Kapitel 16.
Verstärkung.
Obschon mit Lorbeern und Schätzen beladen, befand sich doch die feindliche Abtheilung in den bedenklichsten Umständen, und die Eroberung Perus konnte ihr immer noch unter ihren Händen entwischen. Nur fünfhundert Abenteurer waren auf Pizarros Befehl in San Mateo gelandet, und die verschiedenen Klimas und die erbitterten Kämpfe hatten unter so geringen Streitkräften beträchtliche Verminderungen hervorgerufen. Mit Schätzen überladen hatten sie im Allgemeinen ihren Ehrgeiz schon befriedigt, und wären die Anführer nicht ebenfalls ruhmsüchtig gewesen, so wünschten wohl alle, in ihr Vaterland und in den Schooß ihrer Familien zurückzukehren, um die Früchte ihrer Gefahren und ihrer Unerschrockenheit zu genießen. Almagro, der Gewaltherrschaft Luques und Pizarros zum Theil immer entgegengesetzt, hatte ebenfalls Anhänger im Lager, und der Bürgerkrieg drohte mit größerem Schrecken, als die Eroberung des Reiches.
So schwierige Umstände waren Luque und Pizarro, welche mit allen nur erdenklichen Mitteln den Ehrgeiz
und die Begeisterung aufrecht zu erhalten suchten, nicht verborgen, aber ihre Anstrengungen hatten nicht immer den gewünschten Erfolg. Zu gleicher Zeit war Huascar mit einem mächtigen Heere nach Cuzco gezogen, und neue Truppenaushebungen machten, so furchtbar die Spanier auch in den Siegen gehaust hatten, die Eroberung des Reiches von Tag zu Tag ansehnlicher. Mit so schwachen Streitkräften konnte Pizarro, wenn er schon die Punkte San Mateo und die übrigen Häfen oder Küstenorte verlassen hatte, die Stadt Cajamalca nicht auch ohne irgend welche Kriegsmacht lassen, weil die Bewohner erbittert zu den Waffen greifen würden, die Frucht seiner Siege verloren ginge und er im Falle einer Niederlage keinen Punkt hätte, wohin sich zu retten. Sich, obwohl mit Schätzen beladen, von Cajamalca zurückzuziehen und sich wieder nach Panama einzuschiffen, würde ihrem Namen sehr wenig Ehre und den glorreichen Waffen der Spanier weniger Glanz verleihen.
Von einem versengenden Feuer zu Coya verzehrt, vermochte Almagro ebenso wenig den Gedanken zu ertragen, sich wieder einzuschiffen, ohne die Schöne, welche, da sie das Wasser der Taufe empfangen hatte, einer so süßen Vermählung nichts entgegen setzen konnte, ewig in seine Arme zu schließen. Wenn Pizarro, heftig und wild in seinen Leidenschaften, die Zärtlichkeit, die süßeste Schwermuth der Einflüsterungen der Liebe nicht kannte, fühlte er eine lebendige Leidenschaft für Ocollo, welche durch den Stolz als Eroberer geschürt, ihm nicht erlaubte, von dem Gedanken abzustehen, sich auf sein
Opfer zu stürzen, um es zu verzehren. Luque, der in Mitten seines fanatischen Wahnwitzes seine ewige Erlösung auf die Bekehrung zum Glauben der Sonnenanbeter bezifferte, würde eher den Tod vorziehen, als, die Eroberung Perus verlassend, sein Seelenheil gefährden.
Die Abenteurer, welche sich von Tod und Gefahren umgeben sahen, fingen, als sie ihren Ehrgeiz befriedigt hatten, an, mit Nachdruck die Stimme zu erheben, um nach Panama zurückzukehren, und weder Luque noch Pizarro konnten dieselben, außer für ihre eigene Vertheidigung, die Waffen ergreifen lassen. Der Angriffskrieg schien bei seinem Ende angelangt zu sein, und das Leben der Oberhäupter schwebte, ohne daß Pizarro die Aufrührerischen bestrafen konnte, tausend Mal in Gefahr. Tage lang verharrte die Abtheilung in einem so gewaltsamen Zustande, ohne daß sie etwas von der Kolonie und noch weniger von der Hauptstadt wußten. Nicht ein einziger Spanier war zwischen San Mateo, Tumbez und Cajamalca zurückgeblieben, um angesichts der Landungsplätze zu sein, und den weiten Weg zu besetzen; besiegt, waren die Peruaner immer noch nicht bezwungen. Es war schwierig, daß die Eindringlinge Zuzug bekämen, und Pizarros ganze Tapferkeit und Luques ganzer Fanatismus vermochten kaum, ihre Abenteurer zurückzuhalten.