren sich die wörter angelsächsischen ursprungs in den anglo-französischen schriften. Schon im jahre 1258 findet sich in einem erlass das wort to give: nous giveons nos lettres overtes seelees de nostre seel (we senden gew this writ open iseined [iseiled] wið ure seel). Je weiter man kömmt, desto mehr angelsächsische wörter erblickt man im Französischen (catchpole, villes de Upland, husbandrie u. s. w.), bis man im fünfzehnten jahrhundert kurz vor dem erlöschen des Französischen als umgangssprache sich genöthigt sah, das Französische so gut wie in das Englische zu übersetzen, damit nur verstanden wurde, was die amtlichen erlasse zu bedeuten hatten, z. b. in dem jahre 1463:

1) hand-irons 2) marteaux 3) drepee, ein gericht aus mandeln und zwiebeln 4) dice 5) anneaux Notre dit soverain seignur le Roi ad ordeigne qe null merchant ... amesne, maunde, ne convoie ... ascuns de cestes wares, desoutz escritez,... laces, corses, ribans, frenges de soie ... aund-irons,1) grid-irones,... marteus2) vulgarement nommez hamers, pinsons, fire-tonges, drepyngpannes,3) dises,4) tenys-balles,... daggers, vodeknyves, botkyns, sheres pour taillours,... cisours, rasours, shethes,... agules pour sacs vulgarement nommez paknedles,... aneus5) de coper,... chauffingdishes,... chauffyngballes, sackering belles, (?)... ladels,... scomers,... hattes, blanc file de fer vulgarement nome whitewire etc.

Man möge bemerken, dass man schon in der mitte des dreizehnten jahrhunderts anfing, französische wörter mit englischen endungen zu versehen. So findet sich bereits in dem erlass Heinrich’s III. crouninge (krönung). Wenn das Französische in England so in verfall gerathen und so unrein geworden war, lässt es sich erklären, dass Gower deshalb um entschuldigung bittet, weil er französische verse zu schreiben wagt, und Chaucer über das schlechte Französisch seiner madame Eglantine spottet.

Mischung beider Sprachen. Wenn das eindringen angelsächsischer wörter das Französische veränderte, so war der umgekehrte fall, dass das Französische das bereits abgeschwächte angelsächsische idiom durchdrang, von noch grösserem einfluss auf die bildung des Englischen. Schon in der sächsischen chronik finden sich französische wörter; dieselben mehren sich besonders von anfang des vierzehnten jahrhunderts ab. In dem von Ellis (Specimens etc. band I. seite 83 ff.) aus Hickes’s Thesaurus mitgetheilten, leider in der orthographie modernisirten spottgedichte auf das land Cocaygne sind schon viele französische wörter zu entdecken: flower, fruit, serpent, vile, joy, rivers, fine, oil, pillars, capital, jaspe, corall, canel, odour, girofle, roses, lily, fienestres, baum (balsam), collation, procession, river, jambleus (gambols), solace, penance, dute (déduit); es finden sich darin sogar schon französische wörter mit englischer beugungssylbe, z. b. serveth. Noch mehr französische wörter, mit und ohne englische beugungssylben, befinden sich in der reimchronik Robert’s von Gloucester: paleys, seruyse, usages, sywete (suit), serwede, companye, botelerye, corteysye, noblye, armys, chastore, bachelerye, lance, vylenye, pleyynge at tables, manere, maystrye, large, u. s. w. Seine nachfolger verlassen die einmal betretene bahn nicht mehr, obwohl man bei einzelnen autoren, z. b. dem verfasser der visions of Piers Ploughman, eine geringere anzahl französischer worte findet, was sich meist nach den lebensverhältnissen der schriftsteiler und dem stoffe ihrer werke richtet.

Durch diese mischung und gegenseitige durchdringung beider idiome entstand allmälig jene sprache, welche wir Englisch nennen, und welche mit ausnahme einiger formen der declination des nomens und pronomens, der conjugation des verbs, der comparation des adjectivs und adverbs nur noch trümmer der alten angelsächsischen grammatik zeigt, aber in ihrer einfachen construction der meist beugungslosen wörter vorzüglich geschickt war, fremdwörter aller art ohne schwierigkeit in sich aufzunehmen und sich zu assimiliren.[169]

Obgleich nunmehr die angelsächsische sprache, als solche, schon im zwölften und noch mehr im dreizehnten jahrhundert verschwunden war, um in ihrer abschwächung der mit dem englischen volke zugleich entstehenden englischen sprache als basis zu dienen, so war diese neue sprache trotz der entartung der französischen doch nicht sogleich im stande, diese und die alte bildungs- und gelehrtensprache, die lateinische, aus manchen kreisen des volkes zu verdrängen.

Lateinisch, die Sprache der Gelehrsamkeit u. des Rechtes. Das Latein war bis in das 14. jahrhundert hinein die gewöhnliche sprache des rechtes, wenigstens sind die alten gerichtlichen und gesetzlichen urkunden ausschliesslich in lateinischer sprache bis zum jahre 1275 abgefasst. Erst in diesem jahre wurde eine verordnung Eduard’s I. in französischer sprache erlassen. Während der folgenden regierungsjahre dieses königs sind die verordnungen der regierung theils in lateinischer, theils in französischer, gewöhnlich aber in der ersteren sprache veröffentlicht worden. Das Französische wurde häufiger unter Eduard II. und beinahe ausschliesslich unter Eduard III. und Richard II. angewendet, obwohl auch unter diesem könige sich noch lateinische verordnungen finden. Lateinisch war auch die sprache der scholastischen geistlichen und philosophen, wie überhaupt der eigentlichen gelehrten, mochten sie über geometrie und astronomie, oder über chemie, medicin und andere naturwissenschaften schreiben.