Die Spanier im Gegentheil waren, in achthundert Jahren der Kämpfe mit den Sarazenen an den Krieg gewohnt, von auf den Schlachtfeldern und in den Schiffbrüchen abgehärtetem Körper, in jenem Jahrhundert der Schrecken ganz Europas. Mit Helm und Panzer ausgerüstet, die sie gegen die schwachen Pfeile und Speere der Peruaner unverwundbar machten, ausschließliche Besitzer in jenen Gegenden, der schrecklichen Wirkung der Entzündung des Pulvers, mit einiger Artillerie versehen, gewandt und taktisch in den militärischen Bewegungen, sandten sie auf zweihundert Schritte den Tod aus ihren Waffen, wobei der Knall der Kanone dem Donner glich, der ihren Feinden den Zorn ihres Gottes anzeigte; kurz, Alles gab denselben in jenen Gegenden eine solche Ueberlegenheit, daß sich jeder Abenteurer ein Gott däuchte, welcher in seinem Zorne das ganze Reich der Inkas fürchterlich bedrohte.

Andrerseits haben wir bereits den Einfluß gesehen, den bei der Eroberung Mexikos die Prophezeihungen hatten, welche anzeigten, daß von Osten Kommende dem Reiche große Umwälzungen brächten, und in Peru waren ähnliche Prophezeiungen darüber, daß von Osten

Kommende dem Lande neue Gesetze geben würden, vorhanden. So schnell wie Pizarro im Reiche landete, war die Prophezeihung, daß andere Söhne der Sonne den göttlichen Auftrag hätten, dem Lande neue Gesetze zu geben, in Erfüllung gegangen. Der Schrecken, welcher sich in Mexiko Montezumas bemächtigte, erstarrte auch Atahulpa (den Inka von Peru) und sein ganzes Reich, und die moralische Macht, welche diese Prophezeihungen Pizarro verliehen, setzten ihn, wenn er seinen geheiligten Charakter zu wahren wußte, in die vortheilhafteste Lage.

Ebenfalls haben wir die religiöse Scheu beobachtet, womit die Peruaner die Familie und das Geschlecht der Inkas betrachteten, weil sie als Abkömmlinge Manco Capacs und Mama Ocollos Söhne der Sonne, Söhne Gottes waren, den sie anbeteten; und da die von Osten Kommenden auch für Söhne der Sonne gehalten wurden, mußten die Peruaner es als eine Entheiligung ansehen, sie anzugreifen und mit Pfeilen zu beschießen, die stets machtlos gegen die eisernen Panzer und Waffen der Spanier sie mehr und mehr in der Voreingenommenheit bestärkten, daß sie als Söhne ihres Gottes unverwundbar waren. Die Eindringlinge im Gegentheil, gewohnt, auf jedem Festlande der neuen Welt kupferfarbene Menschen, bartlos, wie sie waren, und fast wie sie die Natur erschaffen hatte, anzutreffen, welche entsetzt beim Knall der Gewehre flohen, verschmähten beinahe, sie für Menschen anzusehen und hielten sie eher für Thiere, die dazu geboren waren, ihren Ehrgeiz und ihren Hochmuth

zu sättigen. Andrerseits rottete, in den blutigen, düstern Deckmantel religiösen Fanatismus eingehüllt, das sechszehnte Jahrhundert mit Feuer und Schwert alle Glaubenslehren, welche von der des Kreuzes abwichen, aus; und wenn in Europa die Gläubigen Muhameds wüthend verfolgt wurden, so tilgte man auf dem amerikanischen Festlande erbarmungslos die Sonnenanbeter und alle andern Gottheiten aus, da die Fanatiker des sechszehnten Jahrhunderts so vor den [Augen] ihres Gottes, den sie als ebenso barbarisch wie ihr Jahrhundert hinstellten, wohlgefällige Werke zu verrichten glaubten. Die Peruaner glaubten daher, mit unverwundbaren Göttern zu kämpfen. Die Eindringlinge mit verächtlichen Wesen in Menschengestalt, deren Schweiß und [Blut] Karls V. mächtiger Thron und der auf der Schädelstätte gestorbene Gott beanspruchte.

Kapitel 6.
Tumbez.

Geschickt streute Pizarro die unermeßlichen Reichthümer, welche er der Hauptstadt von Coaque entzog, über Panama und die umliegenden Niederlassungen aus und machte so binnen kurzem, daß man in allen jenen Ländern die vortheilhaftesten Begriffe von den Schätzen Perus hegte; das Gerücht verbreitete sich und tausend Abenteurer strömten, begierig die reiche Beute zu theilen und ihre Habsucht zu sättigen, von allen Seiten herbei. In Tumbez einquartiert, erwartete er, um die Eroberung des Reiches zu unternehmen, die Ankunft seiner Gefährten und machte sich inzwischen mit den Gebräuchen der Peruaner bekannt, lernte ihre Sprache und bereitete sich auf den Triumph vor.