Bryng me fayre out of this place!
Lady, now here my bone!
Das Englische wird Unterrichtssprache. Trevisa, der englische übersetzer von Higden’s Polychronicon, findet es im jahre 1385 nöthig, der erwähnten stelle seines autors eine erläuterung hinzuzufügen. Trevisa sagt darin: diese weise, die kinder in französischer sprache zu unterrichten, war vor der ersten pest (1349) sehr im gebrauch, hat sich jedoch seit der zeit etwas geändert; denn John Cornwaile, ein schulmeister, vertauschte das Französische als unterrichtssprache mit dem Englischen, von ihm lernte Richard Pencriche diese art zu unterrichten, und andere lernten sie wieder von Pencriche, so dass jetzt (1385) in allen unterrichtsanstalten (gramer scoles) die kinder das Französische verlassen und in englischer sprache construiren (das Latein übersetzen) und lernen und dabei vortheil auf der einen und nachtheil auf der anderen seite haben. Ihr vortheil ist, dass sie die grammatik in weniger zeit als sonst lernen, ein nachtheil aber, dass jetzt die schüler (children of gramer scole) nicht mehr Französisch verstehen als ihr linker absatz, was ihnen, wenn sie über see in fremde länder reisen, sehr leid thun wird; auch bleibt den vornehmen leuten (gentilmen) nunmehr viel zu thun übrig, ihren kindern Französisch zu lehren.[170]
Das Englische wird Rechtssprache. Diese veränderung der unterrichtssprache zwischen der zeit, wo Higden schrieb und Trevisa übersetzte, kann unbedenklich mit jener politischen acte Eduard’s III. in verbindung gesetzt werden, worin derselbe im jahre 1362 befahl, dass alle in den königlichen gerichtshöfen geführten processe in englischer sprache verhandelt, aber in lateinischer sprache eingetragen und verzeichnet werden sollten, während vor dieser zeit die verhandlungen in französischer sprache gepflogen, die acten aber in lateinischer, oder ebenfalls in französischer sprache geführt wurden. Als grund für diesen erlass Eduard’s III. wird angegeben, „dass dem könig von prälaten, herzögen, grafen, baronen und allen gemeinen oft das grosse unheil vorgestellt worden sei, welches verschiedenen des reiches zugestossen sei, weil sie die gesetze, gebräuche und verordnungen dieses reiches nicht immer gehalten und befolgt hätten, indem sie in der französischen sprache gegeben oder verhandelt werden, welche in dem besagten reiche nicht sehr bekannt ist, so dass die leute, welche bei den königlichen und anderen gerichtshöfen klagen oder verklagt werden, keine kenntniss von dem haben, was für oder wider sie gesagt wird; und weil vernünftiger weise die besagten gesetze und gebräuche in der im reiche üblichen sprache um so mehr begriffen, bekannt und verstanden werden, damit jedermann sich um so besser führen könne, ohne das gesetz zu verletzen, und um so eher seine erbschaft und besitzung bewahren und vertheidigen könne.“ Das Französische bleibt noch Hofsprache. Indessen ist sonderbarer weise diese verordnung selbst in französischer[171] sprache erlassen worden, welche seit langer zeit die muttersprache der königlichen familie war, und wahrscheinlich ausschliesslich bei hofe und wenigstens bis 1483 im oberhause gesprochen worden ist. Ritson behauptet, dass Heinrich III. sich nie der englischen sprache bedient habe. Eduard I. sprach nur französisch im rathe sowohl als im felde; viele seiner aussprüche sind von den alten geschichtsschreibern aufbewahrt worden. Eduard II., welcher eine französische princessin heirathete, bediente sich gleichfalls der französischen sprache. Sein sohn Eduard III. schrieb alle seine briefe oder depeschen in der französischen sprache, in welcher sie von Robert v. Avesbury aufgezeichnet und überliefert worden sind.
