seiner Angebeteten fürchtete, bedauerte er vielleicht das Schicksal des hartnäckigen Götzendieners nicht. Die dunkeln Anforderungen des sechszehnten Jahrhunderts mußten erfüllt und die Gefangenen zu Boden geschlagen werden, und der Leichnam des Inkas wurde unter traurigen Bräuchen auf den noch brennenden Scheiterhaufen geworfen. Wie ein Rasender lief Luque mit dem Cruzifix in den Händen die Reihe der Gefangenen ab, indem er sie ermahnte, das Kreuz anzubeten; ein unwiderruflicher Befehl verurtheilte denjenigen, der das Wasser der Taufe nicht empfinge, zu ewiger Knechtschaft und die bestürzten Gefangenen bogen dem Priester ihren Nacken, um das erlösende Wasser zu empfangen, und indessen verbarg sich die Sonne trüb und düster zwischen leichten Wolken, und ihre Anbeter warfen ihre zitternden Angesichter auf die Erde nieder, und vielleicht ihren Zorn befürchtend, brachen einige von feurigerem Blute in furchtbare Verwünschungen gegen den Gott der von Osten Gekommenen aus, und sie wurden in die Flammen geworfen und ihre Asche dem Winde übergeben, und weder Pizarro noch der wüthende Luque waren Verbrecher, weil es ein Verbrechen ihres Jahrhunderts war.
Da die Feindseligkeiten bereits mit aller Wuth ausgebrochen, sehnten sich die Abenteurer nach dem Augenblicke, Cajamalca anzugreifen und das Reich zu beherrschen. Der Eroberer glaubte, daß weder den Großen noch dem Volke etwas von den blutigen Auftritten auf dem Schlachtfelde verborgen bleiben dürfte, damit so der Schrecken seine Flügel im ganzen Umkreise
ausbreitete und er gab wirklich zehn Gefangene frei, die voller Schrecken in der Stadt anlangten, wo man von Allem nichts wußte. Als man den Tod des Inkas, die Verbrennung seines Leichnams, die Knechtschaft oder die Taufe der Gefangenen, die Wuth des Schicksals endlich, das dem Reiche drohte, erfuhr, erzitterte das Volk, und umsonst verhielten sich die Priester ruhig, um Trost zu spenden und demüthige Bitten an ihren Gott zu richten.
Feierliche Grabgesänge wurden in dem Tempel für den Inka und für die in den Flammen oder auf dem Kampfplatz Gestorbenen angestimmt; aber die niemals mit Blut gefärbten Sonnenaltäre begehrten den der drei gefangenen Spanier, die man in der Schlacht ergriffen hatte, nicht. Zum Tempel geführt, wohnten sie den Feierlichkeiten der Peruaner bei, und im Namen der Sonne frug sie Vericochas nach der Herkunft ihrer Vorfahren und nach den Beweggründen ihres Betragens. Obschon nur einfache Soldaten, waren die Gefangenen genügend scharfsichtig, um sich prunkvoller und räthselhafter Ausdrücke zu bedienen, welche die Verwirrung der Peruaner vermehrten; stark genug, fürchteten sie die Drohungen Huascars und der Krieger nicht und hielten unerschrocken einen geheiligten Ursprung und Charakter aufrecht.
Von einem der tödtlich Verwundeten jedoch quoll das Blut in Strömen und Todesblässe malte sich in seinen Zügen. Sorgfältig beobachteten die Peruaner, daß das Blut das Leben jenes hinfälligen Körpers war, sie sahen, wie ihre Waffen in sein Fleisch
gedrungen waren, wie die Beschaffenheit des Leibes der ihrigen gleich war, und sie überzeugten sich, daß es hier nichts Uebernatürliches gab, daß die von Osten Gekommenen auch Menschen und dem Tode unterworfen waren. Nachdem die Gefangenen ihrer Rüstungen und Panzer entblößt worden waren, betrachteten sie deren Herstellung und überzeugten sich, daß die Kunst und nicht die Natur sie unverwundbar gemacht hatte, und von Tag zu Tag verloren die Eindringlinge jene zauberhafte Gewalt, womit sie siegten, ehe sie in den Kampf zogen.
In Thränen versunken, wagte Coya kaum, vor dem Gotte, den sie, von einem treulosen Geliebten verführt, der ihr Geburtsland in Trauer und Trümmer begrub, verlassen hatte, die Augen im Tempel zu erheben, und trostlos, rührte Ocollo mit reichlichen, heißen Thränen das Mitleid und den Zorn der Vasallen des Inkas. Vericochas erinnerte die Peruaner an die Dankbarkeit, welche sie Gott schuldeten, und Huascar verkündete beredt den Ruhm und die Freiheit. Oh! wenn die Peruaner auch mörderische Waffen hätten!...
Pizarro dachte lebhaft an die Einnahme Cajamalcas, und er schickte sich an die Stadt zu betreten, und den Bewohnern den Rückzug abzuschneiden, damit sie die Schätze nicht mitnehmen konnten. Zweimal floh das mächtige Heer, das ihn hätte einschüchtern können, bei dem Donner der Kanone und den Angriffen der Reiterei. Konnten ihm tausend Gefangene, die in ihren Zelten seufzten, hinderlich sein, so waren sie ihm
für die Führung und die Fortschaffung seiner Abtheilung gleichfalls unentbehrlich, und er mußte sich ganz entschieden daran machen, das Reich zu erobern, und auf den Schutz des Himmels rechnend, den Luque verhieß, theilten die Abenteurer die ausgedehnten, üppigen Landschaften bereits freudig unter sich.
In dem Augenblicke, als die Auszügler in San Mateo landeten und sich der großartigen Entdeckung vergewisserten, schickten sie, ihre Agenten um Hülfe bittend und für die Regierung Papiere übergebend, ein Boot nach Panama ab, sie hatten aber nicht die geringste Nachricht erhalten, noch war es möglich, daß sie mit Bestimmtheit weder auf Verstärkung noch Mittheilungen hoffen konnten; sie mußten angreifen und die Erfahrung sicherte ihnen den Sieg. Trotzdem, daß der Fanatismus und die Voreingenommenheiten Almagro beherrschten, fühlte seine der Zärtlichkeit und dem Mitleid leicht empfindliche Seele mit um so größerer Macht die Einflüsterungen der Liebe. Zweimal war nach der Schlacht und nachdem die Mittheilungen abgebrochen worden waren, die Sonne im Osten erschienen, und fern von seiner Coya, war ihm das Dasein unerträglich. Obgleich wild und vom Ehrgeiz beherrscht erinnerte sich Pizarro ebenfalls mit Schmerzen der Reize der schönen Ocollo, und wie ein blutdürstiger Tiger lauerte er auf die Beute, um sie zu verzehren. Der fanatische Luque, welcher den Weg seiner ewigen Seligkeit in der Bekehrung der neuen Welt, oder indem er die Götzendiener, welche mit ihrer Sonnenanbetung die göttliche Majestät beleidigten, in den Flammen umkommen ließ,