Gefühllos bei so großem Schmerz und so großem Wehklagen, begannen Luque und Pizarro mit der Ausführung des barbarischen Beschlusses. Die Unglücklichen, welche ergriffen wurden, mußten ihr Glaubensbekenntniß ablegen oder kamen in den Flammen um; Alle sahen sich genöthigt, in dem Tempel zu erscheinen, um der Religion ihrer Väter zu entsagen oder in die rauhen Wälder zu entfliehen und sich vor der Wuth ihrer Feinde zu befreien. Fern von seiner Coya, vielleicht befürchtend, ihre Liebe verloren zu haben, und obschon in eine unmerkliche Kälte versunken, ohne Hoffnung, sie wieder in seine Arme zu schließen, konnte Almagro die Greuelthaten, womit man das Christenthum
beschimpfte und die Menschenwürde gering schätzte, nicht dulden. »Ueberzeuge,« sagte er zu Luque, »diese unglücklichen Bewohner mit der Beredtsamkeit, die dir Jesus einflößt, reiße sie aus der Götzendienerei heraus, aber der Dolch macht keine Christen.« Alles war umsonst; »Satan,« sagte der Priester, »vermag mehr als die Gnade,« und Pizarro vertheidigte schon darum die Sklaverei der Indianer, weil er sie kaum für Menschen hielt, und weil, wenn er sie nicht mit Ketten belud, sie leicht ihre Arme nach Rache ausstrecken würden.
Beim Landen in der neuen Welt führte, da Pizarro weit eher Regionen zu entdecken, als Reiche zu erobern gekommen war, und da die Gelder der Gesellschaft nach den bei den ersten Streifereien gemachten beträchtlichen Auslagen zu gering waren, die Expedition sehr wenige Kriegsvorräthe mit sich, und vor Allem hatte sie einen großen Mangel an Pulver und Geschossen. Unter den Eindringlingen gab es Männer von genügenden Kenntnissen zur Gewinnung des Pulvers und zur Herstellung und zum Gießen der Metalle, und die Gebirge besichtigend, welche Cajamalca umgaben, fanden sie Salinen und Mineralien, so viel sie nur wünschen mochten, im größten Ueberflusse vor. Tausende von Unglücklichen wurden zur Ausbeutung der Bergwerke fortgeschleppt und kamen bei der Strenge einer beständigen und ihnen unbekannten Arbeit um, oder fielen in den Schlünden der tiefen Ausgrabungen erstickt nieder. Sie zogen die Urstoffe aus dem Innern der Erde hervor und hernach gossen und verarbeiteten
sie die Europäer allein, damit ihre Sklaven nicht zerstörende Waffen verfertigen lernten. Die unglücklichen Peruaner schmiedeten ihre eigenen Ketten!
Die Reichthümer, welche die Gebirge in ihren Höhlen bargen, beschränkten sich nicht nur auf Salinen und gewöhnliche Metalle; bei den Nachgrabungen fanden sich auch Gold- und Silberadern vor, die den Ehrgeiz der Sieger entflammten und eine Million Indianer zum Tode verdammten. Trotz des Ueberflusses an Gold, den die Amerikaner hatten, war ihnen die Kunst der Ausbeutung nicht bekannt, und niemals entnahmen sie den Gebirgen und Flüssen andere Metalle als diejenigen, welche die Natur verschwenderisch aus deren Schooße warf, und obschon diejenigen, welche Cajamalca umgaben, nicht die ergiebigsten der neuen Welt waren, so waren sie nichtsdestoweniger reich an Schätzen, die sich alsbald bei dem Schweiße zeigten, den die Indianer bei den Nachgrabungen unter der hartherzigen Leitung ihrer Besieger vergossen.
Nach Entnahme großer Mengen von Salz und Schwefel verfertigten sie eine große Menge Pulvers, gossen unzählige Geschosse, worauf man die Eroberung des Reiches gründete, und schmiedeten schwere eiserne Ketten, woran sie die unschuldigen Sklaven, welche in ihrer Miene die Zeichen der Verzweiflung, sich vor Elend sterben zu sehen, und unter einer Arbeit gebeugt, die ihnen unwiderstehlich war, zur Schau trugen, um so leichter versichern konnten.
Alle Bewohner Cajamalcas und von dem Lande, die das Wasser der Taufe empfingen, wurden zu den
Nachgrabungen in den Bergwerken verdammt, und diejenigen, welche ihrem Glauben nicht entsagen wollten, flohen in die Gebirge oder retteten sich vor ihren Verfolgern nach Cuzco. Den unglücklichen Lastträgern wurde kaum das zum täglichen Unterhalte Unerläßliche angewiesen, und die Sieger sorgten, mit dem Degen in der Hand, dafür, daß die Arbeit betrieben wurde, und sie hatten das Recht, denjenigen, welchen sie für träge hielten, zu verwunden und zu tödten. So eine grausame Gewaltherrschaft brachte die unglücklichen Peruaner bis zur Verzweiflung, und mehr als einmal spürte man theilweise Aufstände, die aber immer durch grausame Metzeleien erstickt wurden. Um selbst die geringste Gefahr zu vermeiden, und da sie genügend Mineralien hatten, schmiedete man die Arbeiter mit schweren Ketten aneinander, welche, indem sie deren Arme zur Arbeit frei ließen, ihre Körper erdrückten und ihnen weder Ueberfall noch Vertheidigung ermöglichten. Mit Schmerzensthränen benetzten jene Unglücklichen die Schätze, die sie verfluchten.
Eine Zeit lang war Pizarro im Namen des Königs von Spanien Herr aller Sklaven und sie arbeiteten in den öffentlichen Bergwerken und wurden von dem Schatze bezahlt. Bald aber machten, um sein Ansehen aufrecht zu erhalten, seine Freigebigkeit und der noch immer nicht gesättigte Ehrgeiz der Abenteurer, daß die Sklaven durch Geschenk oder Kauf in Privateigenthum übergingen. Der Herr hatte durch die ganze Nachkommenschaft hindurch das Recht über Leben und Tod und verschaffte sich die Wiedergeburt der Sklaven mit
derselben Thätigkeit, mit denselben Mitteln und denselben Zwecken, wie diejenigen irgendwelcher anderer Hausthiere, die das Erbgut des Herrn vermehrten. Auf so eine ungeheuerliche Staatswirthschaft konnte die Eroberung eines Reiches nicht fußen! Und noch sind im neunzehnten Jahrhundert auf unsern Besitzungen von Asien und Amerika schlagende Spuren jener unmenschlichen Knechtschaft vorhanden.