»Pizarro,« sagte er in strengem Tone zu ihm, »ich hatte dich bereits gewarnt, daß ich eure Zurückhaltung kannte, aber niemals hätte ich geglaubt, daß meine Gefährten ein überlegtes Verbrechen zuließen. Wenn ihr unsere Pflichten nicht damit für erfüllt hieltet, dem König von Castilien die Schätze von dem Loskauf des Inkas darzubieten, wozu schwurt ihr in Christi Namen, die hochheiligen Uebereinkünfte zu bewahren? Nicht der Verwüstung halber suchen wir entlegene Himmelsstriche auf; um Tributpflichtige der Krone Spaniens zu machen, um die Völker aus der Dummheit herauszuziehen und das Evangelium zu verbreiten, erschloß unser gnädige Gott uns die Wogen
der ungeheuren Meere und führte uns in diese entlegenen Himmelsstriche.«
»Die Fahne Christis,« wiederholte Pizarro, »soll auf den Trümmern des Reiches wehen.«
»Verwüstend und Schrecken verbreitend, können wir wohl Tributpflichtige des Königs von Castilien, aber keine Anbeter Jesus machen: Die Liebe verleiht uns den sichersten Triumph. Was werden sich die unschuldigen Indianer für einen Begriff von dem ewigen Gott der Gerechtigkeit machen, wenn vor unsern Schritten Gewaltthat, Verbrechen, Ruchlosigkeit einhergehen? Wie sollen sie das Christenthum umarmen, wenn Christen ihre Zerstörer sind? Gieb den Inka frei, wir werden in seinem Reiche bleiben, wir werden den Peruanern die süße Moral Jesus einflößen, indem wir sie mit Kunst und Wissenschaft erleuchten, sie die Würde des Menschen erkennen lassen und uns, zu ihrem Heil gereichend, zu ihren Brüdern machen.«
»Du bist nicht mehr der kriegerische Almagro, du bist ein schwacher, in den Armen der Liebe schlafumfangener Jüngling.«
»Ich bin der kriegerische Almagro, nicht der grausame Pizarro; ich bin ein gefühlvoller Mensch, der das Verbrechen verabscheut, aber freudig in Kampf und Tod geht.«
»Ich bin der Statthalter von Peru.«
»Ich umgürte das schützende Schwert der Unschuld.«
Schon zogen die beiden Krieger wüthend ihre Degen, als Luque, der nicht weit davon dem erbitterten Streite zuhörte, mit einem Cruzifix in den Händen
dazwischen flog. Feuer sprühten die Blicke der beiden erzürnten Spanier, aber als Luque (wir sind im sechszehnten Jahrhundert) das Kreuz erhob, legten sie demüthig ihre Waffen, die Racheblitze sprühten, nieder. Eine starre Betäubung folgte der Wuth und Luque überwand den Zorn. »Euer Gott,« rief er aus, »wird so ein schwarzes Verbrechen nicht verzeihen; er führte euch an diese Gestade, um die Anbetung des Kreuzes auszubreiten, und böse, nur für schwache Leidenschaften empfänglich, kreuzt ihr die Waffen, und die Götzendiener sollen lächelnd zusehen, wie ihr, statt den Triumph Jesu Christis herbeizuführen, euch selbst zerfleischt.«