Wie ein Strom stürzten sich die Peruaner über die spanischen Lanzen her, und obschon das Feuer der Kanonen und der Hackenbüchsen die Reihen lichtete, fielen sie tapfer, ergriffen aber nicht die Flucht; sie erholten sich wieder, luden von Neuem und horchten auf die Befehle des beherzten Huascars. Obwohl Almagro und seine Anhänger wußten, daß ihnen kein anderes Mittel blieb, als Sieg oder Tod, kämpften sie jedoch nicht auf das Aeußerste und noch weniger flößten sie Pizarro Vertrauen ein. Der Kampf war hartnäckig, das Geschrei der Verwundeten und der Anstürmenden mit dem Donner der Kanonen hallten fürchterlich; die vierhundert Spanier waren ebensoviele Helden, aber bereits waren einige unterlegen, indeß vielleicht die Peruaner Verstärkungen aus der Stadt zuzogen. Pizarro erkannte das Mißliche seiner Umstände und er befahl Soto, Atahulpa zu erschießen und mit den hundert auserlesenen Soldaten zu laden.
Ruhig fiel der Inka vor der Sonne auf die Kniee nieder. »Du willst es,« rief er aus, »wohlthätige Gottheit, ich werde in deine himmlischen Wohnungen eingehen, aber den Untergang oder den Sieg deines Reiches werde ich nicht mit ansehen.« Im Augenblick fiel er als ein Opfer des brennenden Bleies und Soto lud wüthend in dem Kampf. Schon gaben die Peruaner nach, und mit der Ankunft der neuen Streiter erklärte sich der Sieg und sie flohen nach der Stadt. In dem Getümmel der Schlacht suchte Almagro, die Gefahren verachtend, sehnsüchtig seine angebetete Coya,
um sie vor den Streichen irgend eines Unmenschen zu schützen. »Ah! Treuloser,« sagte sie zu ihm, als sie ihn sah. »Ich bin unschuldig,« wiederholte ihr der Krieger, »ich verehre dich,« und sie mit seiner Waffe schützend, suchte Coya umsonst den Tod zu geben, noch ihn zu empfangen.
Endlich siegte Pizarro; die Peruaner schlossen sich, aber erst nachdem sie sich mit Muth und Verzweiflung geschlagen hatten, in den Mauern Cajamalcas ein. Der Kampfplatz war mit Indianerleichen übersäet, aber auch die Spanier erlitten, trotzdem sie sich mit ihren Panzern vor den schwachen Waffen ihrer Feinde bedeckten, einige Verluste; sieben Todte blieben auf dem Schlachtfelde, drei wurden als Gefangene nach der Stadt fortgeschleppt und viele Verwundete waren kampfunfähig. Die in ihrem Blute geröthete Leiche des Inkas besänftigte den Zorn des fanatischen Luques nicht; noch brannte der Scheiterhaufen, worauf er hätte aushauchen sollen, und sein Leib wurde, weil er in Ketzerei und Sünde gestorben war, in die Flammen geworfen und seine Asche, als der Bestattung unwürdig, dem Winde übergeben. Der Inka Atahulpa war das erste Opfer, welches der Fanatismus des sechszehnten Jahrhunderts an den Küsten des südlichen Meeres vor seinen schwarzen Altären opferte, und mit seinem berühmten Namen eröffnete sich das peruanische Märtyrerthum.
Kapitel 14.
Cajamalca.
Obschon sich die Peruaner mit der einem Volke eigenen Verzweiflung schlugen, das für seine Gesetze, seine Reichthümer und seine Götter kämpft, war ihre Niederlage dennoch eine vollständige und sie flohen bestürzt, um sich in den schwachen Mauern einzuschließen; das Schlachtfeld wurde mit Leichen bedeckt und tausend Gefangene geriethen in die Gewalt der Sieger. Verstellung war bereits unmöglich; der Augenblick der Entzweiung war angelangt und das Gold und das Blut sollten von einer Welt zur andern fließen. Die fanatischen und ehrgeizigen Eindringlinge hatten ebensowenig eine andere Zuflucht, als Sieg oder Tod, und die Schlacht von Cajamalca bekäme einen neuen Zeitabschnitt.
Kämpfend, oder um besser zu sagen, seine angebetete Coya schützend, wußte Almagro nichts von dem Tode des Inkas, und als er seinen Leichnam sah, durchschaute er endlich die Zurückhaltung seiner Gefährten gegen ihn; aber wenn er, von dem Fanatismus seines Jahrhunderts beherrscht, die Anklagen