während die nachtigall die geistige liebe vertritt und alle ihre gedanken in den einen satz zusammenfasst:

All luve is lost bot upone God allone!

Die amsel wird bei dem wettgesang überwunden und stimmt endlich, überzeugt von ihrem irrthum, in die worte der nachtigall freudig bewegt ein. In seinen komischen gedichten erscheint Dunbar nach dem geschmack und den sitten seiner zeit niedrig und unrein. Seine Twa Married Women and the Widow und The Friars of Berwick gehören in diese klasse. Höchst komisch ist die schilderung eines wettstreites zwischen einem schneider und einem schuhmacher in der hölle. Dunbar’s kleinere gedichte, subjective betrachtungen des lebens von seiner angenehmen sowohl als unangenehmen seite, worin er einen vernünftigen lebensgenuss empfiehlt, da das leben ungewiss sei, enthalten gedanken und lebensansichten, wie wir sie in den gedichten des Horaz zu finden gewöhnt sind.

Gawin Douglas. Ein anderer literarisch berühmter Schotte war Gawin Douglas, geboren um das jahr 1474, ein jüngerer sohn Archibald’s, grafen von Angus. Douglas wurde für die kirche erzogen und stieg in deren dienste bis zum bischof von Dunkeld; er starb im jahre 1522 zu London an der pest. An dichterischer kraft steht Dunbar weit über Douglas, dessen poesie nicht natürlicher fluss der phantasie, sondern manier und erkünstelte metrik ist. In seinen versificationen, welche einen überfluss an neu aus dem Lateinischen und Griechischen eingeführten wörtern, wie violate, purpurate, chrystalline, illumine, illuminate, redemite, bestial, viol, emispery (hemisphere) u. s. w., nebst einer grossen auswahl von ausdrücken aus der alten mythologie enthalten, leuchtet das bestreben hervor, die aus dem neubelebten studium der lateinischen und griechischen klassiker gewonnene bildung auf die volkssprache überzutragen. Douglas war auch der erste, welcher ein werk des klassischen alterthums, Virgils Aeneide, in schottische verse übertrug. Jedem buche der Aeneide ist eine art von prologue nach Chaucer’s weise vorgesetzt. Dieses für die damalige zeit bedeutende werk vollendete Douglas im jahre 1513. Das grösste von Douglas eigenen gedichten ist The Palace of Honour.[200] In diesem Jacob IV. gewidmeten gedichte stellt der dichter eine gesellschaft dar, welche zu dem Palace of Honour pilgert; der dichter gesellt sich dazu und beschreibt die reise. Ein anderes allegorisches gedicht von Douglas, King Hart, enthält des dichters ansichten von dem menschlichen leben. Trotz der vielen klassischen wörter und bilder hat Douglas seine gedichte in ganz breitem Schottisch geschrieben, welches von dem damaligen Englisch weit mehr abweicht, als die sprache aller seiner schottischen vorgänger.

[ III. Prosa.]

Ayenbyte of Inwyt. Nachdem nun die englische sprache das übergewicht über die französische erlangt hatte und für den verkehr der gebildeten des volkes geeignet befunden worden war, finden sich auch sogleich die anfänge einer englischen prosa, während das Englische früher nur der volkspoesie diente. Die erste probe englischer prosa, welche uns erhalten ist, stammt aus dem jahre 1340 und ist im kentischen dialekt geschrieben. In Ellis’s beiträgen zur malerischen geschichte England’s befinden sich zwei auszüge aus dem Arundel manuscript Nr. 57, im brittischen museum. Im anfange dieses Ayenbyte of Inwit, gewissensbisse, überschriebenen Ms. befindet sich die bemerkung: „This boc is dan Michelis of Northgate, ywrite an Englis of his oȝene hand, thet hatte Ayenbyte of Inwyt; and is of the bochouse of Saynt Austine’s of Canterberi under the letters CC.“ Der erste auszug aus diesem Ms. enthält von fol. 42 die fabel von dem hunde, welcher seinen herrn liebkoset, und dem esel, welcher es ihm nachthun will, aber mit schlägen zurückgewiesen wird. Die zweite stelle von fol. 82 enthält das datum des manuscripts und eine kurze metrische einleitung,

Nou ich wille thet ye ywyte hou hit if ywent
thet this boc is ywrite mid Engliss of Kent, etc.

wonach die kentische übersetzung des vaterunsers, des ave Maria und des glaubens folgt:

[201]Pater noster. Vader oure thet art ine hevenes, y-halȝed by thi name, cominde thi riche, y-worthe thi wil ase ine hevene and ine erthe, bread oure eche dayes yef ous today, and vorlet ous oure yeldinges, ase and we vorleteth oure yelderes, and ne ous led naȝt in to vondinge, ae vri ous uram queade. Zuo by hit. Ave Maria. Hayl Marie of thonke vol, Lord by mid the, y-blissed thou ine wymmen, and y-blissed thet ouet of thine wombe. Zuo by hit. Credo. Ich leve ine God, vader almiȝti, makere of hevene and of erthe, and in Jesu Crist his zone on lepi oure Lord, thet i-kend is of the holi gost, y-bore of Marie mayde, y-pyned onder Pouns Pilate, y-nayled a rode, dyad, and bebered, yede doun to helle, thane thridde day aros vram the dyade, steaȝ to hevenes, zit a the riȝt half of God the vader almiȝti, thannes to comene he is, to deme the quike and the dyade. Ich y-leve ine the holy gost, holy cherche generalliche, mennesse of halȝen, lesnesse of zennes, of vlesse arizinge, and lyf evrelestinde. Zuo by hit.

Mandeville. Der älteste englische prosaiker ist Sir John Mandeville, geboren zu St. Albans im jahre 1300. Nachdem er eine gute erziehung erhalten, machte er in den jahren 1322 bis 1356 viele reisen im Orient und beschrieb sie nach seiner rückkehr. Sein tod soll in Lüttich um das jahr 1371 erfolgt sein. Seine reiseabenteuer enthalten neben authentischem, was er selbst sah und erlebte, viele fabeln und wundergeschichten des mittelalters. Das buch ist oft gedruckt worden, am besten 1725 zu London in 8., welcher druck der neuesten ausgabe von J. O. Halliwell mit einleitung, anmerkungen und glossarium, 8. London, 1839, zu grunde gelegt worden ist. In der vorrede zu seinem werke zählt Mandeville die von ihm unternommenen reisen und besuchten länder im Orient auf und giebt an, dass sein buch hauptsächlich für diejenigen geschrieben sei, welche die heilige stadt Jerusalem und die heiligen örter in dessen nähe besuchen wollten. Schliesslich erwähnt Mandeville, dass er sein buch zuerst in Latein geschrieben, es darauf in das Französische und aus dieser sprache wiederum in die englische sprache übersetzt habe, „that every man of my nacioun may undirstonde it.“ Von den vielen handschriftlichen exemplaren von Mandeville’s „Voiage and Travaille“ stammen einige noch aus dem vierzehnten jahrhundert. Es folgt eine probe seiner sprache: