»Ich sag's nochmal, ich laß mich aufhängen, er kommt nicht.«
»Jetzt hab doch bloß ein bisserl Vernunft und Geduld, Lorenz!« flehte sie.
Er holte noch einmal das Sacktuch aus der Flügeltasche hervor und trocknete sich noch einmal umständlich ab. Dann entdeckte er einen breiten Lichtstreifen, der durch eine Scheibe auf den Kirchengang hereinfiel. Die unzähligen Sonnenstäubchen wogten darin auf und nieder und hin und her und wirbelten im Kreise herum, wenn er nur das Haupt bewegte oder den Unterarm aufhob und wieder sinken ließ. Das Spiel war wie hergerichtet zum Betrachten und Beobachten. Doch eine Ewigkeit lang konnte man auch das nicht betreiben.
»Weißt was? Jetzt mach' ich mein Kreuz und mach', daß ich hinkomm', von wo ich herkommen bin,« fuhr er plötzlich auf.
»Vielleicht ist er heut verhindert und kommt ein bisserl später,« sagte sie noch einmal in gutem.
»Geh, was kümmert mich überhaupt dein Kaplan,« ärgerte er sich immer mehr.
»Schrei wenigstens nicht so!« flehte sie.
»Meinetwegen kann er es auch hören, wenn er Lust hat. Das schert mich gar nicht. Verstehst mich? Eine recht einfältige Sach', die du da ins Werk gesetzt hast, daß du's nur weißt!« warf er ihr hin, ohne seine Stimme im mindesten zu sparen.
»Aber du bist doch mitgangen,« entgegnete sie jetzt stechend, und die bunten Kopftuchfransen wehten aufgeregt um das dunkle Obermäntelchen.
»Man sollt' sich nie von einem Weibsbild was raten lassen! Ich hab' es mir aber auch gleich gedacht,« schimpfte er aus dem Vollen.