Kapitel 12.
Feindseligkeiten.

Die Kundschafter Atahulpas, welche, das zum Loskauf nothwendige Gold vereinigend, das Reich durchzogen, langten endlich, ungeheure, nach der Liste auf jede Provinz vertheilte Mengen mit sich führend, in Cajamalca an; voller Ungeduld sehnten sich Alle nach dem Augenblick, um den das Zelt bis zu der übereingekommenen Höhe zu füllenden Bedarf beisammen zu sehen, und Alle trugen bereitwillig und emsig zu dem Zwecke bei, und inzwischen schienen, wie wir gesehen haben, die feindlichen Lager in der schönsten Eintracht zu sein. Ocollo trennte sich nicht von dem Zelte ihres angebeteten Inkas, und sogar Huascar und Vericochas hatten mit den feindlichen Befehlshabern häufige Zusammenkünfte und berührten oberflächlich einige Punkte über Religion und Politik. Wie ein Löwe, der hinter der scheuen Löwin her seine Mähne kräuselt, folgte Pizarro erglühend den Schritten der schönen Ocollo, und von Tag zu Tag entflammte mit um so größerer Heftigkeit die Flamme der Liebe, die

in seinem Herzen brannte und die den wachsamen Blicken Luques nicht gut entgehen konnte.

»Erinnere dich, Freund, erinnere dich,« sagte er eines Tages zu ihm, »daß du deinen König und Gott gröblich beleidigst, wenn du diese Götzendienerin liebst. Die kolossale Macht des Thrones von Castilien auszudehnen und die Anbetung des Kreuzes auszubreiten, bist du an diese entlegenen Gestade gekommen, nicht um, wie ein schwacher Jüngling, als Opfer der Liebe zu seufzen.«

»Nicht wie ein schwacher Jüngling, nein,« antwortete ihm Pizarro.... »Hier in meiner Brust fühle ich eine unauslöschliche Gluth, doch fürchte nicht, daß ich mich seufzend zu Füßen dieser Undankbaren niederwerfe, um ihre Gunst zu erflehen; der Eroberer von Peru wird sie den Armen des Inkas, dem Heer der Peruaner zu entreißen wissen und die Gewaltthätigkeit....«

Immer großmüthig, gestand Almagro den Gefährten seine feurige Liebe zu Coya, er schilderte ihnen mit der ganzen Begeisterung eines entzückten Geliebten ihre Reize und in seinen Vorsätzen und Aeußerungen athmete die Menschlichkeit eines den Einflüsterungen göttlicher Liebe fühlbaren Herzens. Er gestand seinen Gefährten offen, daß er die Zurückhaltung kannte, mit der sie die Pläne zur Eroberung des Reiches ausbreiteten, aber daß er ihnen völlige Freiheit ließe, da er bereits Coyas Herz erobert hatte, das mehr als die Eroberung der ganzen Welt galt.

Das in Cajamalca vereinigte Gold belief sich auf unermeßliche Summen, und der Rath glaubte, daß es genügte, das Abkommen bei dem Loskaufe Atahulpas zu erfüllen. Sehnsüchtiger als irgend ein Mensch, seine Freiheit zu erkaufen, befahl Atahulpa, es, sei es in Barren oder in, wenn auch von mehr oder weniger künstlerischer Arbeit, dem Lande eigenen Manufakturen, unverzüglich in das Zelt zu schaffen, worin er gefangen war. Wirklich brachten unzählige Indianer das Gold für den Loskauf herbei, und die sehnsüchtigen Blicke der Eindringlinge ruhten auf einem Wunder, das die herrlichen Vorstellungen übertraf, die sie sich von dem Lande gemacht hatten. Ein Tag um den andern fuhr die Herbeischaffung mit der größten Thätigkeit fort und nahe, an tausend Centner Goldes kamen in die Zelte Pizarros.