Dafür, dass erst in den letzten jahren der regierung Eduard’s III. jene mächtige veränderung zu gunsten der englischen sprache vorging, spricht auch der umstand, dass in seinen ersten regierungsjahren die mitglieder der universität zu Oxford sich nur lateinisch oder französisch unterhalten durften. Noch früher gab es hochgestellte personen, welche weder Latein noch Englisch, sondern nur Französisch sprachen und verstanden. Von dem bischof von Durham, Lewis Beaumont, wird in dieser beziehung folgende anekdote erzählt: Als er seine bestallungsbulle, welche man ihm mehrere tage hindurch vorbuchstabirt hatte, vorlas (1318), konnte er das wort metropoliticæ nicht aussprechen, so oft er es auch versuchte. Nachdem er sich einige zeit vergeblich gemüht hatte, rief er endlich in seiner muttersprache ärgerlich aus: Seit pour dite! Par Seynt Lowys, il ne fu pas curteis qui ceste parole ici escrit! (Es ist so gut wie gesagt! Beim heiligen Ludwig, der war nicht höflich, welcher dieses wort hierher geschrieben hat!)[172]
Die englische Sprache im Parlament. Das erste englische actenstück in den parlamentsverhandlungen stammt aus dem jahre 1388; es ist eine bittschrift der londoner krämer (Rot. Parl. III, 225). Das nächstfolgende ist das geständniss des unglücklichen Thomas, Herzogs von Gloucester, aus dem jahre 1398, abgenommen zu Calais von William Rickhill (eingetragen unter Plac. coron. 21. Richard II. n. 9). Im anfange der regierung Heinrich’s VI. scheint die französische und englische sprache untermischt in den acten des parlaments gebraucht zu sein. Die subsidien an wolle u. s. w. wurden in englischer sprache gewährt (1 Hen. VI. n. 19). Ein französisches proviso wurde von dem hause der gemeinen den artikeln in betreff des regentschaftsrathes, welche in englischer sprache vorhanden sind, hinzugefügt (ibid. n. 33). Sogar die königliche zustimmung zu gesetzen wurde in englischer sprache gegeben: be it ordeined as it is asked, oder: be it as it is axed (2 Hen. VI. n. 54, 55). Die mündlichen verhandlungen mit sehr wenigen ausnahmen scheinen in französischer sprache geführt worden zu sein, und die erlassenen gesetze (statutes) wurden bis zum ersten regierungsjahre Richard’s III. (1483) unausgesetzt in französischer sprache veröffentlicht. Ein privatvertrag in englischer sprache zwischen dem abt und kloster von Whitby einerseits und Robert, dem sohne John Bustard’s, andererseits, zu York im jahre 1343 geschlossen, (Charlton’s History of Whitby, 247) ist das älteste actenstück dieser art, welches bekannt geworden ist.[173]
Die englische Sprache wird die herrschende. Zum schluss dieser betrachtung mögen hier aus Ms. Bodl. 48. f. 48. die worte eines schriftstellers des 14. Jahrhunderts einen platz finden, worin er seine gründe für den gebrauch der englischen sprache in gemüthlicher weise angiebt:
In Englis tonge y schal ȝow telle,
Ȝyf ȝe so long with me wyl dwelle;
Ne Latyn will y speke ne waste,
Bot Englisch that men uses maste,
For that ys ȝoure kynde langage
That ȝe hafe here most of usage;
That can ech man untherstonde
That is born in Englonde;
For that langage ys most schewed,
Als wel mowe lereth as lewed.
Latyn also y trowe can nane,
Bot tho that hath hit of schole tane;
Som can Frensch and no Latyne,
That useth has court and duellt therinne,
And som can of Latyn aparty,
That can Frensch ful febylly;
And som untherstondith Englisch,
That nother can Latyn ne Frensch.
Bot lerde, and lewde, old and ȝong,
Alle untherstondith English tonge.
