[27.] Sharon Turner’s vorzügliches werk The History of the Anglo-Saxons ist trotz aller neueren forschungen immer noch unübertroffen und für denjenigen, welchem die handschriften nicht zu gebote stehen, die hauptquelle für die kulturgeschichte der in Britannien eingedrungenen Angelsachsen.
[28.] Daher wandte sich auch Honorius im jahre 410 an die „städte“ Britannien’s, als die einzigen staatlichen organisationen, welche nach dem aufgeben der römischen herrschaft in Britannien noch vorhanden und lebenskräftig waren. Ausser vielen andern örtern gab es nach Richard solcher städte (civitates) mit ihren districten drei und dreissig in Britannien, darunter zwei municipia, Verolamium und Eburacum, neun coloniae, darunter Londinium und Camulodunum, zehn städte mit lateinischem rechte und zwölf tributäre städte (stipendiariae). Vergl. The History of the A. S. Vol. I. Book II. ch. 8.
[29.] Eine zurückführung dieser fabelhaften geschichte, worin Gurthrigern wahrscheinlich mit dem Römer Gerontius verwechselt wird, auf historische thatsachen findet sich in Sharon Turner’s Hist. of the Anglo-Saxons. Vol. I. Book II. chap. 7.
[30.] Die jütische niederlassung in Kent und Wight, welche die früheste der germanischen stämme gewesen sein soll, ist indessen sehr angezweifelt worden, obwohl Beda und nach ihm die sachsenchronik ausdrücklich von den Jüten in Kent sprechen: „Of Iotum comon Cantware and Wihtware, thæt is seo mæiadh, the nu eardath on Wiht, and thæt cynn on West-Seaxum dhe man gyt hæt Jutnacynn,“ (von den Jüten kamen die Kentmänner und Wightmänner, das ist der stamm, welcher jetzt auf Wight wohnt, und das volk unter den Westsachsen, welches man noch Jütenvolk heisst.) Alfred giebt diese stelle also: „comon hi of thrym folcum tham strangestan Germanie, thæt of Seaxum, and of Angle, and of Geatum. Of Geatum fruman sindon Cantware and Wihtsætan, thæt is seo theod so Wiht thæt ealond oneardadh“ (sie kamen von drei Völkern, den stärksten Deutschland’s, dem der Sachsen, und der Angeln, und der Geaten [Gothen — Jüten]. Von den Geaten stammen die Kentmänner und Wightsassen, d. h. das volk, welches die insel Wight bewohnt). Nach der gegenseitigen stellung der drei stämme in ihren ursprünglichen sitzen zu schliessen, welchen ihre späteren in England zu entsprechen scheinen, müssten die ansiedler der südöstlichsten spitze von England eher von der gegenüberliegenden küste Friesland’s als aus Jütland gekommen sein. Und die chronik Maerlant’s spricht in der that von Hengist:
| Een hiet Engistus een Vriese, een sas, Die uten lande verdreven was. | Einer hiess Hengist ein Friese, ein Sachs, der aus dem lande vertrieben ward. |
[31.] Eine „authentische“ geschichte des gefeierten Arthur enthält Sharon Turner’s History of the Anglo-Saxons. Vol. I. Book III. chapt. 3.
[32.] Die Jüten, Sachsen und Angeln hatten zu ende des sechsten jahrhunderts in England sich in folgender weise fest gesetzt: die Jüten in Kent, der insel Wight und einem theile von Hampshire; die Sachsen als Südsachsen in Sussex, als Ostsachsen in Essex, Middlesex und im süden von Hertfordshire, als Westsachsen in Surrey, Hampshire, Berks, Wilts, Dorset, Somerset, Devon und einem theile von Cornwall; die Angeln als Ostangeln in Norfolk, Suffolk, Cambridge, der insel Ely und einem theile von Bedfordshire; als Mittelangeln in Leicestershire, welches zu Mercia gehörte; als Mercier, getheilt durch den Trent in Südmercier in den grafschaften Lincoln, Northampton, Rutland, Huntingdon, dem nördlichen theile von Bedfordshire und Hertfordshire, Bucks, Oxfordshire, Gloucestershire, Warwickshire, Worcestershire, Herefordshire, Staffordshire, Shropshire, — und in Nordmercier in Chester, Derby und Nottingham; als Northumbrier in Deira, d. h. in Lancaster, York, Westmoreland, Cumberland, Durham, und in Bernicia, d. h. Northumberland und dem südlichen Schottland zwischen dem Tweed und dem Firth of Forth.
[33.] Wanley hat nach den nachrichten des Thomas de Elmham, eines mönches aus Augustin’s kloster zur zeit Heinrich’s V., die von Gregor nach England geschickten bücher verzeichnet; sie bestanden aus einer verzierten bibel in zwei bänden, den psalmen Augustin’s mit dem credo, pater noster und mehreren lateinischen hymnen, zwei evangelienbüchern, einem andern psalmbuch mit hymnen, einem legendenbuch von den leiden der apostel, einem ändern reich mit edelsteinen gezierten martyrergeschichtenbuch und einer erklärung der episteln und evangelien. Auch brachte Augustin das pastorale Gregor’s nach England, welches Alfred später in das Angelsächsische übersetzte.
[34.] Mehreres hierüber ist in der einleitung zu R. Schmid’s gesetzen der Angelsachsen, thl. I. 8. Leipzig 1832 zu finden. Schmid schöpfte hauptsächlich aus Sharon Turner’s abhandlung A Vindication of the Genuineness of the Ancient British Poems of Aneurin, Taliesin, Llywarch Hen, and Merdhin with specimens of the Poems, welche dem dritten bande der geschichte der Angelsachsen (seite 313 bis 418 der pariser ausgabe von Baudry. 1840) beigefügt ist.
[35.] Eine ausführliche kritische abhandlung über die persönlichkeit dieses autors, die ihm beigelegten schriften und die mss., woraus dieselben genommen sind, befindet sich in Thomas Wright’s Biographia Britannica Literaria. A. S. Period. London. 8. 1842. Seite 115 bis 135. Mit übergehung der älteren ausgaben dieses autors, so wie von zwei alten englischen übersetzungen möge hier nur die letzte ausgabe des Gildas erwähnt werden: Gildas de Excidio Britanniæ. Ad fidem Codicum Manuscriptorum recensuit Josephus Stevenson. 8. Lond. 1838, welche von der Historical Society herausgegeben worden ist.