offen sah, richtete ruhig seine Gebete zum Himmel, und er war es, der sich am heißesten nach der Eroberung des Reiches sehnte.

Cajamalca mußte in seinen Mauern üppige Schätze einschließen; es bot den Eroberern die Bequemlichkeiten, auf Verstärkungen zu hoffen und sich zu erholen, da sie nicht nach Cuzco, der Hauptstadt des Reiches gehen konnten, ohne daß sie zuerst Cajamalca, das ihnen als Stufenleiter bei der Eroberung dienen sollte, einnahmen. Zwei Nächte waren vergangen; im Lager Pizarros war es ruhig und die mit Kriegern besetzten Mauern der Stadt schienen die Feinde zu beobachten. Die Peruaner fanden jedoch keinen großen Vortheil dabei, Cajamalca hartnäckig zu behaupten, und sie zogen jene kostbaren Sachen und geschichtlichen Denkmäler oder Quipos, welche sie mit Schmerzen in den Händen ihrer Feinde gesehen hätten, nach Cuzco zurück; das Gold aber und die edlen Metalle waren in ihren Augen viel zu verächtlich, als daß sie daran dachten, dieselben zu retten.

Die Dinge waren zur äußersten Entzweiung gelangt und das eine wie das andere Lager schickte Vorposten aus, die den Feind mehr in der Nähe beobachteten. Obschon seinem Charakter und Grade nach nicht geeignet, lieh sich Almagro, damit es ihm leichter würde, wenigstens seine Geliebte zu sehen, täglich zu dieser Art Dienst. Wenn die Sonne ihren Lichtstrom ergoß, suchte der unglückliche Geliebte nahe den Mauern ängstlich seine Angebetete und seine schmachtenden Seufzer ertönten bis in die Umkreise der Stadt. Da eines Tages

unterschied er sie zwischen den Kriegern dort auf den Mauern und auch Coya erkannte ihren Almagro. Ihre beredten Blicke verstanden sich und bei Tagesneige sollten sie sich auf den Vorposten sprechen.

Der blasse Almagro sehnte den Augenblick herbei, seine Schöne zu sprechen, denn auch er hatte seinen gerechten Zorn und seine traurigen Seufzer. Die Stunde kam an, Coya trat mit der Bedeckung aus der Stadt heraus und Almagro durchlief bereits ungeduldig den Kampfplatz. Sie hatten sich bald erkannt und eine starre Betäubung bemächtigte sich der beiden gefühlvollen Herzen. Unwillkürlich eilten sie nachher, wie von einem unwiderstehlichen Drange hingerissen, sich zu umarmen und in stummem und beredtem Stillschweigen warfen sie sich zärtliche Blicke zu und erleichterten die geängstigten Herzen, als Coya, in einem Meer von Thränen, trostlos ausrief: »Unmensch, wenn du doch zur Liebe geboren wurdest und die Zärtlichkeit verkennst, warum hast du mich unglücklich gemacht?«

»Coya!«

»Dort die tiefe Hölle hat euch aus ihren Höhlen geschleudert, um das Reich zu verheeren. Die Ruhe, das Lächeln, das Glück, entflohen auf immer von diesem Boden bei der Ankunft der von Osten Gekommenen; wenn du nicht wärest, läge ich unter dessen Trümmern begraben, aber nimmermehr würde ich unter so düstern Qualen seufzen.«

»Zerreiße mein Herz nicht, du weißt es, Coya, ich bin gefühlvoll und bete dich an.«

»Und betest mich an und schwurst mir, den unschuldigen Monarchen zu retten, und der unglückliche Inka wurde ein Opfer der Söhne des Verbrechens, deiner Gefährten.«