Therfore y holde hit most siker thanne,
To schewe the langage that ech man can;
And for lewethe men namely,
That can no more of clergy,
Tho ken tham whare most nede,
For clerkes can both se and rede
In divers bokes of Holy Writt,
How they schul lyve, yf thay loke hit:
Tharefore y wylle nie holly halde
To that langage that Englisch ys calde.
[ I. Englische Poesie.]
Mit dem entstehen eines englischen volkes im dreizehnten, und dessen in die augen springenden gegensatze zu dem französischem volke im vierzehnten jahrhundert stossen wir auch alsbald auf sagenkreise, welche begebenheiten und helden aus der alten volksthümlichen geschichte feiern. Die hierher gehörenden romanzen wurden entweder jetzt erst aus dem gedächtniss und nach der überlieferung aufgezeichnet, welche sie in der zeit des druckes gepflegt und gehegt hatte, oder sie waren umarbeitungen verlorener angelsächsischer originale. Vielleicht schliesst die eine ansicht die andere nicht aus. Zuweilen ist aber der altenglische romanzenstoff nur in lateinischer,[174] oder französischer bearbeitung der nachwelt überliefert worden. Die romanze von Waldef, handschriftlich in französischen versen im besitz des Sir Th. Phillipps, ist in Cambridge auch lateinisch vorhanden; sie wurde auf begehr einer dame, welche englisch nicht verstand, in französische verse, und hieraus in das Latein übersetzt, wie der letztere übersetzer in seiner vorrede erzählt.[175]
Altenglische Romanzen. Der alten angelsächsischen romantik waren die altnordischen und altdeutschen sagenkreise dienstbar, deren unverkennbare spuren sich im Beowulf, in des reisenden sängers liede und einigen andern alten dichtungen finden (vergl. s. 52. 55. 68); die thaten Arthur’s und seiner ritter, obwohl in den altenglischen reimchroniken vielfach erwähnt, haben nebst dem sagenkreise Karl’s des grossen nicht sowohl englischen als vielmehr normännisch-französischen dichtern den stoff zu ihren romanzen geliefert. Ausschliesslich englischen heldensagen dagegen, auf dem boden der englischen geschichte erwachsen und von dem herzen und dem munde des englischen Volkes getragen, begegnen wir zuerst in denjenigen gedichten, welche die kämpfe der Angelsachsen und Dänen feiern. Die anfänge dieses englisch-dänischen romanzenkreises erblicken wir schon in denjenigen liedern der älteren literatur, welche die thaten Byrhtnoth’s und Athelstan’s besingen (vergl. s. 56. 66). In späterer zeit, als das angelsächsische volks-leben und fühlen unterdrückt wurde, erfuhren die halbvergessenen angelsächsisch-dänischen heldenlieder mannigfache umänderungen, welche ihnen das gepräge sagenhafter romantik aufdrückten; so tauchen sie im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert als eigenthum des nunmehr englisch gewordenen Volkes wieder auf. Englisch-dänischer Romanzenkreis. Zu diesem angelsächsisch-dänischen sagen-cyclus gehören die romanzen von Havelok dem Dänen, könig Horn, Guy von Warwick, Bevis von Hampton, Wade und andere.[176] Die wichtigsten und ehemals beliebtesten romanzen dieses kreises sind unstreitig Havelok der Däne[177] und könig Horn,[178] von welcher letzteren sieben handschriften in englischer und französischer spräche bekannt sind. Die beste französische handschrift ans dem 13. sec. wird zu Cambridge (Ms. Bibl. Publ. Ff. 6, 17) aufbewahrt, we sich auch das älteste, ebenfalls dem 13. sec. angehörende englische Ms. (Bibl. Publ. Gg. 4, 27) befindet. Die französische romanze ist ersichtlich eine Überarbeitung des englischen originals im französischen geschmacke; an einer stelle ist das þ in einem angelsächsischen namen (Godswiþ) beibehalten worden, an einigen anderen stellen wird auf das „pergament,“ d. h. die zu grunde liegende englische aufzeichnung verwiesen: