Unsere Leser werden nicht vergessen haben, daß das für den Loskauf feierlich begangene Abkommen war, das Zelt des Inkas bis zu Mannshöhe mit Gold zu füllen, und daß Pizarro das Gemüth des großen Königs im Osten zur Annahme des Abkommens bewegen sollte, ohne dessen Billigung es nicht endgültig bestätigt werden konnte. Sei es, daß die Peruaner die Genehmigung des Herrn im Osten, vermittelst seines Abgeordneten erlangt zu haben glaubten, sei es die brennende Angst des Inkas, sich in Freiheit zu sehen, sei es die äußerste Liebe und Achtung, welche die Peruaner zu ihrem Kaiser hatten, sicher ist, daß man voreilig und ohne der Genehmigung des Königs im Osten nachzufragen, das Gold mit aller Thätigkeit
auf den Lagerplatz zu bringen anfing, indem man es, bis daß es die verabredete Höhe erreichte, mehr oder weniger sorgfältig in dem Zelte des Inkas unterbrachte; aber der Raum war zu beträchtlich und es fehlte etwa noch ein Fuß hoch mit Gold anzufüllen.
Dem Loskauf gemäß brachte man das Gold zusammen, Pizarros Aufmerksamkeitsbezeugungen mit dem Inka wurden immer kälter, und er nahm eine, von dem bis dahin beobachteten Betragen sehr fremde, überlegene Miene an. Gar bald gewahrte Atahulpa dieselbe, und da er glaubte, daß sie von dem Fehlen des noch übrig bleibenden Goldes herrührte, richtete er sich an ihn und sagte mit wirklich unschuldsvoller Offenherzigkeit zu ihm: »Nein, fürchte nichts, Sohn der Sonne, seinen Schwur zu brechen, ist in Peru das schwärzeste Vergehen, und niemals werde ich den Zorn der Gottheit, welche ich anbete, herausfordern. Wenn auch meine Loskaufssumme nicht voll ist, werden in kurzem die Boten aus den entfernten Provinzen ankommen und du wirst mehr Gold, als nothwendig, beisammen sehen.«
»Ja, Atahulpa,« gab ihm der Spanier ernst zur Antwort, »du und ich, wir wollen unser Uebereinkommen gewissenhaft erfüllen; unglückseligerweise aber ist, den eben erhaltenen Befehlen gemäß, mein Herr, der große König im Osten, nicht in allen Theilen damit einverstanden. Seine strengen und unabänderlichen Befehle versagen dir die Freiheit, außer du bekennest dich zu seinem Tributpflichtigen, und verlassest
deine barbarischen, frommen Ansichten und umarmest den Glauben an das Kreuz.«
»Und kann der große Herr im Osten!...« wollte der Inka in starrem Erstaunen erwidern.
»Er ist mächtig und kann Alles, ihm unterwürfig, gehorche ich seinen Befehlen.«
»Und das angehäufte Gold?...«
»Ist dein,« bestätigte ihm Pizarro, »du kannst darüber verfügen, aber die siegreichen Waffen meines Königs und Gebieters werden es schon in deinen Palästen und in den Tempeln deiner verfluchten Götzen holen. Ich für meinen Theil werde den Befehlen meines Königs nachkommen, und ich fordere nur von dir, daß du, den Liebkosungen der bezaubernden Ocollo entsagend, mir eine so große Schönheit überlässest, wonach ich, vor Begierde brennend, trachte.... Die Befehle des Herrn im Osten und Pizarros sind unabänderlich, denke an deine Rettung.«
Man kann sich die tiefe Betäubung, in welche der Inka versunken war, wohl denken, aber nicht erklären. Als er bereits den Augenblick, seine Freiheit, seinen Thron, die Liebkosungen seiner Schönen wieder zu erlangen, gekommen glaubte, hört er die Donnerstimme Pizarros, welche alle seine trügerischen Einbildungen mit sich fortreißt. Aber Atahulpa, der Sohn von zehn Inkas, der Sohn der Sonne, der Herrscher des Reiches, der beleidigte Mann, kehrte bald wieder zu der dem Unschuldigen eigenen Ruhe und Würde zurück. »Ja, Pizarro,« sagte er zu ihm, »ich weiß meine Lage, erfülle die Befehle des Kaisers im Osten, aber halte