Volk.
Lieblicher Aufenthalt des Todes,
In dessen Schatten kein Verbrechen wohnt,
Der Tugend heilig’ Lager fleht dich an,
In deinem Schooß die Tugend thront.
Priester.
Der du das Erdenrund belebest,
Dem Boden spendest sein Gedeih’n,
Rufst du hinauf uns in den Himmel,
Mögest du uns barmherzig sein.
Volk.
Wenn schon als Staub zur Erde du gekehret,
Entflammet dein Gedächtniß das Gemüth,
Dein Dasein schwand nicht wie ein Feuer,
Das in dem Aether nachts erglüht.
Der Grabgesang ertönte schwermüthig und erhaben, die nächtliche Luft bewegte die Flammen der Fackeln lieblich hin und her, ein sehnsüchtiges und ununterbrochenes Schluchzen befeuchtete die heiligen Gräber und Alles flößte einen unbegreiflichen, frommen Schauder ein. Erstaunt und unbeweglich sahen die Spanier der religiösen Feier zu; Luque vielleicht hob seine Augen
auf zum Himmel, den er, beim Anblick des prunkhaften Gottesdienstes, den die Peruaner Satan zollten, erzürnt glaubte, und er dachte dort in seinem Sinne über die Rache nach, welche er dem erzürnten Himmel geben mußte. Der Gott der Spanier war, wenngleich am Kreuze gestorben, der Vater der Sonne und des Weltalls; Luque war sein großer Stellvertreter in der neuen Welt und Luque hielt sich wegen der Götzendienerei der Indianer dem Himmel für verantwortlich.
Es war nachts zwölf Uhr und Coya sollte ihren Almagro sprechen; sie gab die nöthigen Befehle, und allein und von tausend trüben Aengsten angefochten, marschirte sie nach dem östlichen Theile hin, woselbst sie das Stelldichein verabredet hatten. Der edle Spanier irrte bereits auch auf der Suche nach seiner Angebeteten auf dem Felde umher, und bald trafen sich die beiden süßen Geliebten am Abhange eines friedlichen Baches, der lieblich rauschend an einem frischen Ufer dahinfloß. Sie erkannten sich und ein schmerzliches Zucken bemächtigte sich des Spaniers und der schönen Peruanerin. Ein langes Stillschweigen folgte der süßen Besorgniß, bis endlich Almagro das Schweigen brach.
»Schöne Coya,« sagte er zu ihr, »von dem Augenblick an, da ich deine durchdringenden Reize sah, fühlte ich mit unwiderstehlicher Gewalt deren ganze bezaubernde Macht. Hier, in meiner Brust....« und eine heiße Thräne lief an seinen Wangen herunter.