»Aber mit bist doch!« versetzte sie noch spitziger. »Und wenn du Schloßverwalter werden tätst, wär's dir auch recht, oder nicht? Das wirst wohl nicht leugnen wollen.«
»Aber deine einfältige Wallfahrt brauchte man deswegen noch lang' nicht! So eine Dummheit!« schrie er wütend ihr entgegen.
»Daß du dein Lebtag nie Schloßverwalter wirst, das kann ich dir nun nächstens schwören! Dann läßt du halt einen andern auf den Platz sich hinsetzen und trägst deine Kindssärge spazieren bis an dein seliges Ende! Eine wirklich nette Aussicht!« rief sie voll Galle.
»Nun hörst mir aber auf! Verstanden?« schrie er und ging auf sie zu.
»Fällt mir gar nicht ein,« erklärte sie jedoch gleichmütig und schaute ihm fest ins Gesicht.
»Gut, dann adjö, ich geh' jetzt heim. Tu, was du willst,« sagte er in verändertem Tone. »Meinetwegen kannst du ja auch dableiben und auf deinen Kaplan warten, so lange es dir nur beliebt, und ihn heiraten, wenn es dir gefällig ist, und den Grafen dazu, wenn du Lust hast! Ich hab' gar nichts dagegen! Ich geh' jetzt meiner Wege, adjö.«
»Du bist doch ein rechter Dummkopf, Lorenz!« platzte sie heraus. »Das sag' ich dir aber jetzt, so oft du es nur haben willst!«
»Und wenn wir jetzt nicht in der Kirch' wären, tät ich dir jetzt eine herunterhauen! Das sag' ich dir ebenfalls! Und jetzt machst gleich, daß du mit heimkommst, oder ich sag' dir noch was andres! Verstehst mich? Denn verlaß dich drauf, daß ich dir von jetzt ab um den Schloßverwalter keinen Schritt mehr mache, und weder zum Kaplan noch zu Pilatus, noch zum Grafen, noch sonst wohin gehe, sondern Kindssärge spazieren trage, so lang es mir Spaß macht. Verstehst mich? Und schließlich ist das so schön und so nützlich wie das einfältige Bretterzählen, das der Graf besorgt. Und überhaupt, unter so einem Esel möcht' ich nicht 'mal Verwalter sein. Verstehst mich? Nun wirst wohl keinen Zweifel mehr über meine Gesinnung haben? Und jetzt machst sofort, daß du heimkommst!« schrie er, alles Bessern vergessend.
»Wenn ich möcht,« entgegnete sie leise und grimmig. Und dann kniete sie ihm zum Trotz wieder nieder und begann laut und klingend vor sich hin zu beten.
Daisenrieder aber stand mit geballten Fäusten hinter ihr und fletschte die Zähne. Und wer weiß, wohin ihn der nächste Augenblick noch gebracht hätte, wenn nicht vom Galeriegitter oben plötzlich eine Stimme gerufen hätte: »Es genügt jetzt schon, ihr frommen Leute, es genügt jetzt schon.«