John de Irlandia. A. Cadiou. Auch in Schottland ward die volkssprache gegen ende des 15. jahrhunderts zur prosa verwendet. Der erste beweis hiervon ist ein zum gebrauche königs Jacob IV. von einem priester John de Irlandia im jahre 1490 verfasster abriss der practischen theologie, welches buch augenscheinlich in der urschrift des autors in der advocatenbibliothek zu Edinburgh aufbewahrt wird. Dieses werk, sagt John Leyden, welcher einige auszüge daraus in der einleitung seiner ausgabe von The Complaint of Scotland gegeben hat, giebt eine probe der schottischen sprache jener zeit; styl und orthographie nähern sich mehr der modernen weise, als man erwarten sollte. Eine moralische abhandlung, unter dem titel The Porteous (manual) of Nobleness von Andrew Cadiou aus dem Französischen in schottische prosa übersetzt, wurde im jahre 1508 in Edinburgh gedruckt, ist aber mit ausnahme des schlusses verloren gegangen. Dieser ist von Leyden in seiner einleitung (seite 203-208) und von David Laing in seiner sammlung The knightly Tale of Golagrus and Gawayne, Edinburgh, 1827 abgedruckt worden.

[ IV. Die Einführung der Buchdruckerkunst.]

Caxton. Die buchdruckerkunst war beinahe dreissig jahre erfunden, ehe sie ihren weg nach England fand. Endlich sicherte sich ein londoner kaufmann einen ehrenplatz in der geschichte der englischen cultur, indem er aller wahrscheinlichkeit nach der erste seiner landsleute war, welcher die neue kunst erlernte, und sicherlich der erste, welcher ein englisches buch druckte oder die buchdruckerkunst in England ausübte. Dieser mann war William Caxton, geboren, wie er selbst erzählt, in the weald of Kent, ungefähr um das jahr 1412. Dreissig jahre später findet sich sein name unter den mitgliedern der gesellschaft der kaufleute (mercers) zu London. Als kaufmann scheint Caxton mehrmals die Niederlande besucht zu haben, zuerst in eigenen geschäften, dann 1464 mit einem anderen kaufmann im auftrage Eduard’s IV., um einen handelsvertrag mit dem herzog von Burgund zu verabreden. Caxton trat sogar in die dienste der herzogin von Burgund. Während er sich in Deutschland, oder in den Niederlanden aufhielt, muss er die neue kunst des buchdrucks kennen gelernt haben und soll das von ihm aus dem Französischen des Raoul le Favre in das Englische übersetzte buch The Recuyell of the Histories of Troye fol. im jahre 1471 zu Ghent gedruckt haben, „whyche sayd translacion and werke“, wie der titel besagt, „was begonne in Brugis in 1468, and ended in the holy cyte of Colen, 19. September 1471“, welche worte sich jedoch nur auf die übersetzung beziehen. Von Knight, dem letzten lebensbeschreiber Caxton’s, sind jedoch gewichtige gründe vorgebracht worden, welche es mindestens sehr zweifelhaft machen, ob das genannte buch von Caxton gedruckt worden sei.[205] Das früheste als unzweifelhaft ächt angenommene werk Caxton’s ist eine übersetzung von ihm selbst aus dem Französischen, betitelt: The Garne and Playe of the Chesse, ein folioband, welcher am letzten märz 1474 beendigt worden sein soll. Man nimmt gewöhnlich dieses buch als das erste an, das in England gedruckt worden sei, und setzt mithin in dieses jahr die einführung der buchdruckerkunst in England. Vollständig gewiss ist aber nur, dass Caxton 1477 seine presse in der Almonry unweit Westminster-Abbey aufgestellt hatte, wo er in diesem jahre The Dictes and Notable Wyse Sayenges of the Phylosophers, eine übersetzung aus dem Französischen von Anthony Woodville, Earl Rivers, in folio druckte. Von dieser zeit ab übersetzte und druckte Caxton mit unermüdlichem fleisse bis zum jahre 1490, welches datum sein letzter druck trägt. Sein tod erfolgte wahrscheinlich im jahre 1491 oder 1492. Noch vor seinem tode liessen sich mehrere buchdrucker in London nieder, wahrscheinlich, wenigstens zum grossen theil, Caxton’s frühere gehilfen, welche er von dem festlande nach England gezogen hatte. Theodore Rood, John Lettow, William Machelina und Wynkyn de Worde, sämmtlich fremde, und Thomas Hunt, ein Engländer, waren die unmittelbaren fortsetzer der kunst Caxton’s. Zu St. Albans richtete ein Schulmeister, dessen namen nicht überliefert worden ist, eine presse ein, und zu Oxford begann man im jahre 1478 ebenfalls zu drucken. Es scheint sogar, dass die englischen drucker bald das festland mit ihren werken versorgten, denn zu ende einer lateinischen übersetzung der briefe des Phalaris, welche im jahre 1485 zu Oxford gedruckt wurde, befinden sich folgende zwei verse:

Celatos, Veneti, nobis transmittere libros
Cedite; nos aliis vendimus, o Veneti.[D]

