Die Peruaner konnten sich von der Absicht, in der die Spanier ihr Land besetzten, keinen genauen Begriff machen und sie ergingen sich in tausend Vermuthungen. Sollten sie diese Fremdlinge für übernatürliche Wesen ansehen, die gekommen waren, ihre Vergehen zu bestrafen und an ihrem Glücke zu arbeiten, oder wohl als Feinde ihrer Ruhe und ihrer Freiheit? Die Betheuerungen,

womit sie die von Osten Gekommenen überhäuften, daß sie jenes Land besetzt hatten, um sie zur Erkenntniß der Wahrheit zu führen, gaben der ersten Meinung einige Wahrscheinlichkeit; in Erwartung ihrer Gewaltthätigkeit, ihrer Habgier und ihres Betragens aber konnten sie nicht umhin, vor solchen Fremdlingen bange zu sein. Unter keinen Umständen ist die Seelenruhe mit dem Aberglauben und den Vorurtheilen vereinbar. Die Peruaner hielten die Sonne, ihren Gott und Vater, für beleidigt, die Spanier für ihre Rächer und sie mußten bestürzt sein.

Sobald als Pizarro sein Quartier in Tumbez aufgeschlagen hatte, sandte er an Luque und Almagro ausführliche Berichte hinsichtlich der Hoffnungen, welche die Goldländer, die er besetzte, versprachen. Voll Ehrgeiz und Fanatismus, schickten sich, bald um die großen Auslagen der Expedition zu erstatten, bald um ihre religiöse Lehre auszubreiten und um ihre Namen zu verewigen, diese beiden Seelen an, in Gefahr zu fliegen. Von dem Statthalter der Kolonie unabhängig, gingen sie gemäß den von Pizarro am Hofe von Madrid erlangten Vergünstigungen in aller Freiheit vor und waren in ihren Unternehmungen rasch und tüchtig. Die Schätze, welche die Abenteurer Mexikos nach Hause brachten, die neuen Nachrichten von den Reichthümern der peruanischen Küste und die auf den berühmten Namen Pizarros gestützten wirksamen Versprechungen Almagros und Luques, Alles, Alles half dazu, daß andere Abenteurer, begierig, auf den Raub auszugehen, nach Panama strömten.

In wenigen Tagen konnten sie dreihundert Mann zusammen bringen, die sich in aller Eile einschifften, um nach Tumbez zu marschiren. Auf zwei leichten Fahrzeugen segelten sie nach San Mateo ab, wo Pizarro eine kleine Abtheilung gelassen hatte. Obschon Almagro bereits in jenen Gewässern kundig war, machten sie, tausend Gefahren trotzend, die Ueberfahrt in siebenzehn Tagen, während derer die Führer alle Mittel in Bewegung setzten, in ihren Soldaten den Anreiz, der sie verzehrte, zu beleben, und der Kapitän sie mit dem Tode vertraut machte, und der Verweser ihnen im Namen Gottes ewigen Ruhm versprach, wenn sie bei der Zerstörung der Götzenbilder der unschuldigen Sonnenanbeter umkommen sollten.

Sie landeten endlich in San Mateo, umarmten zärtlich ihre Gefährten und folgten ihrem Wege nach Tumbez. Hier erwartete sie Pizarro mit Ungeduld, da er, obgleich besonnen, sich bei dem Durchmarsch von Coaque dadurch in übeln Ruf gebracht hatte, daß er die wehrlosen Indianer angriff und tausend Gewaltthätigkeiten verübte; der Schrecken aber, den die von Osten Gekommenen als Söhne der Sonne den unschuldigen Bewohnern der neuen Welt eingeflößt hatten, hielt alle Gemüther in Erwartung, und es war noch nicht zum Bruche gekommen. Atahulpa, der Herrscher von Peru, stand mit einem prächtigen, vortrefflichen Heere in Cajamalca, einer zwölf Tagereisen von Tumbez entfernten Stadt, aber die religiöse Furcht und die Betheuerungen Pizarros machten, daß er sie wie höhere, von seinem Gott gesandte Wesen ansah,

um die Verbrechen des Bürgerkrieges, der in dem Reiche entbrannt war, zu bestrafen, und weit entfernt, zum Angriff überzugehen, trug er seinen Unterthanen auf, sie als Gesandte der Sonne zu behandeln. Ein einziger Augenblick jedoch konnte die Peruaner dieser traurigen Befangenheit entreißen und ihre Angreifer konnten sich vernichtet sehen. Immerhin waren sie in bedenklichen Umständen und Pizarro und seine Gefährten gaben bereits dem mächtigen Triebe ihrer Habgier und ihres gewaltthätigen Charakters nach und nur die Schätze und die Götzenbilder Perus vermochten ihre Sehnsucht zu stillen.

In diesem Augenblicke langten Almagro und Luque in Tumbez an, und ihre erlittenen Drangsale und Gefahren vergessend, gaben sie sich, da sie den Augenblick, ihre Wünsche zu vollbringen, nahe sahen, den lebhaftesten Fröhlichkeitsergüssen hin. Pizarro hatte zweihundert Soldaten behalten, die mit den dreihundertundneun als Verstärkung Angekommenen das Heer der Eindringlinge ausmachten, welches ein ungeheures Reich beherrschen sollte. Unter dieser geringen Anzahl von Kämpfern zählten sie sechsundsechszig Pferde und drei Stücke Artillerie kleineren Kalibers; alle mit Feuerwaffen und verwegen, todesmuthig, fanatisch und ehrgeizig.

Es würde scheinen, daß man sich mit einer so schwachen Abtheilung vergebens unterfinge, ein in Civilisation fortgeschrittenes und sehr bevölkertes Land von ungeheurer Bodenfläche zu plündern und zu zerstören, wenn wir uns nicht auf die betreffenden, bereits

angezeigten moralischen Heereskräfte verließen. Atahulpa hatte in Cajamalca sechszigtausend Streiter, welche tapfer und kriegerisch, aber ohne Mannszucht und ohne Kenntnisse in der Kriegsführung, und ohne andere Waffen waren, als einfache Bogen und Pfeile von geringer Festigkeit, die umsonst gegen die Rüstungen und Panzer der Spanier, die sie unverwundbar machten, anzukommen suchten; indem das einfache Leinen, womit sich die Peruaner bekleideten, die schneidende Schärfe der europäischen Waffen nur abstumpfte. Obschon die Peruaner ihre Wohnsitze und ihre Freiheit vertheidigten, fühlten sie doch den ganzen Muth vaterländischer Begeisterung, und die Habsucht und der Fanatismus, welche in den Herzen der Europäer brannten, trieb dieselben ebenso unerschrocken in den Tod. Der Ruhm als Sieger Mexiko’s flößte den einen die Gewißheit der Siege ein, indeß die andern, von einer religiösen Furcht beherrscht, es für eine Gotteslästerung hielten, ihre Pfeile auf ihre Gäste zu richten, und wie wenn ein vom Himmel entfesselter Blitz über ihren Häuptern niedergefahren wäre, warfen sie sich, als sie den todbringenden Knall der Kanone vernahmen, bei dem dumpfen Donner, der ihnen den Zorn Gottes, des Lichtes, verkündete, zitternd auf die Kniee nieder.