Obschon das Zelt Atahulpas, von einer gewaltigen Wache umgeben, dem Verkehr der Indianer offen blieb, und Atahulpa, Huascar und Vericochas mit der größten Ruhe an die Rettung des Reiches dachten, erkannten sie am Ende doch die traurige Zukunft, welche ihm vorbehalten war. Huascar und der Priester fürchteten für den Inka, und der Inka zweifelte, nur um die Zukunft seines Reiches besorgt, nicht, daß sein Schicksal bereits entschieden war. Vergebens schlugen sie Pizarro verschiedene Vergleiche vor, vergebens boten sie ihm unermeßliche Summen Goldes als jährlichen Tribut für den König im Osten an, aber nimmermehr ihm Ocollo auszuliefern und noch weniger den Sonnencultus aufzugeben.
Huascar sah, da es nicht genügte, alle Mittel, welche die Klugheit gebot, zu erschöpfen, das Unabwendbare, zu den Waffen zu greifen, ein, und er
marschirte nach Cajamalca, um seine Krieger zu ermuntern und ihnen zuvorzukommen. Trotz aller Politik Pizarros waren die Beziehungen zwischen den Indianern und Spaniern viel zu rege gewesen, als daß am Ende die Bewohner jener Gegenden nicht mit den von Osten Gekommenen vertraut geworden wären, und als daß sie nicht einen Theil von jener frommen Scheu, welche sie ihnen anfänglich einflößten, verloren hätten; die Wirkungen der Feuergewehre und der Artillerie jedoch waren noch außer ihrer Fassungskraft, der Knall des Schießpulvers war ihnen noch immer unbegreiflich, und dennoch maßen die Eindringlinge ihre geringen Streitkräfte mit der ungeheuren Macht des Reiches.
War es Ueberstürzung der Peruaner oder nicht, das Gold zum Loskaufe auf den Lagerplatz herbeizuschaffen, so war es unter den Umständen, zu denen man gekommen war, schon sehr schwierig, es, so sehr sie auch Pizarro hiezu einlud, wieder wegzufahren, weil der große König im Osten das Abkommen, ohne die Zusätze, welche wir angegeben haben, nicht gebilligt hätte, und die Peruaner sich ebensowenig um solch einen Schatz bekümmerten, der, so unermeßlich er auch für die Eindringlinge wäre, dem Reiche ziemlich verächtlich war. Wie wir bereits angezeigt haben, war alles Zustandekommen unmöglich. Pizarro hatte unter dem Schutze von Atahulpas Namen einen großen Theil des Goldes des Reiches in seinen Zelten vereinigt; seine Soldaten sehnten sich, da es dem Anführer ebenfalls paßte, wenn es in den nahe gelegenen Colonieen in Umlauf gesetzt würde und sein Ruf durch
die ganze Welt flöge, damit neue Auszügler seine Streitkräfte vermehrten, schon nach dem Augenblicke, die neue Beute zu vertheilen, und Alles trug dazu bei, daß man beim Schall von Trommeln und Trompeten eine Verordnung bekannt machte, wonach man den Waffenstillstand für beendigt hielt, und, mit alleiniger Ausnahme Ocollos, die in Begleitung von zehn Peruanern in das spanische Lager gehen durfte, den Verkehr der Lager abschloß.
Zu allen Zeiten wird man die Rechte der Vernunft und der Gerechtigkeit nicht in den Heeren zu suchen haben, Allen ist das Recht der Stärke überlegen; aber im sechszehnten Jahrhundert, als der Papst Alexander die Verleihung der neuen Festländer den jeweiligen Monarchen gab, da politische oder nutzbringende Gründe der römischen Curie es so verlangten; als Diejenigen, welche nicht an das Kreuz glaubten, ungeheuer auf Erden waren, die mit Schwert und Feuer ausgerottet werden mußten; als man die unschuldigen Bewohner der neuen Welt für nicht einmal zum menschlichen Geschlechte gehörige Wesen hielt, machte Pizarro eine seinem Jahrhundert überlegene großmüthige Anstrengung, indem er veröffentlichte, daß der Waffenstillstand beendigt sei und die Feindseligkeiten von Neuem ausbrächen, eine Großmuth, welche in der Geschichte die unermeßliche Beute beschönigt hat, die ihnen die falsche Kriegslist von dem Loskaufe einbrachte.