Natürlich druckten Caxton und seine unmittelbaren nachfolger zunächst solche bücher, welche gesucht waren und einen grossen leserkreis fanden; ihr eigener vortheil musste sie diesen weg führen. Eine aufzählung der drucke Caxton’s wird also nicht allein den besten beweis von dem unermüdlichen fleisse und umfassenden geiste dieses mannes geben, sondern uns zugleich den literarischen character seiner zeit am treuesten schildern. Geistlichkeit und adel waren damals noch beinahe allein die gebildeten klassen des volkes; sie gaben auch den ton in der literatur an, welche der kirchlichen und ritterlichen romantik huldigen musste, wenn sie freunde und leser finden wollte. Die klassische literatur des alterthums, welche einen weltlichen gelehrtenstand voraussetzt, dann aber nicht bloss einzelnen klassen, sondern dem ganzen volke seine schätze erschliesst, äusserte noch keinen directen einfluss auf die englische literatur, sondern höchstens einen mittelbaren durch das medium der französischen, welche damals eine hauptquelle für englische schriftsteller war. Caxton’s drucke umfassen folgende werke: The Pilgrimage of the Soul (aus dem Französischen); Liber Festivalis, or, Directions for keeping Feasts all the Year; Quatuor Sermones (in englischer sprache); The Golden Legend (eine sammlung lebensbeschreibungen der heiligen) in drei ausgaben; The Art and Craft to know well to Die (aus dem Französischen); Infantia Salvatoris; The Life of St. Catherine of Sens; Speculum Vitae Christi, or Mirror of the Blessed Life of Jesu Christ; Directorium Sacerdotum; A Book of Divers Ghostly Matters; The Life of St. Wynefrid; The Provincial Constitutions of Bishop Lyndwood of St. Asaph (lateinisch); the Profitable Book of Man’s Soul, called the Chastising of God’s Children. Alle diese bücher behandeln religiöse und kirchliche stoffe; die folgenden gehören nach ihrem inhalte in das gebiet der ritterlichen romantik: The History of Troy (wenigstens von Caxton übersetzt, wenn nicht gedruckt); The Book of the whole Life of Jason; Godfrey of Boloyn; The Knight of the Tower (aus dem Französischen); The Book of the Order of Chivalry or knighthood (aus dem Französischen); The Book Royal, or the Book for a King; A Book of the Noble Histories of king Arthur and of Certain of his knights; The History of the Noble, Right Valiant, and Right Worthy knight Paris and of the Fair Vienne; The Book of Feats of Arms and of Chivalry (aus dem Französischen); The History of king Blanchardine and Queen Eglantine his Wife. Von englischer nationalliteratur druckte Caxton: The Tales of Canterbury (in zwei ausgaben), The Book of Fame, Troylus and Cresseide und einige kleinere gedichte,—sämmtlich von Chaucer; The Confessio Amantis, that is to say, in English, the Confession of the Lover, von Gower; The Work of Sapience; The Life of our Lady von Lydgate; ausserdem einige andere kleinere gedichte gemeinschaftlich mit Chaucer’s. Dabei möge bemerkt werden, dass Caxton die werke Chaucer’s in seiner zweiten auflage aus einem besseren und richtigeren manuscripte entlehnte, als in der ersten ausgabe, welche er nach einer mangelhaften handschrift veranstaltete. Dieses erste beispiel der kritik bei der ausgabe eines englischen buches war nothwendig geworden, wie Caxton in der vorrede zur zweiten auflage so ehrlich ist unumwunden einzugestehen, „for to satisfy the auctor, whereas tofore by ignorance I erred in hurting and defaming his book in divers places, in setting in some things that he never said ne made, and leaving out many things that he made which been requisite to be set in it.“ Von den klassikern wurden folgende übersetzungen auf Caxton’s presse gedruckt: Cicero über das Alter und die Freundschaft; Boethius’ trost der philosophie, von Chaucer; Aussprüche der Philosophen; Virgil’s Aeneis; Cato Magnus und Cato Parvus; Subtle Histories and Fables of Aesop. Auch geschichtswerke fing Caxton zu drucken an: The Chronicles of England; The Description of Britain; The Polychronicon; The Life of Charles the Great (zwei ausgaben) und The Siege of the Noble and invincible City of Rhodes. Endlich gingen noch einige bücher allgemeinen inhalts aus Caxton’s presse hervor: The Game of Chess; The Moral Proverbs of Christine of Pisa; The Book of Good Manners; The Doctrinal of Sapience (aus dem Französischen); The History of Renard the Fox (aus dem Deutschen) und A Booke for Travellers. Endlich druckte Caxton noch die gesetze (Statutes) des ersten parlaments von Richard III. und der drei ersten parlamente Heinrich’s VII.

Mit der einführung der buchdruckerkunst schliesst die geschichte der altenglischen sprache und literatur. Die sprache, welche, so lange sie nur im munde des volkes lebte, in rechtschreibung und ausdruck individuell und dialektisch geschwankt hatte, erhält nach kurzer zeit festigkeit und sicherheit in orthographie und grammatik; die literatur, deren poetische unmittelbarkeit und natürlichkeit verständigem fleisse und prosaischer überlegtheit wich, wird dadurch zur belehrung und bildung geschickter. Das geistige leben des englischen volkes tritt in der folgenden periode deutlicher und allgemeiner hervor.


Druck von C. H. Storch & Comp. in Breslau.

Footnotes