»Meisterin, wenn aber einer käme, der das Handwerk auf fremdem Boden schon gegrüßt hat; der zwar noch kein Altgeselle, aber es bald werden kann; leidlich jung und frisch, aus ehrsamem einheimischem Hause, dessen Vater ein gut Stück Geld in seine Hände zu legen vermöchte, um die Wirtschaft zu mehren; einer, der Euch holden Mut trägt: was würdet Ihr einem solchen zur Antwort geben?«
Da lachte sie hell auf und sprach: »Das weiß ich nicht. Müßte mir ihn wohl eher genau ansehen.«
»Und dann –?«
»Dann möchte ich sagen: Kommt morgen wieder!«
»Und wenn er morgen wiederkäme?«
»Dann wollte ich ihm sagen: Kommt so lange morgen, bis ich Euch sage: Morgen ist heute.«
»Das will ich mir merken,« sagte Jost Seydlin mit zarter Stimme.
Sie aber sprach mit köstlich hellem Lachen: »Geh', geh', Geselle. An die Arbeit. In die Backstube! Da magst du dich erkühlen. Das sei dein Lohn, weil du so mit mir redest.«
Und Jost Seydlin ging von dannen und war rot vor Freude, weil das Auge der Frau ihm zugeglänzt hatte. Er verstand sich auch darunter alles Gute und war mit sich zufrieden. Er dachte sich: »Du bist auf fremder Erde gewandert, Jost, und dir ward sauer und süß bekannt; warum sollst du nicht darauf denken, dir den eigenen Hausstand zu gründen mit einer Frau, deren junger, stolzer Leib noch wie magdlich blüht? Das laß dir gesagt sein, Jost.«