»Ja, du und deine Gefährten,« sagte sie zu ihm, »[seid] Söhne des Verbrechens. Warum hast du deine Liebe an ein unschuldiges Herz verrathen? Warum hast du mich dem Cultus dieser Gottheit, welche ich anbete, entrissen, um das Glaubensbekenntniß an einen Gott abzulegen, der die Bösen beschützt? Ah! wenn wir eure vernichtenden Waffen hätten, ihr müßtet entsetzt in euer höllisches Klima fliehen, wir entrissen den Inka euren Armen und das leuchtende Gestirn würde wieder ruhig glänzen!«

»Nein, geliebte Coya....«

»Grausamer, und du wagtest noch von Liebe mir zu reden! Dein Bild hab’ ich bereits aus meinem Innersten gerissen, worinnen es wie ein Vulkan erglänzte auf beschneiten Gipfeln.«

»Höre mich, Coya, und vielleicht verdiene ich dein Mitleid. Ich bin gefühlvoll wie wenn ich in diesem Reiche geboren wäre, ein günstiges oder widriges Schicksal aber hat mich unter meinen Gefährten auf diesen Boden geführt. Ich sah dich, liebte dich,

vergötterte dich, und umsonst hätte ich ihnen meine Liebe verbergen wollen; sie wußten, daß in dem Herzen eines Geliebten niemals ein Geheimniß mit seiner Angebeteten Platz hatte, und behutsam verbargen Luque und Pizarro ihre Pläne vor mir; noch habe ich etwas über die Mittheilungen mit unserm Kaiser gewußt; nichts, Coya, noch habe ich, da ich mich mit deiner Liebe begnügte und deine Liebe mein Weltall war, etwas zu erfahren versucht.«

Coya, welche niemals die Leidenschaft, die ihr Almagro eingeflößt hatte, zu ersticken vermocht hätte, fühlte beim Anhören seiner Betheuerungen ihren Zorn schwinden, und süße Thränen, die gegenseitig an ihren Wangen herunterirrten, bewiesen die Arglosigkeit der beiden gefühlvollen Seelen.

Das feindliche, unter Waffen stehende Lager nahm einen bedrohlichen Anblick an; Atahulpa hielt seine Ruhe aufrecht: Er stieß tiefe Seufzer aus, und Vericochas und Huascar flogen unermüdlich von Pizarros Zelt zu dem des Inkas und bemühten sich umsonst, Vergleiche herbeizuführen. Von den Pflichten als Vasall, von seinem Ehrgeiz, seiner Liebe und seinem Fanatismus getrieben, konnte Pizarro in Nichts von den zuletzt vorgeschlagenen Bedingungen nachlassen. Atahulpa vermochte weder den Liebkosungen Ocollos zu entsagen, noch sein Vaterland, noch seinen Gott zu verrathen und der Austrag der Unterhandlungen konnte nur ein grausamer Abbruch sein.

Vergebens flehte Ocollo, in einen Thränenstrom gebadet, vielleicht zu Füßen Pizarros knieend, sein

Erbarmen an und bejammerte ihre Leiden. »Wenn es gewiß ist, daß du mich liebst, werden meine Seufzer deine Brust durchdringen und dein Mitleid regen. Du weißt es, du, der du von einem mächtigen Gott abstammst, du weißt, daß Schwüre heilig sind, und ich habe vor diesem Gott, der uns erleuchtet, meine Liebe Atahulpa zugeschworen. Ueberbringe dieses kostbare Gold dem König im Osten, aber laß diesem unglücklichen Reiche seinen Frieden und seine Wonne.« »Ocollo,« wiederholte Pizarro, »ich bitte dich und bitte den Inka, wenn ich dich seinen Armen entreißen, wenn ich diese schwachen Besitzungen mit Feuer und Schwert überziehend, sie das Kreuz anbeten und sich vor der Macht des Königs im Osten niederwerfen lassen könnte.«

Alles war umsonst, als der edle Almagro majestätischen Schrittes sich seinem Gefährten näherte.