Und er machte einen Freudensprung, als er in die Backstube trat. Dort lag ihm ob zu schaffen, wie es einem ehrlichen Gesellen in seinem Gewerke geziemte: das Brot nach gutem Gewichte kräftig und nahrsam reifen zu lassen, denn der Altgeselle Heinrich war diesmal abwesend und in die Mühle nach Leuzendorf gegangen; weshalb Jost zu allem sehen, überall Hand anlegen und alles überwachen mußte. Dabei war sein Sinnen so wohlgemut und wonnesam in die Zukunft gerichtet, daß er seines Werkes zur Stunde weniger sorglich achtete, als es sonst geschehen wäre.

Das wurde denn am nächsten Tage in unerfreulicher Weise ruchbar. Denn als an einem Wochenmarkttage standen auf dem Platze vor der städtischen Schranne die Bäcker in den Brotbänken und hielten feil. Auch Frau Walburga waltete mit dem Lehrjungen Cyprian, der ihr zur Hand ging, ihres Gewerkes und des Verkaufes.

Der Brotschreiber, Meister Niclas, kam und prüfte das Gewicht alles ausgestellten Gebäckes nach Satzung auf der Wage und tat auch so mit dem Brote der Rebenbäckerin. Da zog er seine Brauen plötzlich empor; er nahm einen zweiten Laib und fand das nämliche wie vorher; er nahm einen dritten Laib und das Ergebnis blieb das gleiche, worauf er verkündete:

»Nach Inhaltung und Ordnung der Brottafel allhiesiger Stadt Graz wird das Gewicht eures Brotes, Frau Walburga Mennhartin, als ungenügend und zu gering befunden; denn es fehlen satzungsgemäße sieben Lot auf das Pfund; weshalb erstlich der Preis von vier Pfennigen auf die Hälfte herabzusetzen ist und Ihr, Frau Walburga Mennhartin, sodann der herkömmlichen Buße verfallen seid.«

Damit ging er und die Rebenbäckerin blieb bestürzt zurück. Ihr war der Markt verdorben und sie dachte, daß sie entgelten müsse, was Spruch und Forderung der Altmänner von ihr heischen würden. Da litt es sie nicht länger zu verweilen, sie verließ den Markt und ging in das Haus des Zunftmeisters, Adam Grasweins. Dieser hatte schon durch den Brotschreiber von dem Ereignis vernommen und mochte gerne ein strenges Antlitz zeigen, jedoch gelang ihm dies der jungen Rebenbäckerin gegenüber nicht gänzlich, als er sie bestürzt in die Stube treten sah. So sprach er denn freundlich:

»Ei, Frau Walburga, Ihr bringt mir böse Mär. Wahrlich, Ihr habt Euch nicht guter Dinge beflissen, als Ihr Euer Brot mit unechtem Gewichte zu Markte brachtet. Da müßt Ihr Buße leisten, wie es die Satzung heischt. Und ist es mir leid, weil es Euch betrifft, eine junge, ehrsame Witib, so vermag ich Euch doch nicht zu helfen. Setzt Euch hieher, liebe Frau!«

Und sie erwiderte: »Meister Graswein, ich habe bisher immer mein Gewerk in Ehren geführt und noch weiß ich nicht, welch böser Zufall dies zuwege gebracht hat, einen meiner Knechte also zu betören, daß er des rechten Maßes und Gewichtes vergessen hat. Nun sagt mir, was soll die Sühne sein?«

»Die Sühne, Frau Walburga! Ei, Ihr müßt ein Bad in der Mur nehmen, weil Ihr so hübsch seid.«